Alteigentümer klagen: Bibliothek Halle gibt Zehntausende Bücher weg

Alteigentümer klagen : Bibliothek Halle gibt Zehntausende Bücher weg

Halle (rpo). In Halle macht sich unter den Bücherfreunden Bestürzung breit, denn die Universitäts- und Landesbibliothek muss Zehntausende wertvoller und sehr seltener Werke herausrücken. Der Grund dafür ist, dass etliche Alteigentümer der Bücher ihre Schätze zurückfordern.

Dafür haben sie einen so genannten "Rückübertragungsantrag" gestellt, so die "Mitteldeutsche Zeitung". Erst nach jahrelangem Zögern habe die Bibliothek Anfang 2005 der Aufarbeitung ihres Altbestandes zugestimmt. "Wir schätzen die Zahl der Bücher, auf denen ein Rückübertragungsanspruch lastet, auf etwa 250.000", sagte Projektleiterin Christine Eichhorn-Berndt. Um diese zu ermitteln, müssten zwei Millionen Bände, das entspricht über einem Drittel des Gesamtbestandes, einzeln begutachtet werden.

Das Landesverwaltungsamt, zuständig für die Bewilligung der Rückübertragungsansprüche, rechnet dem Bericht zufolge jedoch nicht damit, dass alle der 250.000 Bände auch ihrem Alteigentümer zurückgegeben werden können. "Wir gehen derzeit davon aus, dass nur bei etwa der Hälfte auch eindeutig ein Eigentümer zu ermitteln ist", sagte Monika Wicklein vom Entschädigungsreferat des Landesverwaltungsamt.

Unabhängig davon, wie viele Bücher die Universität am Ende tatsächlich zurückgeben muss, spricht Eichhorn-Berndt bereits von einem großen Verlust. "Es handelt sich um Literatur, die künftig weder für Forschung und Lehre noch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird", sagte sie dem Blatt. Noch in dieser Woche sollen einem Besitzer die ersten 1347 Bücher übergeben werden.

(afp)
Mehr von RP ONLINE