„Canto ostinato“ für acht Saxofone mit dem Nederlands Saxofoon Octet

CD-Tipp : „Canto ostinato“ für acht Saxofone

„Canto ostinato“ des Niederländers Simeon ten Holt ist ein Meisterwerk der Moderne.

Klassik Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Konzert, doch niemand kann Ihnen sagen, wie lange es dauern wird. Die Angaben schwanken und sind unzuverlässig. Sogar die Künstler zucken mit den Achseln und sagen: Wir werden sehen!

Variable Längen sind in der Musikgeschichte keine Seltenheit, viele Werke aus der Aleatorik (Zufallsmusik) und der Minimal Music operieren mit dem Phänomen der Offenheit. Es gibt etwa „In C“ von Terry Riley, ein Kultstück der Moderne. Es erzeugt Gleichmaß, Trance, Meditation, Seelenruhe. Es sei denn, man regt sich auf.

Ähnlich verhält es sich mit Simeon ten Holts „Canto ostinato“. Das 1979, also vor 40 Jahren uraufgeführte Werk gilt in den Niederlanden als ikonische Studie über die Möglichkeit, 106 verschiedene „sections“, die jeweils nur sehr kurz sind, zu einer riesenhaften, gleichsam schwebenden Studie über die endliche Unendlichkeit wuchern zu lassen. Simeon ten Holt (1923 bis 1012) gilt bei unseren Nachbarn als Galionsfigur, allerdings nur wegen „Canto ostinato“; die vielen anderen seiner Werke sind mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Unvorstellbar, dass er in seinen frühen Jahren sogar ein tätiger Anhänger der seriellen Komponierweise war. Gelernt hat er das alles nicht: Seine Lehrer in Paris waren Arthur Honegger und Darius Milhaud gewesen, die beide weder mit Serialismus noch mit Minimal Music etwas am Hut hatten.

Geschrieben wurde „Canto ostinato“ für ein oder mehrere Klaviere, doch schon kurz nach der Uraufführung zirkulierte das Werk auch in anderen Besetzungen. Nun gibt es beim Label Cobra Records (Vertrieb: Klassik Center Kassel) eine herrliche Neuaufnahme mit dem Nederlands Saxofoon Octet, die dem Werk auf faszinierende Weise Atem und Leben einhaucht. Es wirkt keine Sekunde maschinenhaft, sondern humanistisch inspiriert. Wolfram Goertz

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