Lesefest der Superlative Die Leipziger Buchmesse lockt Buchliebhaber aus ganz Europa an

Leipzig · Leipzig lockt die Leser in den Osten: mit seiner Messe, dem Gastland Niederlande und als größtes Lesefest Europas mit mehr als 3000 Veranstaltungen.

Zur Rückkehr der Messe 2023 kamen wieder viele Bücherfreunde nach Leipzig. 2024 lockt auch das Gastland „Niederlande und Flandern“.

Zur Rückkehr der Messe 2023 kamen wieder viele Bücherfreunde nach Leipzig. 2024 lockt auch das Gastland „Niederlande und Flandern“.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Leipzig ist nicht die größte Buchmesse, auch ist die Anreise für viele Buchliebhaber zu weit im Osten. Doch wer einmal im März in der Stadt an der Pleiße war, raus in die lichtdurchfluteten Messehallen fuhr, dort Autoren an den Verlagsständen erlebte, sich schließlich mit Büchern eindeckte und dann abends in der Stadt die Lesungen verfolgte, der wird – Sie ahnen es: wohl immer wieder kommen.

Wer wissen will, was allein abends in der Altstadt literarisch los ist, bekommt eine Ahnung allein von dieser Ankündigung: 3200 Mitwirkende werden in mehr als 3000 Veranstaltungen an 350 verschiedenen Orten in der Stadt und auf der Messe zu erleben sein. Und das an nur vier Messetagen! In vielen Gaststätten treten Autoren auf, natürlich in der Deutschen Nationalbibliothek, der Alten Handelsbörse, in diversen kleinen Schlösschen, in Kinos und sogar im Leipziger Zoo. Die Leipziger Messe wirbt darum auch unwidersprochen damit, dass es das größte Lesefest Europas ist.

Obgleich das Programm von „Leipzig liest“ erst einen Monat vor Messestart am 22. Februar öffentlich wird, sind schon etliche Namen von Autorinnen und Autoren bekannt, die nach Leipzig kommen werden. Dazu gehören Bestsellerautoren wie Arne Dahl und Wladimir Kaminer, Jussi Adler-Olsen, Bodo Kirchhoff, Ingrid Noll, Bernhard Schlink, Miriam Meckel, Alexa Hennig von Lange.

Ein Gastland gibt es diesmal auch wieder, das nach vielen Jahren der osteuropäischen Literaturszene sich 2024 tief im Westen liegt: Niederlande und Flandern präsentieren sich unter dem charmanten Motto „Alles außer flach“. Als literarische Botschafter ihres Landes werden neben anderen die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Valentijn Hoogenkamp, Connie Palmen, Jaap Robben, Astrid Roemer, Matthijs de Ridder, Eva Meijer, Angelo Tijssens, Lize Spit, Gijs Wilbrink, Annelies Verbeke und Lisa Weeda in Leipzig zu hören und zu erleben sein.

Einer von vielen Höhepunkten der Buchmesse ist die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse. Wie in einer riesigen Arena werden in den klassischen Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung alle Kandidatinnen und Kandidaten in der Glashalle der Messe vorgestellt, ehe in einem literarischen Showdown der Sieger schließlich genannt, gekürt, gefeiert wird. Insgesamt winkt ein Preisgeld von 60.000 Euro, das seit knapp 20 Jahren eine siebenköpfige Jury vergibt. Und schon am Abend vor Messebeginn wird im Leipziger Gewandhaus der mit 20.000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung vergeben. Dafür steht der Sieger bereits fest: Es ist der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm, der für sein Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“ geehrt wird.

Ein für manche skurriles, aber inzwischen traditionsreiches Angebot ist die schrille Convention, auf der sich in Leipzig seit zehn Jahren die Manga-, Anime-, Comic- und Cosplay-Fans treffen und die ohnehin farbenfrohe Messe noch bunter gestalten. So gibt es in diesem Jahr sogar schon einen Rückblick auf das, was die Manga-Comic-Convention schon alles erlebt hat: mit einer Ausstellung „10 Jahre MCC“ in Halle 3.

Was Leipzig von vielen anderen Buchmessen unterscheidet? Sie ist weniger für Buchhändler und Rechtehändler attraktiv – diese tummeln sich lieber im Herbst in Frankfurt. Leipzig ist eine ausgesprochene Lesermesse, die von Beginn an fürs Publikum geöffnet ist und besonders an den ersten Tagen auch von den Schulklassem aus Leipzig und Umgebung besucht und mitunter heimgesucht wird. Auf dem Messegelände gibt es zudem eine riesige Buchhandlung, die das in den Messehallen geweckte Interesse vor Ort stillen kann. Eine andere Besonderheit ist das umfassende Bildungsprogramm am Rande der Messe etwa zum digitalen Klassenzimmer. Aber auch die Präsentation der kleineren unabhängigen Verlage gehört dazu, die ja oft im Schatten der Publikumsverlage stehen, aber mit ihrem Angebot Garant für die Vielfalt des literarischen Angebotes im deutschsprachigen Raum sind.

2020 und 2021 musste die Messe Corona-bedingt ausfallen; 2022 mangelte es an Interesse vieler Aussteller. Im vergangenen Jahr gelang der Buchmesse die Rückkehr, diesmal atmet sie wieder durch – und mit ihr die Leser.

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