Autorin Rebecca Gable hat ihr neues Buch "Die Teufelskrone" fertig.

Autorin Rebecca Gablé im Interview : „Meine Bücher haben immer ein Happy-End“

Die Autorin Rebecca Gablé spricht im Interview mit unserer Redaktion über ihre Protagonisten und erzählt, wie ihre Bücher entstehen.

Ist John, der Protagonist Ihres neuen Buches, ein Held?

Gablé Nein, das kann man klar verneinen. Er ist eine tragische Figur, weil er sich selbst so viele Chancen verbaut hat. Er übt jedoch eine gewisse Faszination aus. Er ist mutig, aufmüpfig und kampfeslustig. In seiner Umgebung war es nie langweilig. Natürlich hat er auch eine düstere Seite. Gerade deswegen ist er eine so dankbare Romanfigur.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Gibt es eine Zeilenzahl, die Sie sich vornehmen?

Gablé Es gibt eine Maximalzahl. Ich schreibe nie mehr als zehn Seiten, und das kommt sehr selten vor. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ab der elften Seite nichts mehr richtig gelingt. Ich setze mich jeden Tag an meinen Schreibtisch, und wenn es nicht fließt, muss man den inneren Schweinehund eben überwinden. Gegen 18, 19 Uhr höre ich auf, um mit meinem Mann zu kochen. Manchmal gehe ich im Anschluss noch einmal an den Schreibtisch. Ich brauche eine Struktur. Sich hinsetzen und auf Inspiration warten, ist etwas für Amateure.

Was ärgert Sie an Geschichten, wenn Sie privat lesen?

Gablé Schlechtes Handwerk bei historischen Romanen, schlampige Recherche, Wortwiederholungen und Sprachklischees, obwohl sie mir auch schon mal unterlaufen. Schrecklich ist es, wenn Autoren ihre Figuren so anlegen, dass sie den Leser belehren. Das hasse ich.

Es gibt Leser, die nur ein Happy-End ertragen können.

Gablé Die sind bei mir gut aufgehoben, weil meine Bücher immer ein Happy-End haben. Allerdings keines, bei dem man süße Geigenklänge im Ohr hat, das mag ich nicht. Aber ich finde, dass das wirkliche Leben manchmal sehr hart ist. Daher sollte ein Buch ein Wohlfühlort sein, an den man fliehen kann, wenn es für einen nicht so gut läuft.

Wie kommt man von der Royal Air Force zum englischen Mittelalter?

Gablé Die Leidenschaft für Geschichte war zuerst da. Ich habe schon, bevor ich in die Schule kam, meine großen Schwestern genervt, mir aus Geschichtsbüchern vorzulesen. Ich habe die Vergangenheit immer wahnsinnig spannend gefunden. Mich hat interessiert, wie die Menschen früher lebten. Was bei den Römern los war. Andere Kinder haben gerne Science-Fiction-Comics gelesen, mich hat Geschichte fasziniert. Bis heute.

Man muss als Autor Biss haben, um Absagen auszuhalten.

Gablé Ja. Ich habe fünf Jahre lang einen Verlag für meine Krimis gesucht und mehr als 30 Absagen bekommen. Das war bitter und ich war ein paar Mal drauf und dran aufzugeben. Aber mein Mann, meine Schwester und mein Vater haben mich darin bestärkt weiterzumachen. Irgendwann kam dann der ersehnte Anruf.

Sie haben als junge Frau Musik gemacht. Wäre ihre berufliche Alternative Sängerin gewesen?

Gablé Nein. Als ich jung war, habe ich mit Freunden darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, den Job hinzuschmeißen und auf den Kanaren durch die Hotels zu tingeln. Das ist bestimmt toll, wenn man 30 ist. Aber mit 55?

Denken Sie schon an Ihr nächstes Buch?

Gablé Ja, und ich könnte mir vorstellen, dass es im 14. Jahrhundert spielt. Das Jahrhundert wurde in England von König Edward III. geprägt, einem meiner Lieblingskönige. Er hatte ein sonniges Gemüt, obwohl er als Kämpfer ganz schön hinlangen konnte. Er hat die Kunst gefördert und war besessen von der Artus-Mythologie, die er an seinem Hof wieder zum Leben erwecken wollte. Auf der anderen Seite ist das 14. Jahrhundert auch die Zeit des Hundertjährigen Krieges, der so viele Menschenleben forderte. Dieses Spannungsfeld finde ich als Autorin faszinierend.

Sie leben auch auf Mallorca – als Gegenprogramm zu der düsteren Geschichte?

Gablé Klar, Licht ist wichtig. Aber ich brauche keine Sonne als Gegengewicht zu den Sujets meiner Romane. Ich habe nicht das Gefühl, mich in ein finsteres Kellergewölbe zu begeben, wenn ich mich an den Schreibtisch setze. Gar nicht. Ich liebe diese Zeit.

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