"Meister des schwarzen Humors": "Puppenmord"-Autor Tom Sharpe ist tot

"Meister des schwarzen Humors" : "Puppenmord"-Autor Tom Sharpe ist tot

Der britische Schriftsteller Tom Sharpe, Autor des Erfolgsromans "Puppenmord", ist tot. Er starb am Donnerstag kurz nach Mitternacht im Alter von 85 Jahren in seiner Wohnung in Llafranc an der Costa Brava im Nordosten Spaniens, wie der spanische Verlag Anagrama mitteilte.

Sharpe habe an einem Diabetes-Leiden gelitten. Sein Gesundheitszustand habe sich in den vergangenen Tagen infolge von Komplikationen drastisch verschlechtert.

Sharpe galt als ein Meister des schwarzen Humors. Er war der Schöpfer des armseligen Berufsschullehrers Henry Wilt. Die Figur tauchte erstmals im Roman "Puppenmord" (1976) auf, der später auch verfilmt wurde. In seinen Werken skizzierte der Bestsellerautor menschliche Schwächen, Träume und Perversionen in überschwänglicher und grotesker Manier. Nicht selten überschritt er dabei die Grenzen des guten Geschmacks.

Sharpe wurde 1928 als Sohn einer Südafrikanerin und eines britischen Pfarrers in London geboren. Er ging später als Sozialarbeiter, Lehrer und Fotograf nach Südafrika, wo er mehrere erfolglose politische Theaterstücke schrieb. 1961 wurde er wegen seiner Kritik an der Apartheid ausgewiesen und kehrte nach England zurück.

Seinen ersten Roman "Riotous Assembly" ("Tohuwabohu") veröffentlichte er 1971 im Alter von 43 Jahren. Beim Schreiben musste er wegen Gesundheitsproblemen über die Jahre immer wieder Pausen einlegen. Die Zeitung "The Times" nannte ihn einst den "witzigsten Autor, der derzeit schreibt".

Seit gut zwanzig Jahren lebte er in Spanien allein in einer Villa an der Costa Brava. Unter anderem sei er vor dem britischen Gesundheitssystem geflohen, hatte er in Interviews gesagt. Interesse daran, Spanisch zu lernen, habe er aber nicht gehabt, zitierte ihn die Nachrichtenagentur PA. England fand er hingegen "deprimierend".
"Ich kann es nicht ertragen. Es gibt keinen englischen Gentleman mehr. Geld regiert alles."

"Tom Sharpe war einer unserer großartigsten Satiriker und ein brillanter Schreiber: Klug, oft unerhört, und immer unglaublich lustig wenn es um die Absurditäten des Lebens ging", sagte Susan Sandon vom Verlag "Cornerstone". "Der private Tom war warm, unterstützend und sehr einnehmend."

(dpa/felt)
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