"Kolor" von Elliott Erwitt: Eindrucksvolle Zeitreise rund um den Globus

Elliott Erwitts Bildband "Kolor" : Eine eindrucksvolle Zeitreise rund um den Globus

Der Bildband "Kolor" von Elliott Erwitt ist schon aus dem Grund beeindruckend, weil er mehrere Kilogramm auf die Waage bringt. Auch die Abmessungen von 27 mal 36 Zentimeter verlangen nach einer ordentlichen Ablagefläche. Der wahre Schatz verbirgt sich aber im Innern des Bandes: Eine eindrucksvolle Zeitreise rund um den Globus.

"Kolor" ist für Fans des us-amerikanischen Fotografen Elliott Erwitt ein Fest, für alle, die noch kein Fan sind, der ideale Einstieg.

Um die nie zuvor in Buchform publizierten Farbfotografien für dieses Megaprojekt auszuwählen, durchkämmte Elliott Erwitt sein nahezu in Vergessenheit geratenes, vor allem aus Kodachrome-Dias bestehendes, umfangreiches Archiv von fast einer halben Million 35-mm-Dias.

Eine Mammutaufgabe, die zum einen eine subtile Anspielung und Hommage an George Eastman und an dessen Fotografieimperium Kodak zum Ergebnis hat und zum anderen eine sehr dankenswerte war. Denn der Bildband ist eine fantastische Essenz aus dem riesigen Bilderschatz.

Der Verfasser dieser Zeilen kann die Schwierigkeit der Auswahl - wenn auch nur ansatzweise - nachvollziehen. Nachdem der Verlag den Bildband in die Redaktion geschickt hatte, galt es, aus den 420 Fotos zehn für eine Fotostrecke auszuwählen. Schon das war schier unmöglich.

Ganz egal, ob es sich um Weltenlenker, Hollywoodstars, ganz normale Menschen oder kesse Showgirls handelt — die Motive bringen die Erwitt eigene, trockene und eklektische Sensibilität zum Ausdruck. Von Marktplätzen bis zu Militärlagern, Las Vegas bis Venedig — es ist eine vielseitige Mischung aus sorgsam beobachteten öffentlichen und privaten Kuriositäten.

Bei den meisten dieser Bilder waren die Farben wie durch ein Wunder erhalten geblieben und jedes Erinnerungen wachrufende Detail ist so deutlich wie an dem Tag, an dem sie entwickelt wurden — viele vor nahezu 60 Jahren.

Einen kleinen Fehler hat das 448 Seiten dicke Mammutwerk dann aber doch, übrigens einen, der häufiger bei Bildbänden zu beobachten ist: Um den Fotos die ihnen gebührende Wirkung kommen zu lassen, wurde, abgesehen von einem Vorwort, komplett auf Text verzichtet.

Die zeitlichen und räumlichen Zuordnungen und Erklärungen, wer oder was auf den einzelnen Fotos zu sehen ist, folgt erst ganz hinten im Buch. Schön wäre es gewesen, wenn dieser Teil herausnehmbar wäre. Dann könnte man beim Schmökern leichter nachschauen, ohne jedes Mal kiloweise Papier bewegen zu müssen. Aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.

ELLIOTT ERWITT'S KOLOR
erschienen bei teNeues

Größe: 27 x 36 cm
448 Seiten, 420 Farbfotos
Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch
€ 98, ISBN 978-3-8327-9577-1
Auch als Collector's Edition erhällich

(csr)