Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf der Phil.Cologne „Eine krasse Zeit, die Welt brennt lichterloh“

Köln · Die FDP-Verteidigungsexpertin stellt sich in den Kölner Balloni-Hallen Satiriker Florian Schroeder. Pariert viele Attacken, teilt gewohnt ordentlich aus und kassiert am Ende viel Beifall.

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Das ist FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann

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Foto: dpa/Hannes P Albert

Die erste Eskalation droht noch vor der Einnahme der zwei Plätze auf der Bühne. Habe ich da gerade etwa Marie Strack-Zimmermann gehört?, vergewissert sich die Namensträgerin beim Publikum. Eine energische Rückfrage aus der pädagogischen Mottenkiste, denn natürlich hatte sie das, weil der Moderator die FDP-Politikerin gerade genauso ankündigte. So beginnt der Abend mit einer kleinen Unterrichtseinheit in Namenskunde – und für alle zum Mitschreiben: Sie heiße Marie-Agnes. Eine Richtigstellung, die niemand in den Balloni-Hallen zu Köln erst einmal nicht vergessen wird.

Der muntere Auftakt retuschiert ein wenig den Umstand, dass beide Performer dieses Abends auf der Phil-Cologne im Grunde wenig zu suchen haben: Der Satiriker Florian Schroeder, der einst Rechtspopulisten auf einer Pegida-Demo den Marsch geblasen hatte, und die namentlich schon eingeführte Europaabgeordnete der Liberalen, die in Wortgefechten vor allem auf Angriff setzt, dabei auf Kollateralschäden selten Rücksicht nimmt und auch nach berechtigte Kritik nicht kleinlauter wird, sind beim Festival der dichtenden Denker das populäre Rahmenprogramm, eine Paarung, die von einem besonders originellen Geist ersonnen wurde.

Doch der Zuspruch rechtfertigt manches, wie die Schlangen der Karteninhaber einmal um halb Ehrenfeld herum zeigen. Außerdem sind die beiden nicht zum ersten Mal aufeinandergetroffen. Strack-Zimmermann war bereits Gast in Schroeders Satireshow. Das war am 24. Februar 2022 der Fall, just an dem Tag, als Russland die Ukraine erneut überfiel. Die Sendung wurde daraufhin nicht ausgestrahlt, wanderte später in die ARD-Mediathek, an jenen Ort also, an dem all das gestellt wird, was man verstecken möchte, so Schroeder

Jetzt also eine Neuauflage unter anderen Vorzeichen: Denn seither tobt der Krieg in der Ukraine mit unverminderter Brutalität, zudem ist Strack-Zimmermann inzwischen mit respektablem Ergebnis für die Liberalen ins EU-Parlament gewählt worden – mit ihrem plakatierten Wahlkampfversprechen, auch weiterhin zu nerven. Worauf Schroeder gerne wüsste, ob jetzt mehr Menschen in Berlin froh sind, „dass die Alte endlich weg ist, oder mehr Menschen in Brüssel fürchten, dass die Alte kommt“. Strack-Zimmermann findet das „überaus interessant“, wundert sich aber, dass Schroeder schon am Anfang „so intelligent“ nachforscht. Was also? Die Frage sei berechtigt, sagt die 66-Jährige, zumal es Leute in Berlin gebe, die nicht glaubten, dass sie wirklich weg sei. Vielleicht ja der Bundeskanzler, den die Liberale jüngst unter Autismus-Verdacht stellte, sich danach aber bei allen Menschen entschuldigte, die daran erkrankt seien. Mit ihrer saloppen Unterstellung habe sie bei vielen etwas ausgelöst, bloß nicht bei dem, der gemeint war. Dabei wolle sie dem Kanzler doch nur liebevoll erklären, was man tun sollte, um erfolgreich zu sein.

So geht es gut eineinhalb Stunden – im Wechsel mit politischen Statements, die immer angekündigt werden mit: Jetzt aber mal im Ernst … Dazu gehört ihr Lob für SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius, der ein „guter Typ“ sei und „immer geradeaus“. Und sein Drängen, „kriegstüchtig“ zu werden? „Er hat völlig recht“, so die Verteidigungsexpertin.

Danach geht`s querfeldein: ein bisschen Hegel hier, ein bisschen Wagenknecht dort, die Werte des Westens einerseits, der Aggressor Putin andererseits. Schlagfertig, witzig, ernst. Und über allem das hohe Lied auf die Freiheit, die etwas Wunderbares, Verletzliches und vor allem nie etwas Selbstverständliches sei. Strack-Zimmermann ist dankbar, ihr Leben in dieser Freiheit – auch des Denkens – leben zu dürfen. Auch darum sei es vorbei mit der „coolen Zeit“, billiges Gas aus Russland zu bekommen, die eigenen Waren massenhaft in China zu verticken und von den USA beschützt zu werden.

Die Düsseldorferin liebt Übertritte und ist enttäuscht, erst nach 20 Minuten ein zaghaftes Buh zu kassieren. Noch dazu mit einem Witz auf Kosten Kölns! Am Ende dann doch auch Verständnis für Bundeskanzler Olaf Scholz, für seinen harten, schweren, verantwortungsvollen Job. Es ist eine „krasse Zeit“ sagt sie, „und die Welt brennt lichterloh“. Ein Wahlergebnis nach dem Applaus an diesem Abend: Klarer Sieg Marie Strack-Zimmermann. Pardon: Marie-Agnes Strack-Zimmermann selbstredend.