Abschluss der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Bätzing: „Alles muss auf den Tisch, auch wenn Denkmäler fallen“

Interview | Wiesbaden · Ruhrbischof Overbeck berichtet vor seinen Amtsbrüdern „selbstkritisch“ über den „Fall Hengsbach“. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hält eine lückenlose Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe für unumgänglich.

 Bischof Georg Bätzing zieht Bilanz zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die diesmal in Wiesbaden tagte.

Bischof Georg Bätzing zieht Bilanz zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die diesmal in Wiesbaden tagte.

Foto: dpa/Arne Dedert

Auch beim Treffen der deutschen Bischöfe spielte der „Fall Hengsbach“ eine Rolle. So informierte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck seine Mitbrüder über die Missbrauchsvorwürfe gegen Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991) aus den 50er und 60er Jahren. Die „Erschütterung“ in der Bischofskonferenz (DBK) sei „groß“ gewesen, erklärte zum Abschluss der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing. Er lobte den Weg, den das Essener Bistum der Aufklärung jetzt gehe und weitere Betroffene bat, sich zu melden. „Alles muss auf den Tisch, auch wenn Denkmäler fallen“, sagte Bätzing. Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Hengsbach hatte Overbeck eigene Versäumnisse im Umgang mit dem Fall eingeräumt. Er habe 2011 von einem ersten Missbrauchsvorwurf gegen den Gründerbischof des Ruhrbistums erfahren, schrieb Overbeck an die Gemeinden. So habe er nach der Rückmeldung der römischen Glaubenskongregation, die diese Vorwürfe für nicht plausibel hielt, nichts weiter unternommen und den Fall als bearbeitet angesehen. Ohne Details nennen zu wollen, nannte Bätzing den Bericht des Ruhrbischofs als „selbstkritisch“.

Nach einem Missbrauchsurteil des Kölner Landgerichts und der Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 300.000 Euro kam auf der Vollversammlung auch der Vorschlag des Betroffenenbeirats auf den Tisch der Bischöfe, künftig Grundpauschalen in drei Kategorien an Betroffene zu zahlen. Das aber lehnten die deutschen Bischöfe ab. „Wir halten eine individuelle Fallbetrachtung, die sich an den Schmerzensgeldzahlungen der öffentlichen Gerichte orientiert, für gerechter“, so Bätzing. Zumal zivilrechtliche Klagen – wie unlängst in Köln – nicht ausgeschlossen würden, sondern eine Ergänzung darstellten. Bätzing betonte noch einmal, dass beim kircheneigenen Verfahren der Anerkennungsleistungen sexueller Missbrauch nicht voll bewiesen werden müsse. Es genüge, dass der Vortrag des Betroffenen plausibel sei. Bis Ende August seien insgesamt 2419 Anträge eingegangen, 2198 davon wurden bislang beschieden.

Schließlich beschäftigte die versammelten Bischöfe auch die Frage, wie es mit und auf dem Synodalen Weg weitergehen könne, nachdem vier Bistümer – Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt – eine weitere Finanzierung der Synodalen Ausschüsse verweigert hatten. Nun wird über die Gründung eines Rechtsträgers beraten, an dem sich die übrigen 23 Bistümer beteiligen. Auch das hat Wiesbaden gezeigt: Der Synodale Weg wird steiniger werden.