Buch-Kritik: Gina Addai: Für immer — Danke sag ich später

Buch-Kritik : Gina Addai: Für immer — Danke sag ich später

Am Anfang ist Gina glücklich wie nie zuvor: Verliebt, bald verlobt mit ihrer großen Liebe. Am Ende stürzt sich Gina von einer Brücke. Wie es soweit kommen, und wie aus einem Traum ein Alptraum werden konnte, das schreibt Gina Addai in ihrem Roman "Für immer - Danke sag ich später".

Gina lernt P. auf der Straße kennen. Sie ist frisch geschieden, lebt mit ihrer Tochter Nina alleine. P. ist Schwarzafrikaner, charmant, offen und witzig — aus einer anfänglichen Sympathie entwickelt sich eine Liebesbeziehung. In P.'s Armen fühlt sich Gina glücklich wie nie, sie zieht mit ihm zusammen, bezahlt die Wohnung. P. ist aufmerksam, liebevoll und verwöhnt Gina wo er kann.

Doch dann kommt der Tag, an dem P. ausgewiesen wird. "Marrie me - heirate mich", sagt er zu Gina - nur so kann er nach Deutschland zurückkommen. Gina zögert, doch die Sehnsucht ist zu groß: Tag und Nacht arbeitet sie, um das Geld für die Flüge nach Ghana zu bekommen. Und tatsächlich: Nach der Hochzeit in Afrika darf P. nach Deutschland zurückkehren.

Damit beginnen für Gina die Probleme: P. ist nicht glücklich in Deutschland, geht ihr aus dem Weg. Zweimal wird Gina schwanger, zweimal verliert sie ihr Baby. Auch deshalb, weil sie sich keine Ruhe gönnt, jede Minute arbeitet, um P. all seine Wünsche zu erfüllen. Schließlich — Gina ist zum dritten Mal schwanger — stirbt P.'s Mutter. Anstatt bei Gina zu bleiben, die merkt, dass sie auch dieses Kind verlieren wird, reist P. nach Ghana. In dieser Nacht verliert Gina ihr drittes Baby und mit ihm all ihre Hoffnung. Sie steht vor den Trümmern ihrer Liebe, ihres Lebens. Gina sieht nur noch einen Ausweg…

Gina Addai gelingt es in "Für immer — Danke sag ich später", dem Leser dieses unglaublich harte Schicksal der Hauptfigur nahe zu bringen. Er leidet mit Gina, kann aber zugleich wenig Verständnis für deren Selbstaufgabe für P. entwickeln: Er sieht, wofür Gina blind ist. Es scheint, als habe der Roman biografischen Bezug zu Addai selbst, nicht nur der Name der Hauptfigur, auch das rückschauende Erzählen in personaler Perspektive und die zum Teil großen Zeitsprünge erwecken diesen Eindruck.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Stil der Autorin: Sie erzählt in kurzen, abgehackten Sätzen, stellt viele Fragen und setzt undurchsichtig viele Worte in Anführungsstriche. Insgesamt ein Buch, das sich gut in einer Stunde lesen lässt — auf Grund seiner Spannung, aber auch auf Grund seiner Kürze.

(rpo)
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