John Strelecky: Warum er der gefragteste Ratgeber-Autor ist

Bestseller John Strelecky : Der Ratgeber für alle Fälle

Wenn es um Fragen nach dem Sinn des Lebens geht, ist John Strelecky der gefragteste Autor. Seine Geschichten werden millionenfach gekauft. Jetzt ist ein neues Buch erschienen.

John Strelecky sieht aus wie immer. Dabei begegnen wir ihm jetzt das erste Mal. Doch es gibt kaum ein Bild, auf dem er nicht exakt so zu sehen ist wie er gerade in der Lobby des Sheraton sitzt. Also mit sehr akkurat gebügeltem, hellblauem Hemd, der dunkelblauen Jeans und vor allem diesem breitkrempigen, einen Tick zu groß wirkenden Outdoor-Adventure-Hut. Strelecky muss davon Dutzende daheim im sonnigen Orlando haben.

Der Hut ist Klischee, ist Markenzeichen und ist tatsächlich auch ein Schutz, weil Strelecky nur noch eine überschaubare Kopfbehaarung sein eigen nennt. Darum trage er immer seinen Hut. Immer? „Fast immer.“ Auch im Bett? „Es gibt Grenzen“, sagt er und schenkt uns so ein offenes Lachen, das man liebend gern selbst genau so einmal hinbekommen würde.

Jedenfalls nimmt man Strelecky bedenkenlos ab, dass es ihm gut geht und er die richtigen Fragen an sein Leben gestellt hat. Denn darum geht es – herauszubekommen, was eigentlich unsere Lebensziele sind und wie wir sie erreichen könne, ohne sofort wieder resigniert abzuwinken. Darum geht es in seinen berühmten Seminaren „Big Five for Life“ – für Führungskräfte und andere Menschen – und natürlich in seinen Büchern, die bloß „Bestseller“ zu nennen eine freche Untertreibung wäre: Sie wurden bislang in über 30 Sprachen übersetzt; allein in Deutschland haben sich seine Ratgeber bisher gut vier Millionen Mal verkauft. Seit vier Jahren steht „Das Café am Rande der Welt“ mit sehr kleinen Unterbrechungen auf Platz eins der Sachbuch-Bestsellerlisten!

Wobei Streleckys Erfolgsrezept eine Mischung aus Literatur und Sinnsuche ist. „Erzählende Ratgeberliteratur“ nennen das die Händler, und dieses „Genre“ ist absolut im Trend. 9371 neue Ratgebertitel sind 2018 bei uns erschienen und sorgten für ein Umsatzplus von 2,56 Prozent in dieser Sparte. In der kriselnden Buchbranche ist das mehr als ein Lichtblick.

Sehr pünktlich zur Buchmesse ist das neue Werk auf den Markt gekommen. Darin geht es um eine „Auszeit im Café am Rande der Welt“, wieder sehr schmal ist es, in vier Stunden zu schaffen (verspricht Strelecky) – und mit vergleichbarem Setting: Also mit John, dem Erzähler, der von der Beerdigung seines Patenonkels und bei strömenden Regen Zuflucht sucht. Ein Licht tut sich in der Ferne auf, eine Türe öffnet sich, und es ist wieder das alte Café mit der komischen Speisekarte, auf der jeder Gast seine Fragen findet, wie: Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?

Nichts Besonderes also, doch wer die Fragen ein bisschen näher an sich herankommen lässt, spürt, dass es mit schnellen Antworten nicht getan ist. Wie John im Buch, der sich an ein junges Liebespaar erinnert, das er vor einigen Tagen auf der Straße sah. Und plötzlich wird ihm bewusst, dass er selbst mit seinen 50 Jahren nie mehr so sein wird. Was er auch alles anstellen mag, er wird nie mehr der 28-jährige Rucksacktourist sein oder der 38-jährige Backpacker, und er wird auch nie mehr eine so unbeschwerte Verliebtheitsphase erleben können wie ein 19-Jähriger.

Sicher, darüber könnte man jetzt ganz prima und ausgiebig verzweifeln. Aber auch wenn Vieles nicht mehr möglich ist, so bleibt manches doch immer noch zu erleben. Nur, man muss es dann auch tun und darf nicht nur lamentieren. Das steht im Zentrum von John Streleckys kleiner Lebensphilosophie.

Sein Vater sei 87 Jahre alt und schwer krank, sagt er. „Und ich muss erkennen, dass kein Leben einfach immer weiter geht.“ Das ist ein Grund zur Trauer. Aber dazu gehört immer auch die Erinnerung an die so vielen guten Jahre, die man miteinander verbringen konnte. Diese Art der Dankbarkeit für das, was war, taucht permanent im Buch auf. Und es sind einfache, weise Leute, die zu einer solchen Anleitung zum Glück ermuntern. Etwa der 80-jährige Klempner Max, der John fragt, ob er Weihnachten mag? Klar, wer nicht? Gut, dann nutze sie, sagt Max, Du wirst noch etwa 30 haben.

Ob John Strelecky auch Angst vor dem Sterben habe? Nein, weil auch die meisten anderen Menschen im Grunde den Tod nicht fürchten. „Unsere Angst gilt vielmehr dem Ende des Lebens und dass wir bis dahin nicht herausgefunden haben, was wir eigentlich wollten.“

Etwa auf mehrmonatige Reisen rund um die Welt gehen. Oder daheim Bücher schreiben. Beides hat John Strelecky gemacht, der ehemalige Strategieberater für Unternehmen, der sich irgendwann die Frage stellte, ob zehn Stunden im Büro der Sinn seines Lebens seien, nur um irgendwann befördert zu werden und dann 14 Stunden im Büro zu arbeiten. Nein, erstrebenswert erschien ihm das alles nicht. Er hat eigene Antworten gefunden. „Ich leben das Leben, das ich leben möchte“, sagt er überzeugend lächelnd. Wir müssen uns John Strelecky als einen glücklichen Menschen vorstellen.