Düsseldorf: Camus in Düsseldorf: Beelitz' Rechnung geht vorerst auf

Düsseldorf : Camus in Düsseldorf: Beelitz' Rechnung geht vorerst auf

Vollbesetztes Haus und Applaus für "Die Gerechten"

Mit Camus' Revolutionsdrama "Die Gerechten" füllt ein moderner Klassiker das Große Haus in Düsseldorf - und das am sonnigen letzten Ferienwochenende. Günther Beelitz, spätberufener Intendant für zwei Jahre, ist angetreten, das Theater aus seiner finanziell desolaten Lage herauszuführen, die eine künstlerische Krise mit sich zog. Das Wichtigste ist, die Besucherzahlen wieder hochzuschrauben. Seine Idee, auch ältere Schauspieler wieder auf die Bühne zu bringen, mit denen das Stammpublikum das Haus verbindet, hat er nun konsequent durchgezogen.

Das Durchschnittsalter der Schauspieler inklusive Regisseur Michael Gruner (69) liegt über dem Renteneintrittsalter. Die Revolutionäre, die sie spielen, könnten locker ihre Enkel sein. In ihnen brennt der Geist der Revolution nicht wie bei jungen Menschen. Und wenn sie töten, tun sie es abgeklärt. Wer einmal gemordet hat, ist ein alter Mensch, heißt es im Text, was diese Inszenierungsidee stützt. Doch hätte man die Alten keinesfalls im beigefarbenen Rentner-Look auftreten lassen sollen. Man hätte sie äußerlich wie emotional als Revolutionäre ausstatten müssen. So fehlt es an der Grundierung der Motive und Liebe.

Die Regie hat bei aller weltpolitischen Dringlichkeit jede Aktualisierung unterlassen. Sie lässt das Ideendrama mehr aufsagen als spielen. Die Bühne ist so gut wie leer, der Aktionsradius minimal. Was zählt, sind Texttreue und Artikulation. Das wird ermüdend angesichts der langatmigen Auseinandersetzung der Männer und einer Frau. Welche Mittel sind gerechtfertigt, um Gerechtigkeit zu erzwingen? Das ist die Kernfrage, die sich Revolutionäre stellen, bevor sie im zweiten Anlauf ein Bombenattentat auf den russischen Großfürsten verüben. Unter den Schauspielern gefallen besonders Michael Abendroth, Dirk Ossig und Louisa Stroux - weil sie spielen dürfen. Durch sie wird das Drama am Ende menschlich und schlüssig.

Nach anderthalb Stunden gab es dennoch langanhaltenden Applaus und reichlich Diskussionsstoff bei der Premierenfeier.

(RP)