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Candida Höfer: „Aber Bilder können reisen“

Die Fotografin Candida Höfer im Gespräch : „Aber Bilder können reisen“

Eine „künstlerische Vorahnung“ auf die Zeit der Pandemie seien ihre weltberühmten, menschenleeren Fotos nicht gewesen. Dass in den vergangenen Monaten Reisen kaum möglich waren, bedauert sie ungemein. Was also tun in dieser Zeit? „Alte Aufnahmen durchsehen“, so die 77-Jährige.

Sie sind für Ihre Arbeiten – und für Ihre Ausstellungen – oft und sehr weit gereist. Das ist seit fast einem Jahr nur bedingt möglich. Wie empfinden Sie für sich persönlich diese Einschränkungen?

Höfer Reisen geht kaum. Das vermisse ich sehr, wenn ich auch den Zeitgewinn schätze, der durch Nicht-Reisen entsteht. Bilder können reisen. So konnten Ausstellungen in Shanghai und Busan gemacht werden. Ich wäre gerne mitgereist. Auch in Köln konnte eine Ausstellung stattfinden – bei Thomas Zander mit meinen neuen Bildern aus dem Belgischen Haus in Köln.

Wie können Sie momentan überhaupt arbeiten?

Höfer Das Labor arbeitet. Bilder können produziert werden – so etwa kleinere Arbeiten für eine Galerie in Hangzhou – Inna’s Art Space, die gerade in einer Gruppenausstellung ein Bild von mir zeigt, das schon vor der Pandemie bei ihr war und die mit den kleineren Arbeiten an mehreren Messen in China teilnehmen wird. Und dann natürlich die Schreibtischarbeit, Liegengebliebenes bearbeiten und neu sortieren für weiteres Liegenbleiben – und dann ist da noch das  Archiv …

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Und woran arbeiten Sie direkt?

Höfer Ich arbeite an Aufnahmen, die ich im Carnavalet Museum in Paris während der Renovierungsarbeiten dort gemacht hatte. Und ich sehe alte Aufnahmen durch.

Haben sich durch die Pandemie Ihre Arbeiten und Ihr Werk verändert – etwa in der Wahl der Motive? Und der Perspektive auf die Motive?

Höfer Soweit ich es an mir bisher feststellen konnte – eher nein.

Kann auch das Leben in der Pandemie ein Anlass für Sie zur Fotokunst sein oder werden?

Höfer Nein. Ich sehe mich nicht auf besondere Anlässe reagierend.

Die meisten Ihrer Fotoarbeiten verzichten auf die Abbildung von Menschen. Auch wenn dies künstlerische, ästhetische Gründe hatte: Werden die Fotos von damals zu einem Spiegel unserer Zeit und Lebensempfindung?

Höfer Es war nicht die berühmte „künstlerische Vorahnung.“ Ich arbeite eben seit jeher so, weil so für mich Räume und ihre Bedeutung sichtbarer werden.

Gibt es unter den Fotokünstlern auch (oder gerade) in Zeiten der Pandemie Kontakte? Tauschen sie sich einander darüber aus, was möglich ist und was unmöglich?

Höfer Aus naheliegenden Gründen habe ich direkte Kontakte vermieden. Man sieht eher dem zu, was von anderen auf dem Netz sichtbar wird. Kürzlich etwa ein sehr gutes Interview von Gabriel Orozco mit Hiroshi Sugimoto auf der Web-Präsenz der Marian Goodman Gallery.

Was planen Sie denn momentan – an Ausstellungen. Und vielleicht an Online-Präsentationen?

Höfer Für die erwähnten Arbeiten aus dem Carnavalet arbeite ich an einem Ausstellungsplan. Die Galerien stellen gelegentlich einzelne Bilder von mir online, und um meine bescheidene Instagram-Präsenz kümmert sich eine Freundin. All das ersetzt nicht die Gelegenheit einem Bild in einem „wirklichen“ Raum gegenüberzustehen und sich mit Menschen dort zu unterhalten.

Wird unser Leben, wie wir es derzeit in der Pandemie führen müssen, grundsätzlich anders werden? Also auch über die Pandemie hinaus?

Höfer Ich weiß es nicht. Vielleicht wird man Vieles – zumindest zu Anfang – intensiver wahrnehmen und besser schätzen, mit Freunden essen gehen, sich zufällig sehen, durch Buchhandlungen gehen und Bücher in die Hand nehmen ...