Deutsche Krimikarte: So mörderisch ist Düsseldorf

Deutsche Krimikarte: So mörderisch ist Düsseldorf

Zehn Jahre lang forschten Leser in allen Regionalkrimis nach den Einsatzorten der Ermittler: Düsseldorf belegt dabei Platz neun.

Wenigstens in den Top Ten! Wenn auch im hinteren Drittel – genauer: auf Platz neun – und leider fünf Plätze hinter Köln. Dennoch: Hut ab, in der Landeshauptstadt tummeln sich 18 Ermittler, die mehr oder weniger erfolgreich sich bislang 66 meist schwerwiegender Fälle angenommen haben. Literarisch zumindest. Das jedenfalls ist die Trefferquote vom Büchertreff, einer Literaturcommunity, die seit über zehn Jahren regionale Krimiliteratur nach ihren Schauplätzen durchforstet. Dabei kam die mordlustige Lesergemeinde immerhin auf jene 18 Ermittler, die in Düsseldorf ihr aufklärerisches Wesen treiben.

Bekanntes, aber auch reichlich weniger Bekanntes findet sich darunter, und das macht die Erhebung so interessant. Da sind die Vincent Che-Veih-Bücher von Bestsellerautor Horst Eckert, Kommissar Lohmeier ermittelt dank der Feder von Autor David Daniel, Klaus Stickelbroeck lässt Privatdetektiv Christian Hartmann ermitteln, bei Stefanie Koch ist es Kommissar Henri Lavalle, hinzu kommen Krimireihen von Sabine Klewe und Rebecca Gablé.

Die Auswertung ist enorm: 3400 Lokalkrimis sind auf der Deutschlandkarte verzeichnet, aus über 200 Regionen. Dass es so kriminell in Deutschland zugeht, könnte ein ungutes Licht auf den destruktiven Charakter unserer Autoren werfen und den Lesern viel Lust an Gewalt unterstellen. Beruhigend ist dagegen, dass 717 Ermittler im Einsatz sind, bisweilen in Teams. Und die bereiten dem Übel in der Welt zumeist doch ein Ende. An Arbeit mangelt es nicht: Immerhin finden in allen dokumentierten Krimis 3797 Verbrechen statt.

Düsseldorf ist mit seiner literarisch intensiven Ermittler-Bedürftigkeit kein schwarzes Schaf in NRW. Denn insgesamt führt unser Bundesland die Liste in Deutschland an. Das heißt: NRW gehört zu den gefährlichsten Regionen. Zwar belegen enorme Großstädte die ersten drei Plätze – Berlin mit 232 Fällen und 47 Ermittlern, gefolgt von München (204/36) und Hamburg (200/36). Dafür hat NRW drei Krimihochburgen in den Top Ten: Mit Köln auf Platz vier, Düsseldorf auf neun, Dortmund auf zehn. Zudem kann NRW von der Eifel abstauben, deren mörderische Ländlichkeit mit Platz acht belohnt wird.

Spannend ist auch die interaktive Grafik des professionellen Büchertreffs. Wer eine Stadt anklickt, bekommt die Zahl der Ermittler geliefert und kann mit einem Klick auf das Verbrecherpüppchen in der Stadt gleich alles über die einzelnen Romane erfahren: ein paar Zeilen über den Autor, den Start der Reihe, die Anzahl der Bände, die längste Pause zwischen den Erscheinungsterminen usw. Dazu kommen Bewertungen, die ziemlich hart sein können. Wenn nach etwas längerer Pause keine offizielle Ankündigung eines neuen Bandes folgt (wie bei den Katrin-Sandmann-Krimis von Sabine Klewe), wird das sogleich mit einem schmollenden Smiley gebrandmarkt. Kurzum: Man spürt, hier sind Freaks am Werk gewesen, die mindestens so akribisch gearbeitet haben wie die Ermittler.

Bei 18 Ermittlern wird deutlich, wie groß das literarische Potenzial in Düsseldorf ist. Möglicherweise ergeben all diese Verbrechens- und Ermittlungsgeschichten eine Stadtgeschichte der besonderen Art. Vielleicht ließe sich auch mal ein öffentliches Klassentreffen der Krimi-Autoren organisieren – ein Literaturfest der Düsseldorf-Morde. Eins haben die Autoren gut verstanden: dass eine Serie sich manchmal schwer fortsetzen lässt, wenn Fälle früh geklärt und die Übeltäter dingfest gemacht werden. Denn aus der Liste der aktivsten, das heißt erfolgreichsten Ermittler, ist Düsseldorf plötzlich verschwunden. In die Top Ten haben wir es dabei nicht geschafft und liegen sogar irgendwo hinter Ostfriesland mit dem uns bisher unbekannten Super-Kommissar David Büttner.

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