1. Kultur

Bigbands beim Viersener Jazzfestival

Jazzfestival in Viersen : Neustart mit musikalischen Schwergewichten

Das Internationale Jazzfestival Viersen fand am Wochenende wie gewohnt in der Festhalle statt, aber wegen der Corona-Auflagen mit gekürztem Programm. Dafür spielten Bigbands.

Wie gerupft wirkte die 34. Ausgabe des Jazzfestivals in Viersen. Corona ist natürlich der Grund, dass nur eine Handvoll Band- und Musikernamen im Programm zu lesen war. Die Pandemie, die uns seit gut anderthalb Jahren fest im Griff hat, lässt die Kulturschaffenden auch weiterhin nicht los. Nachdem dieses traditionsreiche Musikfestival im vergangenen Jahr ganz der Pandemie zum Opfer gefallen war, hat sich die Stadt Viersen ein der Festhalle angepasstes Hygienekonzept überlegt. Der große Saal ist auch für das Corona-Festival die Hauptbühne, der kleinere Ernst-Klusen-Saal und der Ali-Haurand-Keller blieben indes geschlossen. Für den Samstag hat man im Lyzeumsgarten hinter der Festhalle neu eine kleine Open-Air-Bühne aufgebaut, auf der die beiden Gewinner des „Jazzband Challenge“, die Klavier-Trios MinLuVi und Lanzensticker, ebenso bei freiem Eintritt zu hören waren wie später die Düsseldorfer Swingband French Blue.

Fast schon trotzig hat sich das Veranstalterteam vom Viersener Kulturamt bei seiner Corona-Ausgabe auf das Motto „Bigband“ eingeschworen – so als wollte man zeigen, dass auch und gerade unter den strengen Hygienemaßnahmen Konzerte mit Orchestern möglich sind. Die wahrscheinlich bekannteste der drei Bigbands war das Moka Efti Orchestra, das am Samstag, nach der Jazzrausch Bigband am Freitag und vor der International Rotary Bigband am Sonntagmorgen, die Bühne der Festhalle betrat. Der Kniff, dass eine deutsche Band von Heute eine ursprünglich afroamerikanische Unterhaltungsmusik von vor fast 100 Jahren spielt, die damals schon durch die Brille weißer, europäischer Musiker betrachtet und beinahe bis zur Unkenntlichkeit verfremdet worden war, funktioniert als akustische Kulisse für eine TV-Serie wie „Babylon Berlin“. Live vor Publikum in der Viersener Festhalle fehlten dem Auftritt dieses Orchesters aber die rasanten Kamerafahrten, die im Film aus der doch so bräsig-retrospektiven Musik einen tranceartigen Techno-Rave machten.

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Hört man das Essener Septett Botticelli Baby, das Vorband für das Moka Efti Orchestra war, in einem popmusikalischen Zusammenhang, so funktioniert die teils brachiale Kollision der Gattungen und Genres – mit dem an rohen Punk-Rock erinnernden Timbre des Sängers (und Bassisten) Marlon Bösherz, mit den expressiven Fanfaren von Saxofon, Trompete und Posaune und einer zumeist im rasenden Tempo spielenden Rhythmusgruppe. Im Kontext eines Jazzfestivals vermisst man dann aber doch die leisen Zwischentöne, eine differenzierte Dynamik und gestalterische Raffinesse.