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Buchhändler in NRW sind wegen Corona-Sonderregelungen frustriert

Wegen Sonderregelung geschlossen : Buchhändler in NRW wollen ihre Geschäfte öffnen

Nach der bundesweit vereinheitlichten Corona-Regel werden Buchhandlungen eigentlich als Geschäfte des täglichen Bedarfs eingeordnet. Sonderregelungen in NRW erschweren jedoch weiterhin den Verkauf.

Als ein Geschäft des täglichen Bedarfs eingeordnet zu werden, ist in Zeiten der Corona-Pandemie äußerst vorteilhaft. Auch bei einem Inzidenzwert über 100 können diese Geschäfte geöffnet bleiben. Anstelle von „Click & Collect“ oder „Click & Meet“-Systemen stehen zudem die Ladentüren allen Kunden offen – vorausgesetzt es befinden sich nicht zu viele Menschen im Geschäft und der Betreiber weist ein funktionierendes Hygienekonzept vor.

Nach den bundesweit vereinheitlichten Corona-Regeln zählen Buchhandlungen eigentlich wie etwa Drogerien und Gartenmärkte deutschlandweit zu diesen Geschäften. In NRW jedoch gelten Sonderregelungen für die Buchhändler. Sie müssen weiter mit Terminvergaben arbeiten.

„Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat eine unzulässige Ungleichbehandlung darin gesehen, dass Buchhandlungen ab dem 8. März ohne eine Click-and-Meet-Beschränkung öffnen durften“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW. „Das Land NRW hat unmittelbar nach dem Beschluss mit sofortiger Wirkung eine neue Coronaschutzverordnung erlassen. Die vom OVG ausdrücklich als insgesamt verhältnismäßig eingestuften Beschränkungen für den Einzelhandel bleiben damit weiterhin bestehen und gelten seit dem unter anderem auch für den Buchhandel.“

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Für die Händler eine problematische Situation: „In einem Bekleidungsgeschäft werden bei einem Termin manchmal 100 Euro oder mehr ausgegeben. In Buchhandlungen kaufen die Menschen dagegen für geringere Beträge ein“, sagt Anke Naefe, Pressereferentin vom Börsenverein des deutschen Buchhandels in NRW. Gleichzeitig leide die Vielfalt der deutschen Literaturlandschaft an der Situation. Bestseller verkauften sich in den vergangenen Monaten noch einmal besser, während eher unbekannte Werke durch das fehlende Beratungsangebot kaum Beachtung fänden.

Den Verein erreichen derzeit viele Anfragen von Händlern. Sie sind verunsichert wegen geltender Vorgaben, auch weil die Umsetzung sich in den Kommunen bisweilen unterschiedlich gestaltet. So dürfen in Köln etwa nur Bücher ausgeliefert oder abgeholt werden. Der Termineinkauf in den über 90 Buchhandlungen ist dagegen nicht möglich. „Für die größte Stadt Nordrhein-Westfalens verschärft sich die wirtschaftliche Situation der Buchhandlungen weiter. Die Lage ist auch für Kunden unüberschaubar und zermürbt die Händler“, heißt es in einem Statement von Anja Bergmann, der Regionaldirektorin des Börsenvereins in NRW.

Sie fordert eine Gleichstellung der Buchhändler im gesamten Bundesland und macht darauf aufmerksam, dass dies in den anderen Ländern der Bundesrepublik bereits der Fall ist. „Die Verfügbarkeit von Büchern ist gerade in Zeiten von Homeschooling sehr wichtig. Es ist zudem seit dem Ausfall von Theater und Schauspiel eine wichtige Kultur, die von Zuhause aus rezipiert werden kann“, betont Bergmann. „Gleichzeitig tragen Sachbücher ebenso wie Belletristik zur Meinungsbildung und Informationsbeschaffung bei. Gerade in einer Zeit der Frontenbildungen ist das sehr wichtig.“