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Bochum: Bochum zeigt "Kabale und Liebe"

Bochum : Bochum zeigt "Kabale und Liebe"

Intendant Anselm Weber inszeniert Schiller mit viel Ehrfurcht vor dem Text.

Während die Zuschauer noch in die Kammerspiele des Bochumer Schauspielhauses plätschern, tobt auf der Bühne schon ein Fechtkampf. Der junge Angreifer hat keine Chance gegen den alten Lehrer. Der ist auch außerhalb der Bühne eine Instanz: Klaus Figge lehrt Fechten und Bühnenkampf an der Folkwang Universität und choreographiert Kampfszenen an den großen Theatern von Hamburg bis Wien. In seiner Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe" lässt der Bochumer Intendant Anselm Weber Figge nur ganz am Anfang als Symbolbild für das Kommende aufscheinen: Der junge Adelige, Ferdinand, ist ständig einer Übermacht erlegen - der Übermacht seiner Gefühle, der Standesgrenzen, der Religions- und Moralgesetze, dieser mächtigen Männergruppe um seinen Vater, den Präsidenten von Walter, die sich mit unlauteren Mitteln nach oben gekämpft hat.

Obwohl Friederike Becht als Luise in ihrer ersten Szene mit Kopfhörern auf die Bühne schlurft und Ferdinand an einem tollen Song teilhaben lässt, belässt Anselm Weber "Kabale und Liebe" sonst in seiner Zeit. Weil man nicht als Geschichte von heute erzählen kann, wie diese Intrige funktioniert, von welchen Kräften diese Menschen gehalten werden. Weber erzählt den aktuellen Schulstoff auch als einen Kampf um Räume - Freiräume. Das Haus des Stadtmusikanten Miller ist wie in Lars von Triers "Dogville" bloß ein Grundriss aus weißen Linien auf der leeren, schwarzen Bühne. Doch seine Grenzen sind den Millers heiliges Gut. Wenn Präsident von Walter sie überschreitet und Millers Tochter Luise als die Hure seines Sohnes darzustellen versucht, wird der Vater plötzlich mutig: "Euer Exzellenz schalten und walten im Land. Das ist meine Stube!"

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Nicht alles in Weber Inszenierung ergibt Sinn: Warum steckt Luise etwa in einer biederen Schuluniform? Auch könnte man die auf zweieinhalb Stunden komprimierte, textgetreue Inszenierung als Aufsagetheater schelten. Aber wie der Intendant sein großartiges Ensemble das Aufsagen gelehrt hat, das ist eine große Kunst. Selten hört man so verinnerlicht sprechen. Die Schauspieler fühlen sich, ganz getreu der klassischen Lehre, in ihre Figuren ein. Besonders stark ist das, wenn Kristina Peters Lady Milford in all ihren Brüchen als liebenden Menschen erfahrbar macht oder wenn Florian Langes Sekretär Wurm, der Vater der Intrige, dem Publikum plötzlich für eine Sekunde leidtut: Weil auch er im Grunde ein zurückgewiesener Liebender ist.

Nächster Termin: Donnerstag, 27. November, 19.30 Uhr www.schauspielhausbochum.de

(RP)