Erbenfamilie Ströher ist vermögend und verschwiegen: Milliardenschwerer Wella-Clan hilft Suhrkamp

Erbenfamilie Ströher ist vermögend und verschwiegen: Milliardenschwerer Wella-Clan hilft Suhrkamp

Durch den Verkauf von Wella kam der weit verzweigte Familien-Clan zu enormen Reichtum. Retten die Ströhers jetzt den Suhrkamp-Verlag?

Reich wurden sie mit Haarpflegeprodukten, heute sammeln sie Kunst und beteiligen sich an verschiedensten Unternehmen von der Solarbranche bis zur Baumschule. Neuestes Ziehkind der Familie Ströher: der Suhrkamp Verlag.

Der Reichtum der Familie begann mit falschen Haaren. Frisör Franz Ströher gründete 1880 in Sachsen eine Firma, die "Haartüll" herstellte. Nach Perücken und Haarteilen kamen Trockner und Dauerwellen-Geräte.

Unter dem Namen Wella kamen nach 1924 Shampoos, Tönungen, Farben und Festiger dazu. Auf dem Höhepunkt beschäftigte Wella den Firmenannalen zufolge 18.000 Mitarbeiter in 150 Ländern, Cindy Crawford und Naomi Campbell warben für die Haarpflege-Produkte aus dem südhessischen Darmstadt.

2003 wurde Wella verkauft. Procter&Gamble übernahm die Marke für 6,5 Milliarden Euro. Die vier Familienstränge mit mittlerweile mehr als 100 Angehörigen, die damals über 78 Prozent der Stammaktien verfügten, konnten nach der Transaktion drei bis vier Milliarden Euro unter sich aufteilen. Ein Teil wird heute von einem sogenannten Familiy-Office verwaltet.

Bekannt-unbekannte Kunstsammler

Wella-Enkelin Sylvia Ströher ist von "Forbes" unter den 50 reichsten Deutschen gelistet. Ihr Mann Ulrich, ein gelernter Krankenpfleger, nahm bei der Hochzeit ihren Namen an. Das Paar machte sich als Kunstsammler einen Namen.

Rund 800 Werke trugen sie selbst zusammen, 700 Bilder und Skulpturen kamen 2005 auf einen Schlag dazu, als die Ströhers die Sammlung Hans Grothe übernahmen. "Von allen deutschen Großsammlern sind sie die stillsten", schrieb die "Zeit", der die Ströhers 2005 ihr vielleicht einziges Interview gaben.

"Sie wollen unerkannt bleiben, wollen auf kein Foto", schrieb der Autor, der sie besuchen durfte in ihrem Haus in Darmstadt: "Wer ihr Haus sieht, ahnt nicht, dass dort zwei der reichsten Menschen dieser Erde leben". Schon ihr Großonkel Karl Ströher hatte Kunst gesammelt. 1981 kaufte die Stadt Frankfurt seine Sammlung, sie bildete später den Grundstock des Museums für Moderne Kunst (MMK).

Andere Erben investieren in den unterschiedlichsten Branchen. Immo Ströher etwa kämpft für erneuerbare Energien, er ist laut "Financial Times" "einer der wichtigsten Investoren in deutschen Greentech-Firmen". Anfang dieses Jahres kauften sich Sylvia und Ulrich Ströher in eine Hamburger Traditions-Baumschule ein.

Erika Ströher - eine Generation älter - sammelte begeistert Mineralien. Ihre aus 80.000 Steinen bestehende Sammlung stellte sie als Dauerleihgabe der TU Bergakademie Freiberg zur Verfügung.

Klatsch und Tratsch wie bei anderen Familien-Dynastien gibt es um die Ströhers nicht, sie meiden die Öffentlichkeit. Ein Urenkel des Unternehmensgründers soll einem Frisör-Magazin zufolge 2005 heimlich geheiratet haben - mit nur hundert Gästen in einem einfachen Restaurant.

An dauerhafter Beteiligung interessiert

Nun sprang die Familie Ströher überraschend dem Suhrkamp Verlag bei. Seit das Insolvenzverfahren läuft, darf er seinen Autoren keine Honorare zahlen. Die Darmstädter Unternehmerfamilie erklärte sich bereit, offene Autorenhonorare zu bezahlen. Der Verlag werde diese Zwischenfinanzierung an die Firma der Familie Ströher zurückerstatten, sobald es das Verfahren zulasse, sagte eine Suhrkamp-Sprecherin kürzlich dazu.

Ob die Ströhers sich dauerhaft bei dem Traditionsverlag engagieren wollen, ist offen - Anfragen von Journalisten werden nicht beantwortet. Der Verlag selbst geht davon aus, dass die Familie an einer Beteiligung an Suhrkamp interessiert ist.

Nach Recherchen der "Welt" wurde dafür sogar eine eigene GmbH ins Leben gerufen. Die Familie Ströher plane "ganz offensichtlich, Aktionär bei Suhrkamp zu werden", mutmaßte Minderheitsgesellschafter Hans Barlach in der "Welt".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Verlag Suhrkamp meldet Insolvenz an

(dpa)