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Frankfurt: Autoren sagen aus Protest Teilnahme an Buchmesse ab

Aus Kritik an Verlag : Autoren sagen aus Protest Teilnahme an Frankfurter Buchmesse ab

Weil die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse den Jungeeuropa-Verlag nicht ausschließen wollen, sagen einige Autorinnen und Schauspielerinnen jetzt ihre Teilnahme ab. Sie werfen dem Verlag die Veröffentlichung rechtsextremer Werke vor.

Der Protest gegen die Präsenz des Jungeuropa-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse zieht weiter Kreise: Nach der Autorin Jasmina Kuhnke haben auch die Schauspielerinnen mit afrikanischen Wurzeln, Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson, ihre Teilnahme an der Buchmesse abgesagt. Die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bedauerten die Absagen, sagte der Börsenvereinssprecher Thomas Koch am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Stimmen gegen Rassismus würden auf der Buchmesse fehlen. Die Autorinnen und Schauspielerinnen werfen dem Verlag rechtsextremistische Veröffentlichungen vor.

In einer gemeinsamen Stellungnahme bekräftigten der Börsenverein und die Frankfurter Buchmesse, dass sie keinen Verlagen die Teilnahme an der Buchmesse verbieten wollten. „Meinungs- und Publikationsfreiheit stehen für uns an erster Stelle. Sie sind die Grundlage dafür, dass der freie Austausch in unserer Demokratie und die Buchmesse überhaupt möglich sind.“ Die Buchmesse und der Börsenverein bezögen Position für einen toleranten und respektvollen Umgang miteinander und grenzten sich von extremen Positionen deutlich ab. Aber ein Verbot von Verlagen oder deren Veröffentlichungen obliege den Gerichten.

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Der Buchmessen-Direktor Juergen Boos hatte am Dienstag betont, die Messe müsse auch die Meinungen und die Präsenz von Menschen aushalten, die sie lieber nicht hier hätte. „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist“, sagte er zur kritisierten Teilnahme des Jungeuropa-Verlags. Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, bekräftigte die Position von Boos.

Die Autorin Mithu Sanyal, Finalistin für den Deutschen Buchpreis 2021 mit „Identitti“, warf in der Kontroverse mit Boos die Idee eines dritten Weges ein: „Es muss mehr geben als erlauben oder verbieten.“ So könnte die Buchmesse die Einnahmen durch die Teilnahme des kritisierten Standes „einem antifaschistischen Projekt spenden“.

Die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank kritisierte am Dienstag, die Buchmesse habe nichts aus „chaotischen Szenen“ durch rechtsextreme Akteure auf der Messe 2017 gelernt. Es sei „ein Desaster für unsere offene Debattenkultur“, wenn sich Betroffene von Rassismus von der Frankfurter Buchmesse zurückzögen, sagte deren Direktor Meron Mendel. Die Buchmesse dürfe sich nicht hinter dem Begriff der Meinungsfreiheit verstecken. Der Jungeuropa-Verlag bewege sich in einem „rechtsextremen Netzwerk der Neuen Rechten“. „Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern eine existenzielle Bedrohung für unser gesamtes gesellschaftliches Zusammenleben“, betonte Mendel.

Der Streit auf der Frankfurter Buchmesse um die Teilnahme von Verlagen, die zur „Neuen Rechten“ gezählt werden, hält seit Jahren an. 2017 gab es Proteste und Tumulte um die Teilnahme des Antaios-Verlags, 2018 um den Manuscriptum-Verlag und den Verlag der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Diese Verlage sind auf der gegenwärtigen Buchmesse nicht vertreten.

(chal/epd)