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Futuristische Ölbilder: Das Beste der 80er, 90er und von morgen

Futuristische Ölbilder : Das Beste der 80er, 90er und von morgen

Die Netzgemeinde feiert einen Schweden, der am Computer Ölgemälde malt vom Alltag in einer fiktiven Vergangenheit mit Raumschiffen, Robotern und Dinosauriern. Per Crowdfunding wollte er 10.000 Dollar sammeln – und bekam fast das 30-Fache.

Die Netzgemeinde feiert einen Schweden, der am Computer Ölgemälde malt vom Alltag in einer fiktiven Vergangenheit mit Raumschiffen, Robotern und Dinosauriern. Per Crowdfunding wollte er 10.000 Dollar sammeln — und bekam fast das 30-Fache.

Wer kennt sie nicht, die Überlebenden der russischen Roboter-Pogrome von 1994, die in den schwedischen Wäldern leben, neben den rostenden Resten der vierbeinigen Laufmaschinen aus den späten Siebzigern?

Mit dieser Haltung malt Simon Stålenhag Bilder, die bei allen Skurrilitäten stimmig wirken, wie von einem Fotografen dokumentierte Alltagsszenen. Im Netz vereinen sich die Nerds aller Länder in ihrer Huldigung vor dem Schweden, der die Welt malt, in der sie gern aufgewachsen wären. Mit vager Hoffnung hatte Simon Stålenhag, 31, ein Kickstarter-Projekt gestartet, um seine Bilder dieses Paralleluniversums in zwei Büchern verlegen zu können — 10.000 Dollar wollte er dafür von Unterstützern sammeln.

260.000 von mehr als 3.000 Fans hat er bekommen, Tendenz weiter steigend.

Westlich von Stockholm, auf dem Land bei den Mälaren-Inseln, wurde in Stålenhags Fantasie in den Fünfziger Jahren ein Teilchenbeschleuniger installiert, der riesige Fortschritte ermöglichte, etwa bei der Entwicklung von Antigravitationstechnik und Künstlicher Intelligenz. Doch diese Hintergrundgeschichte entwickelte der Künstler erst im Nachhinein.

Zunächst ohne groß darüber nachzudenken hatte er Roboter und Raumschiffe gemalt, eingebettet in die aus Kindheitstagen vertraute Landschaft — und dabei den Stil seiner Lieblings-Naturmaler wie Gunnar Brusewitz und Lars Jonsson mit jenem von Ralph McQuarrie ("Star Wars") und Syd Mead ("Alien") kombiniert. Bei denen sah nichts so durchdesignt und poliert aus wie in "Stark Trek". Alles war brutal funktional und vom alltäglichen Gebrauch gezeichnet, verfärbt, verbeult, verschmutzt.

Früher hatte Stålenhag mit Wasserfarbe und Gouache-Pigmenten gemalt, heute zeichnet er mit Tusche auf Skizzenblöcken vor und erledigt den Rest mit virtuellen Pinselstrichen in Photoshop.

Wie genau in seiner Retro-Science-Fiction-Welt die Dinosaurier ins Spiel kommen, die durch manche Bilder schleichen, wollten wir den guten Mann eigentlich noch fragen. Aber dann teilte er per Twitter mit, dass er keine Zeit habe — weil er unmittelbar vor der Hochzeit steht.

(tojo)