Buchmesse Leipzig: Eine Begegnung mit Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek auf der Buchmesse Leipzig : Der deutsche Thriller-König hält Hof

Eine Begegnung mit Sebastian Fitzek auf der Leipziger Buchmesse und ein Gespräch über den Sinn des Lebens.

An Fitzek kommt echt keiner vorbei. Schon deshalb nicht, weil überall dort, wo er auf der Leipziger Buchmesse auftaucht, wenigstens die halbe Stadt zusammenkommt. Sebastian Fitzek ist – so abgedroschen das auch klingt – der Popstar der deutschen Thrillerliteratur. Fitzek hier, Fitzek da, der Autor liebt es und schätzt es oder weiß zumindest, wie wichtig der gute Rummel ums eigene Buch ist.

Und darin ist er ein Meister: In der Verfilmung von „Abgeschnitten“ hat er an der Seite von Moritz Bleibtreu eine Minirolle gespielt (der studierte Jurist durfte einen Anwalt spielen und sogar einen Satz sagen). Er hat mit dem Roman „Noah“ die rekordverdächtige Schnapsidee Wirklichkeit werden lassen, in nur einer Woche 50 Lesungen zu absolvieren – in Dresdner Plattenbau-Wohnungen bis zur Studenten-WG. Er ließ zum Buch sogar einen eigenen Soundtrack produzieren, der auf den Lesungen mit der Band Buffer Underrun zum Einsatz kommt. Und zu seinem aktuellen Thriller „Der Insasse“ wurde ein Video produziert, das sogenannte Testleser bei der Lektüre „unter Laborbedingungen“ zeigt. Der Einband ist übrigens komisch weiß gepolstert wie eine Gummizelle – wo der Roman dann auch spielt.

„Autoren können Geschichten erzählen, aber warum sollen die nur zwischen Buchdeckeln geschehen?“, fragt er und hat für sich längst Antworten gefunden. Eine davon: Wenn in einem Thriller eine Rufnummer eine wichtige Rolle spielt, dann muss der Leser nach Meinung Fitzeks diese auch anrufen können.

Das alles habe nichts mit Marketing zu tun, sagt er uns. Überhaupt sollte sich „ein Autor tunlichst davor hüten, zu glauben, für wen und für welchen Markt er schreibt. Jeder Autor schreibt immer nur für sich selbst.“ Das beherzigte er schon bei seinem Debüt: Das Manuskript zu „Die Therapie“ wurde erst einmal reihenweise von den Verlagen hierzulande abgelehnt, mit dem Argument, es gäbe einfach keinen Markt für Psychothriller aus der Feder eines deutschen Autors. Dann erschien das Buch 2006 doch, allerdings in einer kaum wahrnehmbaren Auflage. Platz 1.745.000 bei Amazon. Zwei Monate hat es gedauert, bis erste kleinere Rezensionen erschienen und sich erste Leser fanden, die das Buch wohl mochten und weiterempfahlen. Bis der Thriller des damals unbekannten Sebastian Fitzek auf Platz eins der Bestsellerlisten landete, vor Dan Browns „Sakrileg“ und Harpe Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. Sein Rezept: „Es gibt keins.“ Seine Erklärung: „Ich habe großes Glück gehabt.“

16 Thriller später hat sich daran kaum etwas geändert. Die Gesamtauflage seiner in 24 Sprachen übersetzten Bücher liegt inzwischen bei mehr als elf Millionen Exemplaren. Das gibt auch Freiraum für Überraschungen – wie jetzt mit „Fische, die auf Bäume klettern“. Das jüngste Buch – Vorsicht, ein Sachbuch! – ist eine Art Kompass fürs Leben und ursprünglich nur gedacht für seine Kinder. Die fanden das Projekt erst einmal toll, das Ergebnis aber weniger spannend. „Ein Buch ohne Bilder war ein herber Rückschlag für sie“, so der Vater.

„Fische, die auf Bäume klettern“ soll keine Blaupause fürs richtige Leben sein, sondern eine Anregung, überhaupt darüber nachzudenken, was das eigene Leben ist. Der Anlass dazu war die Frage seiner Frau, ob er schon sein Testament gemacht habe. Hatte Sebastian Fitzek nicht – bis auf die für ihn vielleicht nicht untypische Idee, auf seinen Grabstein eine Handynummer zu notieren. Die könnte man anrufen und auf die Mailbox etwas sprechen. Die Botschaften würden dann auf der Homepage veröffentlicht werden. Doch wer verlängert den Handy-Vertrag? Und wer pflegt die Homepage auch etliche Jahre nach dem Tod? Alles irgendwie schwierig.

Der 47-Jährige hat es sich darum leichter gemacht und ein Buch geschrieben als sein ideelles Testament. Was er dabei über sich lernte? Dass ihm Vieles im Leben eigentlich doch nicht so klar sei, wie er immer dachte. „Ich bin jemand, der ein Problem erst begreift, wenn er es aufgeschrieben hat.“ Und wie steht es mit dem Rat auf Seite 104? Was steht da? „Ihr müsst euch selbst gefallen.“ Trifft das auch auf Sebastian Fitzek zu? „Na ja, immer öfter vielleicht.“ Und dann fällt ihm der Satz einer guten Freundin ein, die ihm einmal verraten habe, wie toll sie es finde, jeden Tag mit sich selbst zusammen zu sein. Das könnte eine Antwort sein.

Es ist dann auch die letzte, denn die Schlange der Fans in Messehalle 3 ist jetzt schon bedrohlich lang geworden. Wer Kontakt mit dem Autor haben will, kein Problem. Seine Mail-Anschrift findet sich in jedem seiner Bücher: fitzek@sebastianfitzek.de. Über 40.000 Mails will er selbst schon beantwortet haben. Echter Dienst am Leser. Den soll es auch weiterhin geben. Seit „Der Insasse“ gibt es aber die behutsame Einschränkung: „Es könnte mit der Antwort in Zukunft etwas länger dauern.“

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