Berliner Heine-Gesellschaft in Düsseldorf zu Besuch

Heine-Gesellschaft : Der heimatverbundene Weltbürger

Auch in Berlin gibt es eine Heinrich-Heine-Gesellschaft. Im Heine-Institut stellten zwei ihrer Mitglieder nun ein neues Buch vor.

„Berlin ist auch eine schöne Gegend“. Das sagte Heinrich Heine über die Stadt, in der er einige Jahre studiert, vor allem aber gelebt hat. Nun kamen zwei Kenner seines Werkes ins Heine-Institut: Roland Schiffter und Sabine Bierwirth lasen aus dem neuen Sammelband „Heinrich Heine – Berliner Miszellen“, den die Berliner Sektion der Heine-Gesellschaft zusammengestellt hat.

Roland Schiffter, Neurologe und Vorsitzender der Sektion, widmete sich in seinem Vortrag der Beziehung zwischen Heine und seinem Zeitgenossen Achim von Arnim, einem bekennenden Antisemiten. Dessen Frau Bettina assoziierte Heine mit Schlamm, Moder und Fäulnis. Mit weiteren abstoßenden Zitaten zeitgenössischer Intellektueller machte Schiffter deutlich: Judenfeindlichkeit in der Romantik war etwas Alltägliches. Doch wie sind diese Anfeindungen zu erklären, die bis in unsere Zeit reichen? Hier bemühte Schiffter die Evolutionsbiologie. In den kleinen Sozialverbänden zu Beginn der Menschheit sei non-konformes Verhalten eine Bedrohung gewesen, weswegen es eine instinktive Abneigung gegen Fremdes gebe. Diese Triebe könnten jedoch zivilisiert werden, da der Mensch ein weit entwickeltes Gehirn besitze. Einem Teil des Plenums griff dieser Ansatz zu kurz. Unter Verweis auf die Sozialwissenschaften wurde auf die Alleinstellungsmerkmale des Antisemitismus abgehoben, die ihn von anderen Formen der Fremdenfeindlichkeit unterschieden.

Nachfolgend befasste sich Sabine Bierwirth mit dem jüdischen Dichter und Heine-Fan Konrad Merz, bekannt durch seine Schrift „Ein Mensch fällt aus Deutschland“ (1936). Wie der Titel vermuten lässt, musste auch er Deutschland verlassen. In den Niederlanden konnte er einige Zeit publizieren, bis die Nazis das Land besetzten. Ein Großteil seines Werkes ging verloren, er selbst musste sich fünf Jahre lang in einem Wäscheschrank verstecken. Doch Merz ließ sich nicht entmutigen: Er befasste sich mit Goethe und Massagetechniken. Nach dem Krieg arbeitete er als Physiotherapeut und begann wieder zu schreiben. Mit Heine eint ihn seine Haltung: Genau wie jener entdeckte auch Merz seine Vaterlandsliebe „erst an der deutschen Grenze“. Jedoch verlor sich keiner in Deutschtümelei, beiden gelang der Spagat zwischen Heimatverbundenheit und Weltbürgertum.