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Berliner Soziologe: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Lepenies

Berliner Soziologe : Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Lepenies

Frankfurt/Main (rpo). Wolf Lepenies erhält anlässlich der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der Berliner Soziologe und frühere Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin erhält die Auszeichnung am 8. Oktober während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche. Der mit 25.000 Euro dotierte und seit 1950 alljährlich vergebene Preis gilt als einer der angesehensten in Deutschland.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es, mit dem Friedenspreis ehre die Jury "den wissenschaftlichen Schriftsteller, den anschaulich schreibenden Biografen, den stilsicheren Essayisten, der durch Wort und Tat belegt, dass zwischen Verhalten und Wissen, zwischen Moral und Wissenschaft ein unauflöslicher Zusammenhang besteht". Zwischen den in Kunst und Wissenschaft verbreiteten Haltungen von Enthusiasmus und Skepsis habe sich der Preisträger für eine dritte Haltung entschieden: den intellektuellen Anstand, wie er ihn bei Denis Diderot vorgebildet sehe.

In den 15 Jahren Rektorat von Lepenies sei das Berliner Wissenschaftskolleg "zu dem vielleicht anregendsten und freiesten Ort Europas, zu einer Begegnungsstätte von westlicher Rationalität und östlicher Weisheit, von Kunst und Wissenschaft, zu einer Heimstätte für moderne Musik und Literatur" geworden. Aber auch im Ausland habe er Völker und Kulturen "im friedlichen Gespräch zusammengeführt" und "dem Frieden unter den Völkern einen Wurzelgrund gegeben".

Am 11. Januar 1941 in dem zu Allenstein (Olsztyn) gehörenden ostpreußischen Deuthen geboren, schloss Lepenies sein Studium der Soziologie 1967 in Münster mit der Dissertation "Melancholie und Gesellschaft" ab, die zwei Jahre später als Buch erschien. 1971 habilitierte er an der Berliner Freien Universität, an der er bis 2006 als Professor lehrte.

Nach Auslandsaufenthalten in Paris und als Mitglied der School of Science des renommierten Institute for Advanced Study in Princeton, New Jersey, wurde Lepenies 1986 Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin. In seiner Amtszeit bis 2001 initiierte er unter anderem ein breit angelegtes Forschungsprogramm zum Thema Islam und intensivierte den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch vor allem mit den osteuropäischen Nachbarn durch die Einrichtung von Wissenschaftszentren.

Zahlreiche Veröffentlichungen

1994 hielt er in der Frankfurter Paulskirche die Laudatio auf den Friedenspreisträger Jorge Semprún. Zu den wichtigsten Publikationen von Lepenies zählen "Melancholie und Gesellschaft" (1969), "Das Ende der Naturgeschichte" (1976), "Die drei Kulturen" (1985), "Autoren und Wissenschaftler im achtzehnten Jahrhundert" (1988), "Gefährliche Wahlverwandtschaften" (1989), "Folgen einer unerhörten Begebenheit. Die Deutschen nach der Vereinigung" (1992), "Aufstieg und Fall der Intellektuellen in Europa" (1992), "Saint-Beuve. Auf der Schwelle zur Moderne" (1997), sowie "Benimm und Erkenntnis (1997). Sein neuestes Buch "Kultur und Politik. Deutsche Geschichten" über das prekäre Verhältnis von Politik und Kultur zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert erscheint im Juli 2006. Lepenies ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Berlin.

(ap)