1. Kultur

Beziehungen im Umzugs-Stresstest

Beziehungen im Umzugs-Stresstest

komödie "3 Zimmer/ Küche/ Bad" von Dietrich Brüggemann

Für Philipp wird Dina immer die Eine sein. Die Frau, die nur anrufen muss, damit er alles – und jede – stehen lässt. Wenn Dinas Umzugslaster zugeparkt ist, oder wenn aus einem Freund mal wieder ein Ex-Freund wurde. Für Dina aber wird Philipp immer nur die Schulter zum Anlehnen bleiben. Der Idiot, der nie erhört werden wird, aber dankbar den Trostpreis nimmt.

Mit diesen beiden führt Dietrich Brüggemann ("Renn, wenn du kannst") eine Ensemblekomödie ein, deren Beziehungsgeflecht sich nach und nach entwirrt. Philipp, gespielt von Jacob Matschenz, ist mit Maria (Aylin Tezel) zusammen, die zu ihm nach Berlin ziehen will. Dafür muss Philipps WG-Kumpel Thomas (lässig: Robert Gwisdek) erst mal ausziehen. Bei allen Umzügen hilft Philipps Schwester Wiebke (Katharina Spiering), die gerne einen Freund hätte, sich aber leider in Michael (Alexander Khuon) verliebt. Der träumt wie Philipp von der schillernden Dina, die Anna Brüggemann, Schwester des Regisseurs, einen Tick zu exaltiert anlegt.

Was Max Riemelt 2010 "13 Semester" lang an der Uni durchmachte, dehnt Brüggemann nun auf acht Hauptdarsteller und das gesamte Bundesgebiet aus. Zwischen Pappkartons und Waschmaschinen, Geschirrbergen und frisch gestrichenen Altbauzimmern zeichnet er das stimmige Porträt einer ganzen Generation.

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Das Ritual Umzug sei im Film noch nie gewürdigt worden, sagt Brüggemann, obwohl heute doch alle ständig umziehen. Und so sind seine Figuren immer unterwegs, auf Autobahnen oder in fremden Städten, entwurzelt und noch ohne Perspektive. Alle suchen sie nach Liebe oder wenigstens nach Freundschaft. Denn Verlässlichkeit ist wichtig in einer Welt, in der nichts und niemand lange am selben Fleck bleibt.

Der gehobene Unterhaltungswert von "3 Zimmer/Küche/Bad" liegt in den originellen Dialogen, locker verknüpften Episoden und authentischen Schauspielern, von denen viele zu Brüggemanns Stammbesetzung gehören. Im Partnertausch-Marathon verliert man auf Dauer zwar den Überblick und ein wenig auch die Geduld. Aber der lakonische Humor und Corinna Harfouch in einer grandiosen Nebenrolle bringen die ganze Beziehungsblase immer wieder glücklich zur Erde zurück. ll l

(RP)