Debatte über Zölibat - Bischöfe antworten Merz Eine Frage der Ehe

Münster/Aachen · Nachdem CDU-Vorsitzender Friedrich Merz die Einsamkeit der Priester als eins der größten Probleme der katholischen Kirche bezeichnete, erklären jetzt die Bischöfe Felix Genn und Helmut Dieser ihre Position.

 Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz.

Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Debatten über den Zölibat gibt es nicht erst mit den Statements des neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Aber mit seinem jüngsten Denkanstoß verlängerte der Christdemokrat die lange Zeit kirchenintern geführte Diskussion in den gesellschaftlichen Raum hinein. Wobei sich der Politiker dabei nicht auf die inzwischen ausgetretenen Pfade theologischer Argumente begab, sondern die priesterliche Lebensform von ihrer profanen Seite her befragte. Danach ist seiner Meinung nach „das Alleinsein der katholischen Priester eines der größten Probleme der Kirche“. Auch darum, so Merz, sollte die Institution sich der Ehe für Priester öffnen.

Die Zukunft des Zölibats ist ein wichtiger Baustein jenes großen Reformpakets, das die katholische Kirche für ihren Synodalen Weg geschnürt hat. So antworten auch zwei Bischöfe auf Merz – und keineswegs nur kontrovers. Der Münsteraner Bischof Felix Genn erinnert an die jüngste Synodalversammlung in Frankfurt, auf der sich eine große Mehrheit der Delegierten für Lockerungen bei der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern ausgesprochen habe. Von daher, so Genn in einem Statement für unsere Zeitung, sei diese Frage in Bewegung. „Man sollte den Zölibat aber weder verteufeln noch für alle Probleme der katholischen Kirche verantwortlich machen. Das wäre deutlich zu kurz gesprungen und würde zudem alle Menschen angreifen, die diese Lebensform als Geschenk und Bereicherung erfahren.“

Mit seinem Blick auf die Einsamkeit des einen oder anderen Priester habe Merz nach den Worten des Bischofs durchaus recht. Aber es würde auch „nicht für alle alleinlebenden Priester“ gelten. „Grundsätzlich ist sicher richtig: Der Mensch, auch der zölibatär lebende Priester, ist ein soziales Wesen und braucht Beziehungen, um gut leben zu können“, so der 71-jährige Genn.

 Der Bischof von Münster, Felix Genn.

Der Bischof von Münster, Felix Genn.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Auch für den Aachener Bischof Helmut Dieser ist es gut vorstellbar, dass in der katholischen Kirche künftig verheiratete Priester ihren Dienst leisten – allerdings als eine Alternative zur bisherigen Gestalt priesterlicher Existenz. Sollte es also in dieser Frage zu einer Öffnung kommen, so Dieser, „dann nicht, weil die zölibatäre Lebensform heute keine Berechtigung oder Plausibilität mehr hätte, sondern weil es für unsere Kirche eine Bereicherung in der heutigen Zeit sein könnte, wenn es Priester in beiden Lebensformen geben würde: zölibatär oder in Ehe und Familie.“

Beide Lebensformen entsprechen nach seinen Worten in der Nachfolge Jesu einer eigenen Berufung, „die von ihm selbst ausgeht und getragen wird“. In seiner Stellungnahme für unsere Zeitung betont der 59-jährige Bischof von Aachen aber, dass der Entschluss zu einem zölibatären Leben durchaus seine Berechtigung habe: „Alles zu verlassen, auch Heimat und Familie, um Jesus nachzufolgen, das kann zu einer konkreten Lebensform führen, die sich schon in der frühen Kirche herausbildete, angefangen bei Jesus selbst und den Aposteln.“

 Der Aachener Bischof Helmut Dieser.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser.

Foto: picture alliance / dpa/Henning Kaiser

Die differenzierten Meinungen zeigen vor allem: Die vom Synodalen Weg angestoßene, von den Bischöfen aufgenommene und von Laien auch in die Gesellschaft weitergetragene Debatte ist keine Frage, die per Abstimmung entschieden und damit ein für allemal geklärt werden könnte. Vielmehr wird es auch die Qualität der Diskussionen sein, die über die Zukunftsfähigkeit von Kirche Auskunft geben kann.

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