Hitler-Attentat am 20. Juli 1944: Wieder Streit um Stauffenberg-Attentat entfacht

Vor 75 Jahren : Wieder Streit um Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler entfacht

Vor dem 75. Jahrestag des misslungenen Attentats auf Adolf Hitler ist der Streit über die Motive von Claus Schenk Graf von Stauffenberg neu entflammt. Was dahinter steckt.

Unter dem Titel „Stauffenberg - Mein Großvater war kein Attentäter“ ist an diesem Freitag im Herder-Verlag ein Buch der Stauffenberg-Enkelin Sophie von Bechtolsheim erschienen. Darin schreibt sie: „Mein Großvater hat sein Leben für den Versuch verloren, eine neue gerechte Ordnung zu ermöglichen. Er folgte seinem Gewissen. Was auch immer man von ihm denken mag, er hat es nicht verdient, am Ende, wie schon 1944, als "der Attentäter" verurteilt zu werden.“

Oberst Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 einen Sprengsatz gezündet, der den Diktator töten sollte. Doch Hitler überlebte. Stauffenberg und seine Mitverschwörer wurden hingerichtet. Einige mussten vor ihrem Tod Folter und Schauprozesse über sich ergehen lassen. In der Nachkriegszeit sahen viele Deutsche in den Verschwörern „Verräter“. Das änderte sich erst allmählich.

Anlass für das Buch der Enkelin ist die kürzlich erschienene Biografie von Thomas Karlauf „Stauffenberg: Porträt eines Attentäters“. Er stellt die These auf, Stauffenberg habe Hitler nicht aus moralischen Gründen töten wollen, sondern aufgrund seiner Prägung durch den Dichter Stefan George und in Erwartung der militärischen Niederlage Deutschlands.

Karlauf führt dafür unter anderem eine Aussage an, wonach sich Stauffenberg 1933 einem Fackelzug von Hitler-Anhängern in Bamberg angeschlossen haben soll. Zu dem angeblichen Fackelzug finde sich kein Zeitungsbericht, sagte Sophie von Bechtolsheim der Deutschen Presse-Agentur. „Von daher finde ich es sehr fragwürdig, dass diese Kolportage, die von einem Regimentskameraden und aus der Nachkriegszeit stammt, als Beleg für diese These heranzuziehen, mein Großvater sei anfangs für Hitler gewesen.“

(mja/dpa)
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