Graphic Novel über Holocaust-Überlebende Das Unbegreifliche im Comic verarbeitet

Düsseldorf · Emmie Arbel war in mehreren Konzentrationslagern und hat auch nach der Shoah Traumata erlebt. Auf Basis ihrer Erzählungen hat die Münchenerin Barbara Yelin einen Comic-Roman gezeichnet, der jetzt erschienen ist.

 Emmie Arbel im Comic: Ihre Kämpfe mit Belastungssituationen und ihr Umgang mit Traumata ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Emmie Arbel im Comic: Ihre Kämpfe mit Belastungssituationen und ihr Umgang mit Traumata ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Foto: Barbara Yelin

Sie habe keine Worte für das, was ihr geschehen sei, sagt Emmie Arbel. Als Kleinkind hat sie mehrere Jahre in Konzentrationslagern verbracht. Wie also lässt sich das Unbeschreibliche erklären? Ein neues Buch von Barbara Yelin wählt einen ungewöhnlichen Zugang – und versucht es mit einem Comic, der nun erschienen ist.

Baraba Yelin, 46 Jahre alt und in München geborene Comiczeichnerin, hat in den vergangenen Jahren immer wieder Emmie Arbel getroffen. Was sie dabei über ihre Kindheit erfuhr, hat sie in einer Graphic Novel, also einem Comicroman, verarbeitet. Er trägt den Titel „Emmie Arbel – Die Farbe der Erinnerung“ und erzählt von den Erlebnissen der heute 86-Jährigen. Einige Seiten des Buchs sind bereits im vergangenen Jahr in der Anthologie „Aber ich lebe“ (C.H. Beck) erschienen.

Emmie Arbel, die heute in Israel lebt, wurde 1937 in Den Haag geboren. 1942 wurde sie erstmals in ein Konzentrationslager deportiert. Bis Kriegsende war sie in den Lagern Westerbork, Ravensbrück und Bergen-Belsen – und überlebte sie. Anders erging es ihrer Mutter: Sie starb noch im Mai 1945, dem Monat, in dem der Krieg zu Ende ging. Emmie Arbel kam zunächst nach Schweden, dann wieder in die Niederlande und wuchs in Pflegefamilien auf. Während sie an den Spätfolgen ihrer Haft zu leiden hatte, tat sich eine neue Hölle auf: Sie wurde von ihrem Pflegevater vergewaltigt und war ihm schutzlos ausgeliefert.

All das hat Yelin in dem Buch verarbeitet. Besonders an dem Comicroman ist, dass Zeiten und Orte häufig durcheinanderkommen. „Genauso wie in der Wirklichkeit“, schreibt Yelin in einer Vorbemerkung zum Buch. So ist auf einer Seite Arbel als Kind im Konzentrationslager dargestellt, bevor sie bereits im nächsten Bild wieder als ältere Frau im Café sitzt und Yelin von ihren Erlebnissen erzählt. Düstere Szenen, gemalt mit kalten Farben, wechseln sich dabei ab mit warmen Bildern. Auf einem dieser wärmeren Bilder ist etwa die alte Emmie Arbel beim Kartenspielen am Computer zu sehen.

Letztlich sind es Arbels Kämpfe mit Belastungssituationen und ihr Umgang mit Traumata, die sich wie ein roter Faden durch das Werk ziehen. Am Ende des Buches sind zur besseren Übersicht ein Personenregister, ein Glossar der verwendeten hebräischen Begriffe und eine Zeittafel zu finden. Die Unmittelbarkeit des Buches ergibt sich aber aus den Zeichnungen. Es sind nach Ansicht der Herausgeber Charlotte Schallié und Alexander Korb eben diese Bilder, die in einem Gespräch oder Interview nicht darstellbar gewesen wären.

Info Barbara Yelin: „Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung“. Reprodukt-Verlag, Berlin, 192 Seiten; 29 Euro.

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