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Nicaraguas berühmter Dichter und Revolutionär Ernesto Cardenal ist gestorben

Revolutionär, Poet und Priester : Der nicaraguanische Dichter Ernesto Cardenal ist tot

Im Alter von 95 Jahren ist in Nicaragua der Dichter, Befreiungstheologe und Revolutionär Ernesto Cardenal gestorben. Präsident Daniel Ortega rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Der nicaraguanische Poet und katholische Priester Ernesto Cardenal ist tot. Der 95-Jährige war einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie, die sich gegen soziale Missstände und Ungerechtigkeiten einsetzte. Cardenal erlag am Sonntag im Krankenhaus einem Herzstillstand. Er war zuvor mit Atemproblemen eingeliefert worden. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Cardenal wurde als Vertreter der sandinistischen Revolution und als Dichter international berühmt. Wegen seiner Mitwirkung in der sandinistischen Regierung geriet Cardenal jedoch mit der katholischen Kirche in Konflikt. 1985 verbot ihm der damalige Papst Johannes Paul II. die Ausübung des priesterlichen Dienstes. Erst vor einem Jahr hob Papst Franziskus dieses Verbot wieder auf.

Mit Ortega und dessen Sandinistischer Befreiungsfront hatte Cardenal schon in den neunziger Jahren gebrochen. Cardenal warf Ortega einen autoritären Führungsstil und Korruption vor. Der Staatschef will dennoch an den Trauerfeierlichkeiten für Cardenal teilnehmen.

Der Autor von Werken wie „Epigramas“ und „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“ war einer der wichtigsten Poeten Nicaraguas. 1980 wurde Cardenal in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Der argentinische Dichter Jorge Boccanera sagte einmal über Cardenals Schriften, dass er „sein Leben verliert und es gleichzeitig in einer tiefgreifenden Befreiung entdeckt; in der Weihe und der Selbsthingabe in diesem Dialog von Seele und Blut“. Cardenal schrieb auch Essays und war als Bildhauer tätig..

Cardenal wurde am 20. Januar 1925 in der Kolonialstadt Granada in eine wohlhabende Familie geboren und wurde Priester in Kolumbien. Er studierte Philosophie und Literatur in Mexiko und New York, Theologie in Mexiko und Kolumbien. 1957 trat er in das Trappistenkloster Gethsemani in Kentucky ein und wurde später Anhänger der Theologie der Befreiung.

Die Bergische Universität von Wuppertal (BUW) verlieh ihm 2017 den Ehrendoktor und würdigte ihn als "Stimme eines Kontinents". Der Dichter nahm die große Auszeichnung der Fakultät der Geistes- und Kulturwissenschaften als 92-Jähriger entgegen. Die BUW ehrte ihn für sein Lebenswerk und für seinen Beitrag zur Weltliteratur und sein Engagement für den kulturellen Austausch zwischen Nicaragua und Deutschland.

Zu seinem 90. Geburtstag erschien im Januar 2015 Cardenals Lyrikband "Etwas, das im Himmel wohnt". Er enthielt Elegien und Gebete, die mal feinsinnig die Ewigkeit besingen und mal die finstere Welt der Handy-Produktion anklagen.

(juju/dpa/AP)