Biografie des Regisseurs Helmut Käutner

Lebensgeschichte: Käutners Leben in Filmbildern erzählt

Ein neues Buch dokumentiert auch die pazifistische Haltung des Regisseurs in der Nazi-Zeit.

Weltwirtschaftskonferenz in der Schweiz: eine junge Frau, die als Kosmetikerin in einem Luxushotel arbeitet, wird durch eine kleine Lüge zur Sekretärin des britischen Wirtschaftsministers, verliebt sich in einen Journalisten, die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Bis der  Minister den Knoten löst, und die Liebenden zusammenfinden. Eine „nette, heiter-beschwingte Komödie im gepflegten Unterhaltungsstil“ wollte Helmut Käutner 1939 mit seinem ersten Spielfilm „Kitty und die Weltkonferenz“ vorlegen. Er machte die junge Hannelore Schroth zur naiv-charmanten Hochstaplerin und zeigte eine elegante Satire, die das Konferenzwesen gekonnt persifliert. Den Nazis aber war die Handlung zu pikant, die deutsche Frau wurde ihnen zu frivol dargestellt, dafür erschien ihnen der britische Minister viel zu sympathisch. Und so wurde der erste Film des vielversprechenden  Regisseurs  gleich verboten.

Im neuen Buch „Helmut Käutner – Cineast und Pazifist“ von Bernhard Albers gibt es ein Wiedersehen mit Kitty. Und mit all den anderen Figuren, die Helmut Käutner in seiner langen Schaffenszeit selbst erfand oder aus der Literatur entlehnte, um sie vor der Kamera lebendig werden zu lassen. Aus unzähligen Filmbildern, Kinoplakaten, Setfotos hat Albers den gesamten Werdegang Käutners akribisch zusammengetragen. So blättert man durch den Bilderbogen eines Schauspieler- und Regisseurlebens, in dessen Verlauf berühmte Werke entstanden wie „Große Freiheit Nr. 7“, „Unter den Brücken“, „Des Teufels General“ oder „Der Hauptmann von Köpenick“. Doch ist das Buch keine beliebige Sammlung nostalgischer Bilder mit Schauspielern wie Marianne Hoppe, Hans Albers, Erich Ponto und wie sie alle hießen. Bernhard Albers verfolgt eine These in seiner Bilderbiografie, untersucht, wie Käutner seine pazifistische Haltung in seine Filme einarbeitete. Auch in jene, die während der Nazizeit entstanden und nicht verboten wurden.

Der 1908 in Düsseldorf geborene Käutner war kein aktiver Widerständler, aber ein Regisseur, der die künstlerischen Mittel besaß, der „kitschigen Gefahr der deutschtümelnden Verherrlichung“, wie Käutner selbst es formulierte, aus dem Wege zu gehen. So hatte ihn das Propagandaministerium   während des Krieges gebeten, einen Film über das deutsche Volkslied zu machen. Es entstand das Seemanns-Melodram „Große Freiheit Nr.7“, in dem dann zwar  deutsch gesungen wird, aber eben nicht deutschtümelnd. Außerdem wurde vor einer Hafenkulisse gedreht, in die Käutner so viel Nebel pusten ließ, dass man die Hakenkreuzfahnen nicht mehr sehen konnte. „Wenn ich es mir recht überlege, so entsprang das, was wir taten, der Verbissenheit von Cineasten, die partout nicht wollten, dass irgendetwas von dem Grauen, das sie umgab, in die Arbeit kroch, die sie taten“, zitiert Albers  aus einem Interview mit Käutner.

Mit dem neuen Buch flaniert der Leser durch Leben und Werk Käutners und blättert durch deutsche Filmgeschichte von den 1930er bis in die 1970er Jahren. Dazu findet er Texte  mit vielen Details und Verweisen zu anderen Filmen jener Jahre. Keine filmtheoretische Auseinandersetzung mit Machart und Wirkung des deutschen Films während der Nazizeit und danach, dafür einen verständlich geschriebenen Überblick über das vielfältige Werk eines außergewöhnlichen Regisseurs in seiner Zeit.

 Bernhard Albers: „Helmut Käutner, Cineast und Pazifist“, Rimbaud, 240 Seiten, 38 Euro. Das Buch wurde gefördert durch die Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post.