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Sherlock Holmes: Arthur Conan Doyles berühmter Detektiv - alle Infos

Arthur Conan Doyles berühmter Detektiv : Das Phänomen Sherlock Holmes

Sherlock Holmes, der wohl bekannteste Detektiv der Welt, machte seinen Erfinder, den schottischen Arzt und Autor, Sir Arthur Conan Doyle, zu einem reichen und berühmten Mann.

Doyle prägte mit Holmes eine relativ neue Literaturform, die der Detektivgeschichte. Trotzdem pflegte der Autor eine Art Hassliebe zu seine Figur. So ließ er ihn sterben – nur um ihn, nachdem die ganze Welt Sturm gelaufen war – wieder auferstehen zu lassen. Sherlock Holmes ist bis heute eine weltweite Ikone geblieben, ein Phänomen, das auch rund 130 Jahre nach seinem ersten Auftritt immer noch für Aufsehen sorgt.

Wer ist Sherlock Holmes?

Sherlock Holmes ist ein vom schottischen Arzt und Schriftsteller Arthur Conan Doyle (1859-1930) erfundener Detektiv, der erstmals 1886 im Roman „Eine Studie in Scharlachrot“ (A Study in Scarlet) auftritt. Insgesamt gibt es im offiziellen Werkkanon – also den von Conan Doyle verfassten Geschichten – vier Romane (Eine Studie in Scharlachrot, Das Zeichen der Vier, Der Hund von Baskerville und Das Tal der Angst) und 56 Kurzgeschichten. Vieles im Leben von Sherlock Holmes ist unklar. Conan Doyle stellt ihn uns durch die Feder seines besten Freundes Dr. John H. Watson vor und die Leser erfahren durch Rückblicke und Einschübe puzzlehaft immer mehr über die Biografie des berühmten Privatdetektivs. So wird Holmes wahrscheinlich in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts geboren, wahrscheinlich im Jahr 1854.

Nach seiner Jugendzeit, von der wenig bekannt ist, studiert Sherlock in Oxford und – davon gehen einige Holmes-Forscher aus – auch in Cambridge. Er scheint dabei viele Gebiete zu streifen, ohne dabei wirklich in die Tiefe zu gehen. Dabei scheinen ihm besonders die Chemie und die Anatomie zu gefallen, zwei Fachrichtungen, die seiner späteren Detektivarbeit sehr zu pass kommen werden. Während der Studienzeit löst Holmes seinen ersten Fall. In „Die Gloria Scott“ wird er im Jahre 1874 den Tod des Vaters eines guten Bekannten aufklären. Dabei kommt ihm seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe zu Gute. Diese Gabe nutzt er danach vor allem, wenn ihn Freunde um Rat fragen. Seinen Lebensunterhalt verdient Sherlock zunächst als Laborant in einem Londoner Krankenhaus, bevor ihn der Zufall 1881 mit seinem Freund Dr. Watson zusammen führt. Watson ist kriegsverwundet – er hat in Afghanistan der britischen Armee gedient – und sucht eine Bleibe in London. Diese Suche führt in mit Sherlock Holmes zusammen und die beiden mieten gemeinsam die berühmte Wohnung „221 B Baker Street“. Damit beginnt Holmes Karriere als Privatdetektiv.

Durch seinen ersten Fall „Eine Studie in Scharlachrot“ wird Sherlock Holmes dann zum vollberuflichen Privatdetektiv, eine Passion, die ihn nicht mehr los lassen wird. In zehn Jahren lösen Holmes und Watson dann eine große Anzahl an Fällen, bevor ein neuer Gegner dem ein jähes Ende setzt. Der „Napoleon des Verbrechens“ Professor James Moriarty erscheint und Holmes findet in ihm einen gleichwertigen Gegner. Die dramatischen Ereignisse, die in der Geschichte „Das letzte Problem“ aus dem Jahre 1893 erzählt werden, führen dann zu Holmes und Moriartys Tod an den Reichenbach Fällen in der Schweiz. Doch Holmes ist nicht wirklich tot und kehrt nach einer achtjährigen Pause zurück auf die literarische Bühne.

Wer hat Sherlock Holmes erfunden?

Sherlock Holmes ist die Erfindung des Schotten Arthur Conan Doyle. Conan Doyle wird 1859 in Edinburgh als Sohn irisch-katholischer Eltern geboren. Er besucht zunächst die Jesuitenschule in Lancashire in England, bevor er dann in seiner Heimatstadt Edinburgh Medizin studiert. Neben der Medizin gilt der Schriftstellerei seine große Aufmerksamkeit. Schon zu Studienzeiten veröffentlicht er Erzählungen. Nach diversen Versuchen, sich als niedergelassener Arzt zu etablieren, setzt Conan Doyle irgendwann alles auf diese Karte. Das Jahr 1887 soll dann zum „Geburtsjahr“ von Holmes und Watson werden. Im Beeton's Christmas Annual erscheint die erste Sherlock-Holmes-Erzählung „Eine Studie in Scharlachrot“. Der spätere Erfolg stellt sich jedoch nicht auf Anhieb ein, Conan Doyle erhält jedoch den Auftrag zu einer weiteren Geschichte. 1890 wird dann „Das Zeichen der Vier“ in der Zeitschrift Lippincott's Monthly Magazine veröffentlicht. Parallel dazu versucht Conan Doyle 1891, sich als Augenarzt niederzulassen. Die geht schief, so dass sich Arthur Conan Doyle von jetzt an vollständig auf ein Dasein als Autor konzentriert. Ermutigt wird er dabei durch den nun einsetzenden Erfolg der Sherlock-Holmes-Geschichten. Für das neu gegründete Strand Magazine schreibt Conan Doyle die Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“, die zu einer der berühmtesten im ganzen Kanon werden soll. Hier taucht erstmals Irene Adler auf, eine Frau, mit der Holmes am ehesten so etwas wie eine „Liebesbeziehung“ eingeht.

Conan Doyle veröffentlicht danach die ersten 12 Holmes-Geschichten unter dem Titel „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ (1891/92), worauf direkt eine zweite Anthologie mit dem Titel „Die Memoiren des Sherlock Holmes“ (1892/93) folgt. In deren finaler Geschichte „Das letzte Problem“ lässt Conan Doyle seinen Helden sterben; er hat genug von Holmes und dessen Erfolg, der alles andere in den Schatten stellt. Conan Doyle möchte sich als seriöser, historischer Autor einen Namen machen und da steht ihm Holmes einfach im Weg.

Die nächste Veröffentlichtung mit einer Geschichte des Meisterdetektives soll dann 10 Jahre auf sich warten lassen. Doch der Erfolg reißt nicht ab, denn mit „Der Hund der Baskervilles“ erscheint dann 1901/02 die bekannteste aller Holmes-Stories überhaupt. Die Handlung des Romans spielt vor den Ereignissen aus „Das letzte Problem“. In „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“ von 1903/04 lässt Arthur Conan Doyle seinen Privatdetektiv dann wieder auferstehen. In langen Abständen folgen danach noch der Roman „Das Tal der Angst“ 1914/15 sowie die Sammlungen „Seine Abschiedsvorstellung“ im Jahre 1917 und „Sherlock Holmes' Buch der Fälle“ 1927, drei Jahre vor Doyles Tod.

Neben den Geschichten seines Meisterdetektivs veröffentlicht Sir Arthur Conan Doyle im Lauf seines Lebens noch eine große Anzahl weiterer Romane und Erzählungen. Keine davon erreicht jedoch den Erfolg von Sherlock. Am ehesten sind da noch die Geschichten um Professor Challenger zu nennen. Besonders „Die vergessene Welt“ aus dem Jahr 1912 ist sehr bekannt.

Am 7. Juli 1930 stirbt Doyle an einem Herzinfarkt auf seinem Anwesen in Windlesham, Sussex im Alter von 71 Jahren. Insgesamt ist er zweimal verheiratet und zwar von 1885 bis zu ihrem Tode mit Louisa Hawkins und von 1907 bis zu seinem Tod mit Jean Leckie. Arthur Conan Doyle hat ingesamt fünf Kinder, aus erster Ehe stammen Kingsley (stirbt 1918 als einziges Kind zu seinen Lebzeiten) und Mary, aus seiner zweiten die Söhne Denis und Adrian sowie Tochter Jean, genannt „Billie“. Doyle wird auf dem All Saints Churchyard der All Saints Church im kleinen Ort Minstead unter einer alten Eiche begraben. Sein Grab ist bis heute dort erhalten; seine Frau Jean wird 1940 ebenfalls dort beigesetzt.

In welcher Zeit spielt Sherlock Holmes?

Die Geschichten des Detektivs Sherlock Holmes spielen im Viktorianischen England. In den drei Erzählungen „Seine Abschiedsvorstellung“, „Der erbleichte Soldat“ und „Die Löwenmähne“ erfährt der Leser, dass sich der Meisterdetektiv im Jahr 1903 zur Ruhe gesetzt hat und Bienen in Sussex züchtet. Sein letzter Auftritt erfolgt in der Geschichte „Seine Abschiedsvorstellung“ und spielt im August 1914 bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als er für den britischen Geheimdienst den kaiserlichen Spitzenagenten von Bork überführt.

Wie viele Bücher gibt es von Sherlock Holmes?

Arthur Conan Doyle veröffentlicht insgesamt vier Holmes-Romane und 56 Kurzgeschichten. Diese Werke nennt man den „Werkkanon“. Nach dem Tod Conan Doyles im Jahr 1930 veröffentlicht eine große Anzahl von Autoren sogenannte „Pastiches“, was mit „Imitationen“ übersetzt werden kann. Diese Werke sind von unterschiedlicher Qualität, einige sind bloße Kopien, andere fügen dem „Holmes-Universum“ jedoch interessante neue Ideen und Details hinzu. Unter den Autoren dieser zum Teil noch zu Doyles Lebenszeiten erschienenen Geschichten, sind Berühmtheiten wie A.A. Milne, Anthony Burgess, Neil Gaiman, Dorothy B. Hughes, Stephen King, Tanith Lee, Anthony Horowitz und P.G. Wodehouse.

Mit wem arbeitet Sherlock Holmes zusammen?

Sherlocks Mitbewohner in der Baker Street ist der ehemalige Militärarzt Dr. John H. Watson. Diese von Conan Doyle geschaffene Figur des „Assistenten“ wird die Geschichte der Detektiv- und Kriminalgeschichten revolutionieren. Erstmals tritt hier eine Nebenfigur auf, die den Hauptakteur glänzen lässt, jedoch auch für Humor und Situationskomik sorgt. Im modernen Kino werden diese Figuren als „Sidekicks“ bezeichnet. Conan Doyle nimmt sie bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts vorweg. Watsons Pragmatik und sein normaler, gesunder Menschenverstand stehen dabei im Kontrast zur Genialität Sherlock Holmes und ergänzen diese perfekt. In einigen Geschichten ist es dann auch die unkomplizierte Herangehensweise des Dr. Watson, die zur Lösung des Falls den entscheidenden Hinweis gibt. Arthur Conan Doyle schafft mit Dr. Watson eine ebenso clevere, wie unterhaltsame Figur, ohne die Sherlock Holmes nicht vorstellbar wäre. Watson nimmt dabei stets die Position des Beobachters ein und agiert so als Vermittler zwischen dem Genie des Detektivs und dem Leser. Er beobachtet, beschreibt und zeichnet alles Wissenswerte auf. Trotz seiner Bewunderung für Holmes schwingt doch des öfteren so etwas wie leichte Ironie und ein wenig wohlwollender Spott über das exzentrische Verhalten Sherlocks mit. Damit werden die Geschichten umso unterhaltsamer und faszinierender.

Obwohl Dr. Watson bereits nach kurzer Zeit aus der gemeinsamen Wohnung in der Baker Street auszieht und heiratet, steht er seinem Freund Holmes auch danach loyal zur Seite und stellt die Arbeit in der eigenen Arztpraxis stets hintenan, wenn der Detektiv seine Unterstützung benötigt. Hier ist wiederum eine Parallele zum Leben von Conan Doyle zu erkennen, der sich auch stets gerne vom Arztberuf ablenken lässt.

Die bekanntesten Schauspieler, die bereits Dr. Watson gespielt haben, sind Martin Freeman, Jude Law, James Mason und Ben Kingsley.

Wie ist Sherlock Holmes gestorben?

Arthur Conan Doyle lässt seinen Protagonisten in „Das letzte Problem“ im Zweikampf mit seinem Nemesis Professor James Moriarty an den Reichenbachfällen in der Schweiz sterben. Holmes und Moriarty stürzen dabei gemeinsam in die Tiefe. Der Tod von Holmes erfolgt nach dem Aufstieg des Detektivs zu einer der berühmtesten Figuren der englischen Literatur. Doyle beendet damit den ersten Zyklus seiner Holmes-Erzählungen, der von 1887 bis 1893 geht. Legenden sagen, dass die Londoner so erschüttert über den Tod von Sherlock Holmes sind, dass sie schwarze Trauerarmbinden tragen. Dies ist nicht belegbar, doch die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Abbleben von Holmes stellt eine Zäsur dar: Nie zuvor ist eine Romanfigur so betrauert worden. Die BBC schreibt dazu: „Die öffentliche Reaktion auf Holmes' Tod war anders als alles, was bisher bei fiktiven Ereignissen beobachtet wurde.“

Arthur Conan Doyles Reaktion auf den Tod Sherlocks ist hingegen äußerst emotionslos. „Habe Holmes getötet“ schreibt er in sein Tagebuch. Doch er ahnt nicht, welche Reaktionen er damit hervorruft: 20.000 Leser bestellen danach das Strand Magazine aus Wut über die fiktiven Ereignisse ab und bringen die Zeitschrift damit an den Rand der Pleite. Zunächst widersteht Conan Doyle dem öffentlichen Druck, Holmes wiederkehren zu lassen. Doch acht Jahre nach seinem Tod, ist Sherlock Holmes wieder da. Er kehrt zunächst im Roman „Der Hund der Baskervilles“ 1901/02 zurück, dessen Handlung allerdings zeitlich vor den Ereignissen an den Reichenbachfällen (1891) spielt. Seine wirkliche „Rückkehr“ erlebt Holmes dann in der Geschichte „Das leere Haus“, die 1903 in der Zeitschrift Collier's Weekly und dann zwei Jahre später in der Sammlung „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“ erscheint. Damit ist die als „Großer Hiatus“ bekannt gewordene „Pause“ Sherlock Holmes beendet.

Conan Doyle erklärt Holmes Überleben in „Das leere Haus“ folgendermaßen: Moriarty und Holmes kämpen, doch Holmes kann dessen Griff entweichen, so dass nur Moriarty in die Tiefe stürzt. Anschließend versteckt sich Holmes, wobei er jedoch von Sebastian Moran – einem Komplizen Moriartys, der ebenfalls am Reichenbachfall war – angegriffen wird. Um Morans Anschlägen zu entgehen, kehrt Holmes nicht gleich nach London zurück, sondern fährt erst in die Hauptstadt, als er von einem Mordfall hört, der allem Anschein nach von Moran begangen worden ist.

Was findet man heute an der Baker Street 221b?

Die fiktive Adresse ist eine der großen Touristen-Attraktionen der Millionen-Metropole London. Heute befinden sich auf der Baker Street das „Sherlock Holmes Museum“, die Gaststätte „The Sherlock Holmes“ sowie eine Plastik des Meisterdetektivs sowie eine Bronzeplakette auf dem Haus, das der fiktiven Adresse „221b“ am nächsten kommt. Im Jahr 1990 wird eine Blue Plaque am Sherlock Holmes Museum angebracht. Dabei handelt es sich um eine Plakette, die im Vereinigten Königreich auf eine berühmte Person oder ein Ereignis hinweist.

Zu Arthur Conan Doyles Zeiten ist die Baker Street kürzer als heute, sie geht nur bis zur Nummer 100. Erst später wird die Straße verlängert und die Nummerierung wird geändert. Ein Art-Déco-Gebäude mit den Nummern 215 bis 229 wird 1932 errichtet und nach dem Besitzer, der Abbey Road Building Society, benannt. Im Volksmund heißt das Haus ab jetzt einfach nur „Abbey House“. Bis 2002 wird das Haus von der Abbey National genutzt und das Unternehmen beschäftigte viele Jahre einen eigenen Sekretär, der Briefe, die an die berühmte Aresse von Sherlock Holmes adressiert sind, beantwortet. Nach der Schließung der Abbey National übernimmt dies das Sherlock Holmes Museum. Über ein Jahrzehnt lang hatte es Streit zwischen dem Abbey House und dem Museum gegeben, wer die fiktive Adresse führen darf.

Welche Gegner hat Sherlock Holmes?

Neben seinem Erzfeind Professor James Moriarty ist dies vor allem dessen Handlanger Sebastian Moran. Weitere Gegenspieler sind John Clay aus „Die Liga der Rotschöpfe“, Charles Augustus Milverton aus „Die Abenteuer von Charles Augustus Milverton“ sowie Irene Adler, die ihren ersten Auftritt in „Ein Skandal in Böhmen“ hat.

Wie löst Sherlock Holmes seine Fälle?