Interview: Wilder Lauterbach sieht sich nicht als Vorbild

Interview : Wilder Lauterbach sieht sich nicht als Vorbild

Dresden (rpo). Bitte nicht nachmachen! Heiner Lauterbach sieht sich mit seinem exzessiven Leben nicht als Vorbild. Seine Kinder könnten nicht mit dem Glück rechnen, das er gehabt habe, sagt der Schauspieler im Interview. "Mein Rat lautet: Finger davon lassen." In seinem Buch "Nichts ausgelassen" schreibt er auch über Swingerclubs und Drogen. Lauterbach verteidigt es gegen Kritik, die unter anderem von Regisseur Dieter Wedel kommt.

In Ihrem Buch "Nichts ausgelassen" beschreiben Sie ein außergewöhnliches Leben mit wilden Partys, Frauen und Exzessen. Es gibt bestimmt so manchen, der sich auch solch ein Leben wünscht. Würden Sie es zur Nachahmung empfehlen?
Lauterbach: Nein, ich würde es nicht zur Nachahmung empfehlen. Ich erkenne zwar das Argument auch meiner Kinder an, dass ich ja selbst solch ein Leben geführt habe, aber ich sage ihnen immer wieder, dass sie nicht mit dem Glück rechnen können, das ich hatte, um das Ganze zu überleben. Deshalb mein Rat: Finger davon lassen.

Warum?
Weil man da auch furchtbar abstürzen und auf die Nase fallen kann.

Ihr Buch sorgt für mächtig viel Wirbel. Warum haben Sie es gerade jetzt geschrieben?
Irgendwann muss man es ja mal schreiben.

Regisseur Dieter Wedel führt in einem Interview schwere Geschütze auf. Er bezeichnet Sie als einen außergewöhnlichen Schauspieler, aber sieht in Ihnen nicht den Schriftsteller.
Ich halte es grundsätzlich für ziemlich dumm, von hundert Prozent zu reden, von denen man nur fünf Prozent kennt. Leider machen das sehr viele Menschen, von denen ich noch nie einen Film gesehen habe oder eine Theaterinszenierung.

Jeder, der ein Buch oder besser gesagt seine Memoiren schreibt, will damit eine Botschaft loswerden. Was wollen Sie sagen?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir von vielen Seiten bestätigt wurde, dass es sich um ein sehr dynamisches, kraftvolles und witziges Buch handelt. Bei einer Biografie liegt es doch auf der Hand, was man schreiben will. Ich wollte mein Leben aufschreiben.

Und, war es für Sie in Ordnung?
Es war in weiten Teilen nicht in Ordnung, es war alles andere als in Ordnung.

Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten immer auch Vorbild für Jüngere sein. Empfehlen Sie jungen Menschen Ihr Buch?
Ja, ganz sicher. Vorbildlich ist die Ehrlichkeit, mit der ich mit den Sachen umgehe. Ich schließe mich nicht der verlogenen Gesellschaft an.

Klären Sie uns auf, in welcher Form ist die Gesellschaft verlogen?
In jeglicher Form.

Welche Bedeutung haben die Leute, über die Sie in Ihrem Buch schreiben?
Ich habe die Leute, die in meinem Buch vorkommen, nicht aus Sensationslust genannt oder weil ich so gerne über Swingerclubs schreibe, sondern weil es Details eines langen Lebens sind. Außerdem appelliere ich in dem Buch an alle Jugendlichen, die Finger vom Rauschgift zu lassen.

Eine gute und richtige Botschaft.
Ich möchte aber nicht als Messias unterwegs sein.

Sondern?
Um sich diese vielleicht tödlich ausgehende Erfahrung zu sparen, ist es vielleicht ganz wertvoll, das Buch zu lesen. Ich glaube, dass Jugendliche viel mehr Erfahrungen von denen annehmen, die sie gemacht haben als von Erwachsenen, die lediglich sagen "Lasst die Finger davon".

Was bedeutet für Sie heute nach Ihren wilden Jahren Glück und Zufriedenheit?
Indem ich an der Seite meiner Familie alt werde und mit ihr eine glückliche Zeit verbringe und dass ich meine Frau und meine Kinder in die Arme nehme. Ich bin gesund und habe viel Glück im Leben gehabt und kann auf ein wildes, aber gut ausgegangenes Leben zurückblicken.

Wie sehen Sie Frauen?
Männer haben ein recht ambivalentes Verhältnis zu Frauen, was sich aber mit den Jahren ändert. Ich hatte bestimmt Phasen, wo ich sehr locker über Frauen gesprochen und auch so gedacht habe. Das ist vorbei. Ich betrachte Frauen als absolut gleichwertige Menschen und liebe sie.

Wird man als Mann mit den Jahren reifer?
Im günstigsten Falle ja. Manche kriegen nur mehr Falten und weniger Haare, andere werden reifer und gelassener.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Man kann alles machen, wenn man dem anderen nicht auf den Wecker geht, und man sollte ein weiches Herz nicht mit einer weichen Birne verwechseln.

(ap)
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