Buch-Kritik: Patricia Melo: Schwarzer Walzer

Buch-Kritik : Patricia Melo: Schwarzer Walzer

Er ist ein egozentrischer Künstler und wird als Maestro und Ausnahmedirigent eines weltberühmten Orchesters gefeiert. Seiner Geliebten gibt er Zuckerbrot und Peitsche. Genussvoll leidet sie unter der wahnhaften Liebe - bis sie seine wahre Natur erkennt. "Schwarzer Walzer" von Patricia Melo erzählt die Geschichte der obsessiven Liebe eines alternden Dirigenten zu einer blutjungen Violinistin.

Als der Maestro die um drei Jahrzehnte jüngere Musikerin Marie heiratet, scheint er damit auf dem Zenit seines beruflichen und privaten Erfolges angelangt zu sein. Dass die Verbindung dieser in Alter und Temperament nicht gerade ebenbürtigen Liebenden konfliktträchtig ist, wundert nicht.

Eigentlich ist das ein interessantes, in der Literatur nicht eben seltenes Thema. Aber Melo überrascht kaum mit einer Geschichte, die wenig Spannung bietet. Die brasilianische Autorin, für ihren Krimi "O Matador" 1998 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, erzählt aus der Sicht des Dirigenten, der zwischen gnadenloser Selbsterkenntnis und wahnhafter Hybris schwankt. Was als erotisches Feuerwerk mit sadomasochistischen Tendenzen beginnt, mündet schnell in eine krankhafte Beziehung.

Die grausamen Demütigungen und perfiden Nachstellungen ihres Gatten, die anschließende leidenschaftliche Versöhnung im ehelichen Bett und die zwanghafte Suche ihres Mannes nach Beweisen für ihre Untreue nimmt die junge Frau zunächst geschmeichelt als Ausdruck seiner großen Liebe hin. Die naive Marie braucht einige Zeit, um das Verhalten ihres Mannes als das zu erkennen, was es ist: pathologische Ausbrüche eines kranken Hirns.

Die tragische Hauptfigur schlittert immer gerade so an der Normalität vorbei. Der Blick in die Abgründe dieser gestörten Psyche ist recht oberflächlich und der zwischen Genie und Wahnsinn schwankende Dirigent bleibt als Person allzu schemenhaft.