1. Kultur
  2. Buch

"Schmetterlingspuppe" von Nana Schweitzer: Tagebuch einer gespaltenen Persönlichkeit

"Schmetterlingspuppe" von Nana Schweitzer : Tagebuch einer gespaltenen Persönlichkeit

Düsseldorf (RPO). Die eine ist eine disziplinierte Perfektionistin, die alles für ihren Job tut; die andere ist eine sexbesessene Chaotin, die Koks nimmt, um sich aufzuputschen und dann wieder Valium braucht, um ruhiger zu werden – in ihrem autobiographischen Roman "Schmetterlingspuppe" beschreibt Autorin Nana Schweitzer das Leben einer gespaltenen Persönlichkeit am Abgrund.

Düsseldorf (RPO). Die eine ist eine disziplinierte Perfektionistin, die alles für ihren Job tut; die andere ist eine sexbesessene Chaotin, die Koks nimmt, um sich aufzuputschen und dann wieder Valium braucht, um ruhiger zu werden — in ihrem autobiographischen Roman "Schmetterlingspuppe" beschreibt Autorin Nana Schweitzer das Leben einer gespaltenen Persönlichkeit am Abgrund.

Nach eigenen Angaben sind es ihre Tagebucheinträge, die die Autorin in "Schmetterlingspuppe" veröffentlicht. Die Fragmente schildern die tiefe Zerrissenheit einer jungen Frau, die als 15-Jährige aus Russland nach Deutschland kam. Sie nahm schon früh Drogen, hatte Sex mit Wildfremden und verletzte sich selbst. Eindringlich beschreibt Nana Schweiter Erlebnisse aus der deutschen Clubszene, in der es für die Protagonistin immer nur darum dreht, den nächsten Sexpartner, die nächste Dosis Drogen aufzutreiben.

Das Buch ist durch die tiefen Gegensätze zwischen den beiden Ichs der Protagonistin zerrissen — schon durch die Schriftart wird deutlich, dass zwei verschiedene Persönlichkeiten ihre Gedanken niederschreiben. Beide wissen voneinander und ihrem Tun, sehen sich aber doch als unterschiedliche Persönlichkeiten. Die beiden Ichs der Protagonistin versuchen einander zu bekriegen, zu manipulieren und zu verletzen. Dabei schwanken sie zwischen fröhlicher Hochstimmung und zerschmetternden Depressionen. Um diesem Teufelskreis zu entrinnen, ist jedes Mittel recht, wichtig ist nur die Betäubung: Egal ob durch Schmerz, Drogen oder Sex.

  • Vicky Krieps als Kaiserin Elisabeth von
    Feminismus : Die Emanzipation der Kaiserin Sisi
  • Richard David Precht, Philosoph und Publizist,
    Wortreiche Medienschelte : Precht und Welzer wettern gegen „Die vierte Gewalt“
  • Die Fotografie „Lost in the White
    Star-Fotograf Yevhen Samuchenko : „Die Schönheit der Ukraine ist unzerstörbar“

Nana Schweitzer scheint mit "Schmetterlingspuppe" vor allem schockieren zu wollen. Sie entführt den Leser in die dunkle Gefühlswelt der Protagonistin, in der nichts so ist, wie es scheint. Mit farbenprächtiger Sprache beschreibt Nana Schweitzer eine Gefühlswelt, die so voll Schmerz ist, dass sie wohl nur für wenige nachzuvollziehen ist. Gründe für ihre psychische Zerrissenheit gibt es keine und viele: Ausbruch aus dem Elternhaus, verzweifelte Hass-Liebe zum Vater, Überforderung mit den Anforderungen des gesellschaftlichen Lebens sind nur einige der zahlreichen Themen in "Schmetterlingspuppe".

Entstanden ist so ein Selbstporträt, das von einem langen Weg zu sich selbst berichtet und zeigt, dass manche nicht die Opfer anderer, sondern der eigenen Persönlichkeit sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zitate einer gespaltenen Persönlichkeit