Kinderbuch Neuausgaben von „Jim Knopf“ künftig ohne „N-Wort“

Stuttgart · Heutige Kinder sollen das „N-Wort“ nicht in ihren Alltagswortschatz übernehmen. Deshalb hat der Stuttgarter Thienemann-Verlag nun diese Bezeichnung aus den „Jim-Knopf“-Romanen gestrichen. Die AfD äußert sich kritisch.

Hauptfigur Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und Emma, die Lokomotive auf einem Bild (Symbolbild/Illustration).

Hauptfigur Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und Emma, die Lokomotive auf einem Bild (Symbolbild/Illustration).

Foto: WDR/dumy

Der Thienemann-Verlag hat Änderungen im Text der beiden „Jim Knopf“-Romane von Michael Ende vorgenommen. In Abstimmung mit Endes Erben sei in der Neuauflage das „N-Wort“ gestrichen worden, teilte der Verlag am Donnerstag in Stuttgart mit. „Damit Kinder, die die Bücher jetzt lesen, diese sprachlichen Elemente nicht in ihren Alltagswortschatz übernehmen, haben Nachlass und Verlag nach reiflicher Überlegung entschieden, das N-Wort zu streichen und die stereotypen Beschreibungen zu reduzieren.“

Am Samstag (24. Februar) erscheinen den Angaben zufolge die überarbeiteten kolorierten Neuausgaben von Endes Kinderbüchern „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ sowie „Jim Knopf und die Wilde 13“. Auch die Zeichnung von Jim Knopf sei in Absprache mit dem Erben von Illustrator F. J. Tripp angepasst worden.

Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Rainer Balzer, warf dem Verlag „literarische Leichenfledderei“ vor. Die Tilgung des Wortes sei ein „seltener Akt von Kulturbarbarei gegen einen Autor, der sich nicht mehr wehren kann“.

Der Verlag ist sich hingegen sicher, „damit ganz im Sinne von Michael Ende, der bekanntermaßen weltoffen, respektvoll und immer für die Kinder war, zu handeln“. Beide „Jim Knopf“-Bände handelten von der Freundschaft unterschiedlicher Personen, der Akzeptanz des Fremden und Andersartigen sowie der Überwindung von Feindschaften. Michael Ende (1929-1995) habe in diesen Abenteuergeschichten ein Gegenbild zur nationalsozialistischen Ideologie gezeichnet, mit der er in seiner Jugend selbst konfrontiert gewesen sei.

Das „N-Wort“ habe Michael Ende Anfang der 1960er Jahre bewusst nur dem auf Lummerland lebenden „Herrn Ärmel“ in den Mund gelegt, „um auf die fehlende Weltoffenheit dieses typischen Untertans hinzuweisen“. Heute könne auch ein solch distanzierter Gebrauch als diskriminierend gewertet werden, betont der Verlag. Dasselbe gelte „für die Gleichsetzung von schwarzer und schmutziger Haut, die Michael Ende als eines der Stilmittel einsetzt, um die enge Verbindung zwischen Jim Knopf und dem Lokomotivführer Lukas besonders zu betonen“.

(esch/kna)
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