Buch-Kritik: Margrit Schriber: Das Lachen der Hexe

Buch-Kritik : Margrit Schriber: Das Lachen der Hexe

Das fröhliche Lachen von Anna Maria Schmidig ist den Leuten suspekt, ihre Tüchtigkeit macht misstrauisch. Obwohl die fleißige Frau mit dem angesehenen Kastenvogt Meinrad Gwerder verheiratet ist, hat sie es nicht leicht im schwyzerischen Muotatal. Im Jahr 1706 nimmt sie sich als Frau viel zu viel heraus und wird schließlich als vermeintliche Hexe zu Tode gefoltert.

Der Kastenvogt Gwerder heiratet Anna Maria aus Steinen in zweiter Ehe. Im Dorf Muotatal gilt sie als Auswärtige, obwohl die beiden Orte nur einen Steinwurf auseinander liegen. Anna Maria ist bucklig, der Teufel habe wohl ein wenig an ihr herum gefuhrwerkt, sagen die Leute. Deshalb versteht niemand Gwerders Wahl.

Anna Maria wird nun Frau Kastenvogt genannt. Die Gwerders leben in guten Verhältnissen. Die Töchter tragen ein seidenes Brusttuch mit silberner Brosche, die Söhne ein Hemd aus weißem Garn. Anna Maria Gwerder glaubt, ihr Glück sei gemacht bis ans Ende ihrer Lebtag. Sie ist jedoch nicht still und duldsam. Zwar tut sie, was andere Frauen auch tun: Sie führt den Haushalt, füttert die Tiere, tut ihre Christenpflicht und zieht sechs Kinder groß.

Aber sie tut noch mehr: An der Heeresstraßenkreuzung eröffnet sie einen Krämerladen und sie erhält das Salzdepot. Im "Rössli" erneuert sie das Tavernenrecht und führt die Wirtschaft. Und sie hat die Sache im Griff, ihr Handschlag gilt, sie verrechnet sich nie, und den Leuten im Dorf geht es besser denn je.

Aber der Erfolg ruft die Neider auf den Plan: Es sei der Teufel, der ein Weib das Zaubern lehre, es klug mache. Weil ihr Mann sie unterstützt, heißt es, die Hexe könne alles mit ihm machen. Nach dem Tod Gwerders wird das Getuschel der Leute lauter. Alles Unglück im Dorf wird nun der Kastenvögtin angelastet: Wenn die hochgehende Muota einen Teil des Klosters mitreißt und Wiesen und Äcker überschwemmt, heißt es, die Vögtin habe gelacht. Im Hagel will man Weiberhaare gefunden haben.

Man meidet die Vögtin, ihr Haus und ihren Laden. Als sie ihren Sohn nicht in das Heer des Papstes schicken will, wird sie erstmals Hexe gerufen. Auch die Kinder entfremden sich von ihr. Schließlich wird sie offen der Hexerei verdächtigt und verhaftet. Im Juli 1753 beginnen die Verhöre vor dem Landrat von Schwyz. Die Zeugen sagen zwar unter Eid aus, müssen ihre Aussagen aber nicht beweisen. Ein Verteidiger ist nicht vorgesehen. Alle wissen jetzt Schlechtes über Anna Maria, zum Beispiel, sie habe allein mit ihrem Lachen zur Wollust verführt.

Keine Hexenverbrennung

Unter dem Druck ihrer Männer sagen selbst ihre Töchter gegen sie aus. Aber die Kastenvögtin ist nicht zu brechen, nicht beim Anblick der Folterinstrumente, nicht unter den Daumenschrauben und an der Hängefolter. Sie bleibt dabei: Sie ist unschuldig. Acht Wochen erträgt sie die Torturen. Am 13. September wird sie tot aufgefunden. Ihre Leiche wird verscharrt, das Volk ist um das Spektakel der Hexenverbrennung betrogen.

Die Autorin schreibt im Nachwort, die Rahmenhandlung des Romans habe sie in Archiven und Legenden gefunden, die Personen jedoch seien erfunden. Sie sind aber so gut erfunden, dass sie durchaus gelebt haben könnten. Auch Land und Leute, die Gepflogenheiten und Eigenheiten dieses Bauernvolks sind realistisch und schön beschrieben. Dadurch wird die Geschichte nicht nur sehr lebendig und spannend, sondern auch höchst informativ. Das Buch gewinnt zudem durch die sehr eigene Sprache, die durchsetzt ist mit vielen alten Dialektwörtern. Ein übersichtliches Glossar macht sie auch "Auswärtigen" verständlich.

(ap)
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