Beisetzung - Tausende trauern um Kardinal Lehmann

Mainz: Tausende trauern um Kardinal Lehmann

In Mainzer Dom wurde gestern Karl Kardinal Lehmann beigesetzt. In den Straßen und auf nahegelegenen Plätzen nahmen 8000 Menschen Abschied von dem früheren Mainzer Bischof, der vergangene Woche gestorben war.

Noch vor sieben Monaten saß er da vorne, an einem sonnigen Augustsonntag. Er war auch damals schon geschwächt, aber er zelebrierte den Einführungsgottesdienst für seinen Nachfolger, den Bischof Peter Kohlgraf. Und hernach stand Karl Kardinal Lehmann gut gelaunt und erleichtert, dass er auch diese Aufgabe erfüllt hatte, Rede und Antwort und gab Auskunft über Gott und die Welt.

Und nun, an diesem kalten Tag im März? Von der Augustinerkirche in der Altstadt zum Mainzer Dom führt sein Trauerzug - dies ist der letzte irdische Weg für Karl Lehmann. Eine Stunde vor einem bewegenden Requiem im Dom steht Peter Kohlgraf in der Augustinerkirche vor dem Sarg Lehmanns und schließt die Augen. Er wirkt, wie später auch die Gemeinde im Dom, tief traurig und ein wenig verloren.

Erschrockenheit liegt auch über der Szenerie, als der Sarg, begleitet von nahen Verwandten, Freunden und höchsten kirchlichen Würdenträgern, schließlich in den Dom getragen wird. Die Musik, die Choräle, die hellen Stimmen durchbrechen die Mauer der Traurigkeit nur in einigen Momenten. Es ist dann, trotz aller tröstender Worte, der Augenblick der stärksten inneren Erschütterung, als der Sarg mit dem Leichnam Lehmanns in der Gruft beigesetzt wird. Der Sarg, in heller Farbe, besticht durch seine Schlichtheit, seine Bescheidenheit.

Kardinal Karl Lehmann ist tot: Abschied vom großen Theologen

Die Wertschätzung für den Verstorbenen ist allumfassend, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sind gekommen, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und ihre Amtskollegen aus Hessen und Baden-Württemberg, Volker Bouffier und Winfried Kretschmann. Und die Wertschätzung, die Bischof Kohlgraf in seiner Predigt an diesem Tag seinem großen Vorgänger zukommen lässt, ist von ganz besonderer Art.

Niemand hatte je ein Geheimnis daraus gemacht, dass Lehmann in Kohlgraf nicht seinen Wunschnachfolger sah. Die Art, wie dieser Kohlgraf nun predigt, lässt hoffen für das Bistum. Einen "großen Kardinal" nennt er Lehmann und erinnert mit Hochachtung daran, dass die Menschen den Kardinal "unseren Karl" nannten. Kohlgraf lobt Lehmanns Warnung, dass sich die Kirche nicht "im Diesseits vergraben und festkrallen" dürfe, sich vielmehr auf die Wurzeln Glaube, Liebe, Hoffnung besinnen müsse. Lehmann habe bewiesen, dass sich die Kirche auf die Menschen zubewegen müsse, nicht umgekehrt.

Kohlgraf schildert eindringlich, dass Lehmann nach eigenem Bekunden auch gelitten habe: Die Erde und das Leben seien "in vielem wunderbar, aber auch abgrundtief zwiespältig, zerstörerisch, schrecklich". "Brutales Denken und rücksichtsloses Machtstreben", so zitiert Kohlgraf Lehmann, "gehören für mich zu den schärfsten Ausdrucksformen der Sünde." Nicht zuletzt: Lehmann habe durch seinen Humor, sein Lachen und seine freundliche Zuwendung Brücken zu den Menschen gebaut.

"Auf Wiedersehen!", ruft Kohlgraf seinem verstorbenen Vorgänger schließlich zu. Auch Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, beschwört den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. "Keiner, der stirbt, geht einfach weg. Du wirst uns weiter begleiten", sagt er.

"Vor allem war er ganz Mensch", sagt Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, über Lehmann, der von 1987 bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war. Lehmann habe "mit seinem weiten Herzen auch unsere Seelen berührt". Lehmanns Verdienste um die Ökumene sind ein Meilenstein in der Vita des Kardinals. "Gerade, weil er die Theologie so ernst nahm, hat er sich nie mit der Trennung der Kirchen abgefunden", so Bedford-Strohm. Bevor der Sarg Lehmanns mit Weihwasser besprengt wird, singt der Chor mit dem Bach-Choral "Jesus bleibet meine Freude" gar ein Stück evangelischer Kirchenmusik.

Auch vor dem Dom trauern die Mainzer um Lehman, der von 1983 bis 2016 ihr Bischof war. Nach dem Trauerzug finden sich rund 8000 Gläubige auf dem Marktplatz und dem benachbarten Liebfrauenplatz ein, wo das Requiem übertragen wurde. Die Beisetzung in der Westkrypta des Doms können sie indes nur erahnen. Allein die engsten Angehörigen Lehmanns folgen dem Sarg in die Bischofsgruft hinab.

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(RP)