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Zeichnermesse in Erlangen: Die Comic-Welt zu Gast bei Freunden

Zeichnermesse in Erlangen : Die Comic-Welt zu Gast bei Freunden

Erlangen (rpo). Alle zwei Jahre verwandelt sich das beschauliche Erlangen bei Nürnberg zum Mekka für Comic-Fans. Traditionell zum Fronleichnamstag öffnet das wohl größte und wichtigste Comic-Festival im deutschsprachigen Raum für vier Tage seine Pforten. Der Sonderpreis der Jury geht in diesem Jahr an den deutschen Zeichner Ralf König ("Der bewegte Mann").

Zum Comic-Salon mit 150 Ausstellern, mehr als 300 Künstlern, einem Comic-Film-Fest, Lesungen, Workshops und einer Comic-Börse werden über 20.000 Besucher in der Universitätsstadt erwartet. Manga-Comics aus Japan stehen diesmal im Mittelpunkt. Dass sich wegen der Fußball-WM weniger Fans als sonst im Kongresszentrum einfinden könnten, glaubt Christina Walz vom Erlanger Kulturamt nicht. "Das ist eine sehr eingeschworene Gemeinschaft", erzählt sie. Die WM dürfte für sie nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Dies umso weniger, da ein Schwerpunkt der diesjährigen Messe den Manga-Comics aus Japan gewidmet ist. Und Mangas, so erklärt Pressesprecherin Walz, würden seit Jahren in erster Linie von jungen Frauen gelesen und geliebt. "Frauen identifizieren sich eher mit den Manga-Figuren." Die Geschichten seien im Gegensatz zu den klassischen Comics aus Frankreich märchenhafter und fantastischer gehalten und sprächen daher eher weibliche als männliche Anhänger an. Inzwischen würden auch immer mehr Frauen Japanisch lernen, um die Comics, die häufig von Liebe und Erotik erzählen, im Original lesen zu können.

Der zunehmenden Begeisterung für die japanische Kultur will der diesjährige Comic-Salon daher mit verschiedenen Sonderveranstaltungen gerecht werden: Neben einer japanischen Teezeremonie gibt es auch die Möglichkeit, das 4.000 Jahre alte "Go"-Brettspiel" zu erlernen oder Kurse in Kalligrafie oder Origami zu besuchen. Außerdem wird der japanische Künstler Gosho Aoyama erwartet, der mit seiner Serie "Detektiv Conan" inzwischen zu den erfolgreichsten Manga-Zeichnern weltweit gehört.

Doch auch den einheimischen Künstlern soll eine angemessene Plattform geboten werden. "Die junge deutsche Comic-Szene ist ein ganz, ganz wichtiger Schwerpunkt der Messe", betont Walz. Galt Deutschland lange Zeit als Comic-Wüste, entwickelte sich in den 80er Jahren eine "neue deutsche Comic-Welle" mit Künstlern wie Chris Scheuer, Matthias Schultheiß und Franziska Becker oder Martin tom Dieck, Ulf K., Uli Oesterle und Isabel Kreitz. Dem frischen, unbekümmerten Stil dieser "Generation Golf" sind neben Diskussionsrunden auch eigene kleine Ausstellungen gewidmet.

Sonderpreis für Ralf König

Highlight der viertägigen Veranstaltung dürfte aber die Verleihung des Max und Moritz-Preises am Samstagabend werden: Dieser wohl wichtigste Comic-Preis im deutschsprachigen Raum geht in diesem Jahr an den französischen Zeichner Jacques Tardi. Der 59-Jährige gilt als der bedeutendste Vertreter der zeitgenössischen Comic-Kunst und wird für sein herausragendes Lebenswerk geehrt, in dem er sich meist in Schwarz-Weiß häufig mit dem Grauen des Krieges beschäftigt.

Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Serie um "Adeles ungewöhnliche Abenteuer" aus dem Jahr 1976 oder der Comic-Roman "Hier selbst". Kriegsgräueltaten nimmt Tardi erstmals 1974 in sein Werk auf, in der zehnseitigen Episode "Für Volk und Vaterland". Dabei verzichtet er auf Heldentum und schildert ausschließlich Elend und Verzweiflung während des Ersten Weltkriegs.

Der Sonderpreis der Jury geht in diesem Jahr an den deutschen Zeichner Ralf König, der bereits 1992 als bester deutschsprachiger Comic-Künstler auf dem Comic-Salon ausgezeichnet wurde. Das bekannteste Werk aus Königs Feder ist der Comic "Der bewegte Mann", der 1994 von Sönke Wortmann mit Til Schweiger, Katja Riemann und Joachim Król in den Hauptrollen verfilmt wurde.

In Erlangen wird der 45-jährige Westfale am Samstag für seine künstlerische Stellungnahme im Streit über die Mohammed-Karikaturen geehrt. Mit seinen Zeichnungen, die unter anderem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienen, hatte König dafür plädiert, freiheitliche Grundwerte nicht unter dem Druck islamistischer Extremisten preiszugeben. So hatte sich König in seinem 350-seitigen Comic-Roman "Dschinn Dschinn" mit dem Islamismus beschäftigt noch bevor der Streit öffentlich entbrannt war.

Später sagte König: "Wie soll man im Moment als Kulturschaffender noch an das Thema Islam herangehen, wenn alles auch anders gedeutet werden kann?" Er frage sich, ob er es sich mitten in Europa erlauben könne, Reizwörter wie "Islam", "Koran" oder "Allah" in Sprechblasen zu schreiben. "Ich finde nicht, dass man in der jetzigen Situation noch provozieren und Öl ins Feuer gießen sollte. Aber: Man muss als Folge der Empörung der islamischen Welt jetzt weniger über die Grenzen der Pressefreiheit nachdenken, sondern über die zu verteidigenden Werte unserer Demokratie".

(ap)