Bundeskunsthalle Bonn: Vorwürfe zu Michael Jackson-Ausstellung "On The Wall“

Kunstschau über Michael Jackson : Bundeskunsthalle reagiert auf Vorwürfe

Die Ausstellung zu Michael Jackson soll um Diskussionen und eine Talkrunde erweitert werden.

Die Missbrauchsvorwürfe gegen US-Popstar Michael Jackson bringen die Bonner Bundeskunsthalle in Bedrängnis, die von Freitag an bis zum 14. Juli die Ausstellung „Michael Jackson – On The Wall“ zeigen will. Es handelt sich um eine Schau mit Porträts Jacksons, eine Hommage von mehr oder weniger prominenten künstlerischen Fans – von Andy Warhol bis Paul McCarthy. Die Ausstellung war bereits unbeanstandet in der Londoner Portrait Gallery und im Pariser Grand Palais zu sehen. Doch mit den Vorwürfen, die nun die HBO-Dokumentation „Leaving Neverland“ ins Feld führt, erhält die Jackson-Schau eine besondere Brisanz. Zwei Männer berichten in dem Film, der in Deutschland am 6. April auf ProSieben gezeigt wird, sie seien von dem 2009 gestorbenen Star als Kinder missbraucht worden.

„Ist Michael Jackson wirklich der Künstler für das Jahr 2019 in der Bundeskunsthalle?“, fragt nun die „Welt“. Und: „Welche Botschaft will die Bundeskunsthalle senden?“ Rein Wolfs, Intendant der Bundesinstitution, zeigt sich, obwohl er die Doku noch nicht gesehen hat, erschüttert: „Wir sind schockiert über die Vorwürfe“, sagte er. Gleichwohl sieht er keinen Anlass, die Bonner Schau abzusagen. „Wir wollen sie zeigen, weil sie eine historische, kunsthistorische Ausstellung ist, die Kunstwerke sind nicht schuldig“, meint Wolfs. „Wir haben es mit der Ausstellung in der Hand, uns an der Debatte zu beteiligen“, sagte der Intendant. „Der Diskurs ist richtig und wichtig.“

Wolfs: „Wir werden aber nicht in die Ausstellung eingreifen.“ Was wird es stattdessen geben? Mit etlichen Formaten will Wolfs der vor zwei Jahren konzipierten Schau begegnen: Es werde eine kritische Klammer geben, die die Thematik von Missbrauchsfällen und sexueller Instrumentalisierung ansprechen werde. Wolfs denkt an erklärende Texte am Anfang und Ende der Schau, an öffentliche Gespräche und an Ansprechpartner in der Ausstellung, an die sich Besucher wenden können. Für den 3. April, drei Tage vor der Ausstrahlung der Doku in Deutschland, sei eine Talkrunde in Kooperation mit der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Bundeskunsthalle geplant. Thema: „Die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft.“ In dem Kontext würden auch die Themen Pädophilie und sexueller Missbrauch sowie die Debatte um Jackson besprochen. Der, so betont Wolfs, sei nie der Vergehen schuldig gesprochen worden.

Die erstmals Ende Januar beim Sundance Film Festival gezeigte Doku „Leaving Neverland“ sei, so der „Spiegel“, die Geschichte eines labilen Egomanen, der sich in einer Kinderrolle inszeniere, „die in keinem Verhältnis zu seinem Einfluss und seinem Alter steht; der in dieser Rolle jungen Kindern Sex als Liebesbeweis verkauft; der seinen Opfern Geheimhaltung einschärft; der sie, sobald sie die Pubertät erreichen, gegen neue, jüngere austauscht. Und der sich einen Dreck darum schert, dass er Familien bezirzt, auseinanderreißt, benutzt, wegwirft“.

Ebenfalls als Reaktion auf die Anschuldigungen hat das Modehaus Louis Vuitton einige Kleidungsstücke und Accessoires seiner aktuellen Kollektion aus dem Programm genommen. Chefdesigner Virgil Abloh hatte sich von Michael Jackson inspirieren lassen. Auf der am 17. Januar – also vor Ausstrahlung von „Leaving Neverland“ – präsentierten Modenschau waren Models zu einem Lied von Michael Jackson über den Laufsteg gegangen. Das Bühnenbild erinnerte an den Videoclip zum Jackson-Klassiker „Billie Jean“. „Louis Vuitton stellt sicher, dass die Kollektion nur die Werte des Kreativchefs und der Firma widerspiegelt. Auch wird es keine Stücke mit direkten Jackson-Referenzen geben“, heißt es nun in einer Stellungnahme.

Etliche große Radiosender in Kanada nahmen die Hits von Jackson aus dem Programm. Auch Sender in Norwegen und Neuseeland reagierten bereits mit Zensur. Der norwegische Rundfunk ruderte nach Kritik wieder zurück. Rundfunkchef Thor Gjermund Eriksen sagte: „Wir müssen zwischen Kunst und Künstler unterscheiden.“ Deutsche öffentlich-rechtliche Sendeanstalten reagierten bislang abwartend. Man wolle das Thema weiter genau beobachten, heißt es. Die Macher der Zeichentrickserie „Simpsons“ haben auf die Vorwürfe reagiert und die Episode „Die Geburtstagsüberraschung“ von 1991 ins Archiv verbannt. In der Folge trifft Homer Simpson in einer psychiatrischen Klinik auf einen Patienten, der vorgibt, Michael Jackson zu sein. Jackson selbst, ein großer Fan der „Simpsons“, lieh der Zeichentrickfigur damals seine Stimme.

Seit 1993 gab es wiederholt Pädophilievorwürfe gegen Jackson, der sie immer bestritt, gleichwohl aber 1993 eine Abfindung in Millionenhöhe an die Familie eines 13-Jährigen zahlte. In einem Fall von 2005 wurde er in allen Punkten der Anklage freigesprochen.

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