"Grassland" — zu Besuch auf einer Hanf-Plantage

Bildband zum Anbau in den USA: "Grassland" — zu Besuch auf einer Hanf-Plantage

Wer Cannabis anbaut, der hat vor allem eine Angst: Dass er damit auffliegt. Aus diesem Grund hat die Fotografin H. Lee fast zehn Jahre gebraucht, um so viel Vertrauen zu den Hanf-Anbauern in Kalifornien aufzubauen, dass sie endlich ihren Bildband "Grassland" veröffentlichen konnte. Der erscheint nun auch in Europa.

Auf ihren Bildern sieht man Tüten voll mit Gras auf Autositzen, Wäscheleinen, an denen das Marihuana trocknet, und Plantagen, die aussehen, als würden dort Tannenbäume für den Verkauf in der Vorweihnachtszeit angepflanzt.

H. Lee hat die Bilder in Humboldt County aufgenommen, eine Region in Kalifornien, etwa fünf Autostunden nördlich von San Francisco. 2004 besuchte sie die Bauern zum ersten Mal. "Damals war ich voller Vorurteile", schreibt sie auf der Internetseite ihres Projekts. Doch sie begann, sich für die Jobs der Arbeiter zu interessieren — und tauchte selbst ein in den Geheimbund.

"Die Gruppe misstraut Fremden sehr"

Erst 2010, nach sechs Jahren der Kennenlernzeit, begann sie mit ihren Aufnahmen. "Diese Gruppe, die ein tiefes Wissen über Anbautechniken hat, misstraut Fremden sehr", sagt sie. Schließlich setzen die Arbeiter pro Jahr bis zu einer Milliarde Dollar (umgerechnet etwa 725 Millionen Euro) um. Solche Summen machen nicht nur misstrauisch, sondern auch paranoid.

In den vergangenen Jahrzehnten mussten die Cannabis-Bauern aus Humboldt County den illegalen Anbau der Pflanze immer verstecken, stellten Gewächshäuser um die Büsche oder versteckten die Sträucher in den Holzhütten, damit keiner sieht, was dort angepflanzt wird. Erst seit Kurzem gehen sie offener mit ihrer Erwerbstätigkeit um. "Sie haben nun weniger Angst vor dem Brummen der Hubschrauber", schreibt H. Lee.

Das geht einher mit der zunehmenden Akzeptanz von Cannabis in den USA. Seit 1996 ist die Pflanze für den medizinischen Gebrauch in Kalifornien legalisiert, seit 2014 darf in Colorado jeder, der älter als 21 Jahre ist, Cannabis kaufen, besitzen und konsumieren. Der Bundesstaat Washington will noch in diesem Jahr nachziehen, US-Präsident Barack Obama ist zumindest kein Gegner von Haschisch-Konsum, hat er doch in seiner Jugend selbst gekifft.

Auf 122 Seiten zeigt H. Lee 80 Bilder, die einen Eindruck vom Leben der Arbeiter auf der Hanf-Plantage im Westen der USA vermitteln. "Ich habe begonnen, das einzigartige Universum zu verstehen", sagt H. Lee. "Dieses Projekt beschäftigt sich respektvoll mit der Kultivierung des Cannabis und begleitet eine Saison der Pflanzenproduktion — von der Farm bis zum Tisch."

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(spol)
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