Johnnes Schütz erhält Kunstpreis NRW Ein Bühnenbildner, der das Bühnenbild nicht mag

Düsseldorf · Johannes Schütz hat den mit 25.000 Euro dotierten Kunstpreis des Landes NRW erhalten. Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte die Auszeichnung an den Bühnenbildner, der für seine reduzierten statt überladenen Räume bekannt ist.

 Ministerpräsident Hendrik Wüst ehrte Johannes Schütz mit dem Kunstpreis.

Ministerpräsident Hendrik Wüst ehrte Johannes Schütz mit dem Kunstpreis.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Johannes Schütz, einer der renommiertesten und vielfach ausgezeichneten Bühnenbildner Deutschlands, hat am Montagabend im K21, dem einstigen Plenarsaal, eine weitere Ehrung bekommen: Ministerpräsident Hendrik Wüst zeichnete ihn mit dem Kunstpreis des Landes NRW 2022 aus. Eigentlich ein Kuriosum, denn Schütz findet das Bühnenbild ein „furchtbares Wort". Seine Räume sind ohne Bilder. Mehr noch: Er glaubt nicht an das Bühnenbild. Er spricht eher von Modellen und Räumen, die genau, formal und konkret zugleich sind.

Der Düsseldorfer Generalintendant Wilfried Schulz, der mit seinem Schützling Triumphe im Central gefeiert hat, lobte seinen Prozess der Reduzierung, an dessen Ende eine Form von höchster Sinnlichkeit stehe.

Beim Festakt im Beisein von Kulturministerin Ina Brandes, Staatskanzlei, Staatssekretären und Politikern von Stadt und Land flimmerte ein kurzer Film über eine Projektionswand. Sie zeigte Schütz als einen Besessenen, der sich jedoch ganz lässig gab, auf eine fahrbare Bühne stieg und einen sechs Meter hohen Bücherturm abfuhr, den er sich 2013 in einer Berliner Werkshalle für den eigenen Gebrauch gebaut hatte.

In seiner Laudatio nannte ihn der Regisseur und Schriftsteller Roland Schimmelpfennig prompt einen „Bibliothekar", der in einer ständig wachsenden Buchlandschaft einerseits nach den unsichtbaren Gesten und andererseits nach dem Vorstellbaren suche. Dieser „Verweigerer des Bildes" durchdringe einen Text sehr genau, starte mit dem unsichtbaren Kasten, der nur zum Publikum hin offen ist, und nehme nur das, was nötig ist.

Schütz lehnt „dekorative Tröstungen" ab und produziert eine Architektur, bei der der Schauspieler und sein gesprochenes Wort auf intelligente Weise zur Wirkung kommen. Schimmelpfennig lobte diese Radikalität, die gerade deshalb den Schauspieler und dessen gesprochene Worte verteidige. Der Laudator sagte: „Wo andere hinzufügen, ergänzen, kommentieren, gestalten, im schlimmsten Falle dekorieren, stellt Schütz dem Bild eine Form meisterlich klar umrissener Leere entgegen, wohl wissend, dass die Sprache und die Geste auf dem Theater ohnehin wie aus dem Nichts Bilder zu erschaffen vermögen.“

Der Geehrte erklärte am Rande des Geschehens: „Was ein Bühnenbildner macht, muss besser sein als die leere Bühne; und die ist meistens schon sehr gut. Auf einem leeren Tisch kann man sich besser auf einen Gegenstand konzentrieren als auf einem vollen. Je weniger auf der Bühne, desto größer ist die Konzentration auf die Schauspieler. Die Frage ist nur: Was ist wenig?"

Für die Auszeichnung bedankte er sich mit dem für ihn typischen Understatement und sprach dabei das Wort von der „alten Tradition" aus. Das freute den ehemaligen Akademie-Rektor Karl-Heinz Petzinka, der ihm zuhörte, auf besondere Weise. Petzinka war ein Vorkämpfer für den Erhalt einer Klasse für Bühnenbild an seinem Düsseldorfer Haus. Er setzte sich vehement gegen die Kritikaster im Senat ein und sorgte für eine Nachfolgerin, als Schütz die Pensionsgrenze erreicht hatte und 2019 aus den Diensten des Landes ausschied.

Die Hände hat der inzwischen 72-Jährige seitdem nicht in den Schoß gelegt. Im Gegenteil. Am Samstag bringt er an der Deutschen Oper in Berlin den „Fidelio" heraus, wo er für Bühne und Kostüm verantwortlich ist. Und die Kooperation mit dem Schauspielhaus Bochum bleibt bestehen. In einer Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig wird er in „Würgeengel, Psalmen und Popsongs" aktiv, frei nach dem surrealistischen Filmklassiker von Luis Bunuel. „Ich mache einfach weiter, ich kann gar nicht anders", ist sein Kommentar dazu. Man könnte mit den Worten von Hendrik Wüst antworten: „Künstler zu sein bedeutet, an das Leben zu glauben."

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