1. Kultur
  2. Buch

Protest gegen Mark Zuckerberg: Frankfurter Verlag boykottiert Facebook

Protest gegen antisemitische Postings : Frankfurter Verlag boykottiert Facebook

Der Verlag Schöffling & Co in Frankfurt am Main boykottiert aus Protest gegen Antisemitismus die sozialen Netzwerke des Facebook-Konzerns. Anlass waren umstrittene Aussagen von Facebook-Boss Mark Zuckerberg.

Der Belletristik-Verlag stelle sämtliche Aktivitäten auf Facebook, Instagram und WhatsApp ein, solange Facebook die Leugnung des Holocausts zulasse, sagte der Verlagsleiter Patrick Hutsch am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe in einem Interview mit dem Technikblog Recode vergangene Woche von sich aus ohne Not darauf hingewiesen, dass Beiträge mit der Leugnung des Holocausts nicht aus Facebook gelöscht werden, sagte Hutsch. Zuckerbergs Begründung, diese Beiträge seien nicht absichtlich falsch, sei absurd, kritisierte der Verlagsleiter. Der Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden sei das am besten dokumentierte Verbrechen der Menschheit. Wer ihn leugne, tue das nicht aus Versehen, sondern aus ideologischen Gründen.

Mit der Einstellung Zuckerbergs könne sich der Verlag, der Bücher von Holocaust-Überlebenden veröffentliche, nicht gemein machen, betonte Hutsch. Facebook könne sehr wohl Beiträge löschen. Im Falle von Nacktbildern verhalte sich der Konzern ganz anders: Abbildungen klassischer Kunstwerke wie von Rubens oder Michelangelo würden sofort entfernt.

Facebook habe für den Verlag, der Autoren wie Mirko Bonné, Ror Wolf, Silke Scheuermann oder Ulrike Almut Sandig unter Vertrag hat, eine große Bedeutung, gestand der Leiter ein. Das Unternehmen habe über das Netzwerk mit Autoren, Journalisten und Buchhändlern kommuniziert, Bücher vorgestellt und Anfragen erhalten. Solange es aber zur offiziellen Politik von Facebook gehöre, dass der Holocaust geleugnet werden darf, werde der Verlag die Plattformen nicht weiter nutzen. Stattdessen werde das Unternehmen sich stärker auf klassische Medien, die eigene Homepage und Twitter konzentrieren.

Schöffling & Co habe für seine Ankündigung überwiegend Zuspruch und Glückwünsche erhalten, sagte Hutsch. Bisher wisse er aber von keinem Nachahmer. „Die Erinnerung an die Opfer darf niemals einem falsch verstandenen Liberalismus preisgegeben werden“, bekräftigte der Verlagsleiter.

(csi/epd)