Zahl der Buchkäufer steigt erstmals wieder - „Wendepunkt am Buchmarkt"

„Wendepunkt am Buchmarkt" : Erstmals seit Jahren steigt die Zahl der Buchkäufer wieder

Jahrelang sank in Deutschland die Lust der Menschen, sich ein Buch zu kaufen. Zugleich breitete sich die digitale Welt immer stärker aus. Jetzt ist die Zahl der verkauften Bücher erstmals wieder angestiegen.

Die Zahl der Buchkäufer in Deutschland sei im vergangenen Jahr erstmals seit 2012 wieder gestiegen, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt mit.

29,9 Millionen Menschen ab 10 Jahren erwarben demnach laut einer GfK-Erhebung 2018 mindestens ein Buch, während es 2017 insgesamt 29,6 Millionen waren. Verlage und Buchhandlungen hätten damit rund 300.000 Buchkäufer zurückgewinnen können. 2012 hatte es noch 36,9 Millionen Buchkäufer gegeben, in den Folgejahren aber war die Zahl kontinuierlich gesunken.

"Wir können jetzt von einem Wendepunkt sprechen, allerdings noch nicht von einer Trendwende, weil die Entwicklung noch zu jung, zu frisch ist", sagte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. Die Beschäftigung mit den Ergebnissen der vor einem Jahr vorgestellten Börsenvereins-Studie "Buchkäufer - quo vadis?", bei der Buch-Abwanderer nach ihren Motiven befragt wurden, habe Bewegung bei Verlagen und Buchhandlungen ausgelöst. Diese hätten mit neuen Ideen "erfolgreich Wege zum Leser entwickelt", etwa durch innovative Ladenkonzepte, Veranstaltungsformate, Verlagsprogramme und Social-Media-Aktionen.

"Wir haben verstanden, was der gesellschaftliche Wandel in den letzten Jahren eigentlich bewirkt hat und wie wir uns darauf einstellen müssen", sagte Skipis. Durch die Studie habe man einige wichtige Erkenntnisse gewonnen. Zentral sei: "Die Menschen lieben das Buch." Doch durch die Digitalisierung, den Alltagsstress und die Beschäftigung mit den Sozialen Medien sei das Buchlesen aus dem Fokus geraten.

Die Buchbranche habe lernen müssen, dass "eine neue Art der Kundenansprache nötig" sei. "Wir müssen zu den Menschen ins Netz und ihnen zudem ein hochkomfortables und leistungsfähiges Orientierungssystem bieten, damit sie wieder zu Büchern finden können", sagte Skipis. Zugleich müsse man klarmachen, dass das Buch "nach wie vor eine wunderbare Alternative zu anderen Medien" sei.

Die größten Zuwächse zeigten sich 2018 gerade in jenen Altersgruppen, in denen in den vergangenen Jahren am meisten Käufer verloren gegangen waren: In der Gruppe zwischen 20 und 29 Jahren stieg die Zahl der Buchkäufer um 15,2 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen um 15,8 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen um 2,2 Prozent.

Der Umsatz der Buchbranche habe sich 2018 mit 9,13 Milliarden Euro stabilisiert und sei in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 in den zentralen Vertriebswegen um 4,1 Prozent gestiegen, hieß es. Mehr als 70.000 Bücher werden jedes Jahr in Deutschland neu veröffentlicht, so Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller. Damit liege Deutschland auch international auf einem vorderen Platz.

Die bundesweite positive Marktentwicklung zeige sich auch beim E-Book. Dieses Medium habe sich "im Publikumsmarkt etabliert", besitze aber noch Steigerungspotenzial, sagte Matthias Heinrich, Vorstandsmitglied des Börsenvereins. Der Umsatz der E-Books am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) stieg 2018 um 9,3 Prozent. Damit wurden 2018 insgesamt 5,0 Prozent des Umsatzes mit E-Books gemacht (2017: 4,6 Prozent). Ebenfalls steigend waren der Absatz (plus 12,7 Prozent auf 32,8 Millionen E-Books).

Auch die "Kaufintensität" beim elektronischen Buch nahm weiter zu: Im Schnitt legte sich jeder Käufer 9,2 E-Books in den Warenkorb, fast eines mehr als im Vorjahr (8,3 Stück) und dreimal soviel wie 2010 (2,8 Stück). "Wenn ein Käufer vom Medium E-Book einmal überzeugt ist, kauft er gerne auch mehrere Bücher für ein Lesegerät", sagte Heinrich. Der Trend zum Kauf günstigerer Titel setzte sich fort: 2018 gaben Käufer durchschnittlich nur noch 6,19 Euro pro E-Book aus, während es 2010 noch 10,71 Euro waren.

Im vergangenen Jahr kauften den Angaben zufolge 3,6 Millionen Personen in Deutschland E-Books. Damit stieg der Anteil der E-Book-Käufer an der Gesamtbevölkerung 2018 auf 5,3 Prozent. Zum Vergleich: 2010 lag dieser Anteil nur bei einem Prozent.

(kna)
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