Neuer Asterix-Band „Die Weiße Iris“ Friede, Freude, Eierkuchen in Gallien

Gallien · In ganz Gallien ist neue Achtsamkeit ausgebrochen. In ganz Gallien? Ja. Von dieser heimtückischen Gefahr erzählt der neue, 40. Asterix: „Die Weiße Iris“ erscheint am Donnerstag weltweit in 20 Sprachen.

  Illustration des neuen Buches.

Illustration des neuen Buches.

Foto: 2023 Les Éditions Albert René

Der Zeitgeist weht, wohin er will. Mal hierhin, mal dorthin. Mal nach Rom und ein bisschen auch ins ferne Lager Babaorum irgendwo hinten in Gallien, wo … Aber vielleicht sollte man den Text ganz anders beginnen, positiver, ein Stück weit geborgener, achtsamer vor allem. Darum dreht sich ja schließlich alles im neuen Asterix, in dem Legionäre den Angriff plötzlich verweigern, weil sie Befehle schlicht und einfach als „übergriffig“ und den harschen Ton des Zenturios als Gift fürs eigene Nervenkostüm empfinden. Eine Armee im Formtief, da hilft eigentlich nur – was? Ein bisschen Philosophie vielleicht? Das zumindest schlägt der geschmeidige Visusversus seinem großen Cäsar vor, der zwar nicht restlos überzeugt vom achtsamen Gesabbel ist, da aber in Gallien bislang in 39 Asterix-Bänden noch nichts nachhaltig gegen die Barbaren geholfen hat – warum also nicht?

„Die Weiße Iris“ heißt der neue Asterix-Band, der vierzigste seit 1959. Und fast befürchtet man nach den ersten paar Seiten, dass wir diesmal ohne Klopperei leben müssen, ohne durch die Luft fliegende Römer, ohne sinkende Piratenschiffe und Exzesse jeder Art. Gemach! Kommt Zeit, kommt Tat. Erst einmal regiert mit der intriganten Kraft des Visusversus Friede, Freude, Eierkuchen in ganz Gallien. Ganz Gallien? Excusatio (wie der Lateiner sagt): Jawohl, ganz Gallien! Im Dorf bietet am Markttag der Schmied „positive Schwingungen“ an, beim Friseur ist „regeneratives Flechten“ in Mode, und Fischverkäufer Verleihnix hat eine „meditative Dufttherapie“ im Programm.

Verrückte Welt, also unsere Welt. Und wenn es doch mal zu Gewaltausbrüchen von Unbelehrbaren (also Hinkelsteinträgern) kommt, dann finden sich auch dafür friedliebende Worte. Die nach Strich und Faden vermöbelte Römer-Patrouille meldet nach Rückkehr, dass sie zwei „recht sympathischen Galliern“ begegnet seien, die ihnen „beschwingt eins auf die Nase gegeben“ hätten. Siehste mal, auch so kann’s gehen. Keine Sorge, nicht bis zum Schluss. Und es ist nicht zu viel verraten, wenn es am Ende nicht nur eine Keilerei gibt, sondern im Mondschein ein Dorffest mit Wildschwein und geknebeltem Troubadix.

Dennoch ist nicht alles beim Alten. Mit dem Jubiläum des inzwischen 40. Bandes wird auch eine Premiere gefeiert. „Die Weiße Iris“ ist nämlich das erste Gallier-Abenteuer aus der Feder des französischen Comicautors Fabrice Caro, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Fabcaro. Er löste damit Jean-Yves Ferri nach nur fünf Bänden ab, der mit hohem Anspruch angetreten und dann im Ansehen der weltweiten Fangemeinde immer tiefer gefallen war. Ferri wollte Asterix weiterentwickeln, mit Geschichten, die ein bisschen literarischer, etwas langsamer und im Erzählton einen Tick hintergründiger waren. Das entpuppte sich als eine Art Gotteslästerung. Denn da, wo Asterix draufsteht, auch Asterix drin sein muss.

Daran hat sich Fabcaro gehalten mit seiner Geschichte, die überwiegend im Dorf spielt sowie im benachbarten, Wildschwein- wie Römer-gesättigten Umfeld. Und der mit der Figur des Visusversus auf einen im Asterix-Kosmos durchaus bekannten Typus zurückgreift, den des gefährlichen Gegenspielers, wie wir ihm schon mit Lügfix in „Der Seher“ und Tullius Destructivus aus „Streit um Asterix“ begegneten.

Fabcaros eigene Note: Er ist ein der bunten Comicwelt entstiegener Satiriker; weniger ein Geschichtenerzähler. In gefühlt jeder dritten und textreichen Sprechblase sitzt eine wirklich gute Pointe, viele wie aus dem Stand, die meisten frech, treffsicher und (alle Wildschweine bitte weghören) saukomisch.

Und da der langjährige Übersetzer Klaus Jöken in Kleve geboren wurde und in der Siegfried-Stadt Xanten heimisch ist, lesen sich viele notwendig eingedeutschten Gags gerade so, als lebten Asterix und Konsorten und Kohorten irgendwo bei uns am Niederrhein. Wenn Häuptlings-Gattin Gutemine nach Lukretia reist (warum, wird nicht verraten), verkündet der Pferdelenker: „Liebe Fahrgäste, aufgrund der Verspätung eines vorausfahrenden Karrens beträgt unsere aktuelle Verspätung nun zwanzig Sanduhren.“ Auch den gefürchteten Gesangseinlagen von Troubadix wurde viel Rheinisches eingeflüstert – etwa in dem Lied „Tote Hosen nach Atheeeen …“ oder „Gallier haaaben´s schwer, neeehmen´s leicht …“

„Die Weiße Iris“ startet mit einer weltweiten Auflage von fünf Millionen Exemplaren. Dass davon allein 1,7 Millionen auf das Konto von Deutschland gehen, zeigt eindrucksvoll, wo Galliens Freunde leben und lesen. Zumal sich die restlichen 3,3 Millionen Hefte auf weitere 19 Sprachen verteilt, in die Band 40 zum Start übersetzt wurden. Und da wir gerade bei den Zahlen sind: Seit Asterix 1959 das Licht der gallischen Welt erblickte, wurden 393 Millionen Alben verkauft.

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Dieser gigantische Erfolg hat etwas mit Comic-Heimat zu tun. Nichts hat sich in dieser Welt verändert, nichts wird sich verändern. Nicht Asterix, nicht Obelix, nicht das Abschlussfest am Ende und das Lupenbild zu Beginn. Das hat Fabcaro verstanden: dass es bei Asterix nicht so sehr um eine neue Asterix-Geschichte geht, sondern um unsere Geschichte in der alten Asterix-Welt. Zum Schluss, als die Gallier sich wieder verdreschen, fragt sich Asterix, was wohl aus ihnen geworden wäre, wenn Visusversus mit seiner Methode umfassender Achtsamkeit Erfolg gehabt hätte? Selbst der weise Miraculix kann da nur mutmaßen: „Vielleicht funktioniert sie bei späteren Generationen besser?“ Mal sehen.

Info ab 26. Oktober im Handel: „Die Weiße Iris“. Egmont-Verlag, 48 Seiten, 13,50 Euro

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