Beim Hunde-Psychologen

Beim Hunde-Psychologen

Viele Hunde sind nicht nur schlecht erzogen, sondern haben psychische Störungen. Alexander Külzer ist Hundepsychologe. Seine Erfahrung ist: Die meisten Schwierigkeiten der Tiere beruhen auf Angst – von Hund und Mensch.

Hürth Als Josie aus dem Tierheim kam, hatte sie eine schwere Macke. Sie jagte Autos und Motorräder. "Kaum fuhr ein Fahrzeug an ihr vorbei, wurde sie laut, wild und wollte wie besessen hinterher", erinnert sich Alexander Külzer. Heute hat Josie kaum noch Probleme mit Autos. Der Hündin der seltenen Rasse "Westerwälder Kuhhund" wurde ihr Verhalten abtrainiert – mit viel Geduld und vor allem viel Verständnis für die Psyche des Hundes. Josie ist Külzers Vorzeigefall. "Ich habe gezielt einen schwierigen Hund gesucht, um meinen Kunden zu zeigen, dass man auch ausgewachsene Hunde noch ändern kann", sagt der Hunde-Psychologe.

Alexander Külzer war ursprünglich Diplom-Geograph, arbeitete als Einkäufer bei einer Müllverbrennungsanlage. Vor sieben Jahren beschloss er, sein Hobby Hunde zum Beruf zu machen. Er studierte an einer Schweizer Fernuniversität Tierpsychologie. Praktische Weiterbildungen folgten in Deutschland. Seit 2004 ist Külzer selbstständiger Hunde-Psychologe. Auf einem Gelände in der Nähe von Hürth trainiert er seine vierbeinigen Patienten.

Der Kölner sieht sich nicht als herkömmlicher Hundetrainer. "Ich coache vor allem die Hundehalter. Ziel ist es, die Psyche des Hundes zu verstehen und den Hund nicht wie einen Menschen mit vier Beinen und Fell zu behandeln", sagt Külzer.

Doch warum muss ein Hund überhaupt psychologisch behandelt werden? "Der Stress für die Tiere wird immer größer", sagt Külzer. "Viele Hunde sind heute praktisch arbeitslos." Damit sei nicht gemeint, dass Menschen sich nicht genug um ihre Vierbeiner kümmerten. "Viele Rassehunde sind perfekt angepasste Spezialisten, mein Hund Josie etwa zum Hüten von Kühen, andere zum Jagen, Bewachen oder Apportieren. Doch diese Aufgaben hat heute fast kein Hund mehr", erklärt der Experte.

Außerdem betrachteten Menschen ihren Vierbeiner oft als Partner- oder Kinderersatz. "Einen Hund zu halten, um nicht einsam zu sein, ist völlig in Ordnung. Doch man sollte an den Hund nicht die Erwartung knüpfen, den Partner zu ersetzen, sondern ihn stets wie einen Hund behandeln", sagt Külzer. Die Macken der Hunde sind vielfältig. Viele seien aggressiv, ungestüm oder schwierig zu führen. Das Hauptproblem jedoch ist: "Die meisten Hunde hören einfach nicht", sagt Külzer. Es sei nicht so, dass sie nicht in der Lage seien, Sitz oder Platz zu machen, sie machten es nur leider, wann sie wollen.

Oft seien es die einfachen, gut gemeinten Dinge, die Hundebesitzer beständig falsch machten. Den Ball zu werfen und ihn sich dutzende Male vom Hund zurückbringen zu lassen, empfinden viele als ideale Tierbeschäftigung. Der Hund scheint Spaß zu haben, der Besitzer ist zufrieden. Doch weit gefehlt, meint der Hunde-Psychologe: "Dadurch konditioniert man seinen Hund auf den Auslösereiz ,schnelle Bewegung'. Verallgemeinert der Hund die Reaktion, kann er auch mal einen Hund oder Radfahrer hetzen. Nach dem Hetzen kommt das Packen", erklärt Külzer. Hütehunden oder Terriern etwa würde man so erst beibringen, sinnlos Dingen oder gar Menschen nachzujagen.

Viele Marotten stammen nach Külzers Ansicht nicht vom Hund selbst, sondern von dessen Halter. "Springt der Hund den Halter an, ist das nicht immer nett gemeint. Der Hund zeigt, dass er der Chef ist, dass er bestimmt, wann der Halter was tut." Gleiches gelte bei Hunden, die so lang an der Leine ziehen, bis sie dort sind, wo sie hin wollen. "Der Besitzer muss jederzeit der Boss sein. Auch wenn der Hund noch so niedlich guckt oder durch Stupsen zum Streicheln einladen will", erklärt der Hundepsychologe.

Vielen Besitzern fehle die Erkenntnis, wie der Hund wirklich tickt. "Die meisten Halter sind nicht konsequent genug. Diese Menschen haben Angst, der Hund könnte sie nicht mehr lieben", so Külzer. Das sei völlig falsch: "Jeder Hund sucht eine Autorität. Strahlt man die aus, folgt der Hund von alleine. Eine antiautoritäre Erziehung kann es bei Hunden nicht geben", meint Alexander Külzer.

Methoden mit Leckerli oder Quietschbällen hält der Experte nicht für besonders effektiv, doch auch Gewalt dürfe nicht sein. Wenn der Hund etwas macht, was er nicht soll, reiche es oft, ihn zu ermahnen und ihm Aufmerksamkeit nur dann zu geben, wenn er etwas Wünschenswertes macht. Viele Hundehalter würden ihre Tiere so erziehen wie Kinder. "Manches ist ähnlich. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Kinder werden zur Selbstständigkeit erzogen, Hunde zu Unselbstständigkeit. Chef im Ring muss immer der Hundehalter sein."

Die meisten Hunde, die von ihren Besitzern zu Alexander Külzer gebracht werden, sind Terrier. "Jack-Russel-Terrier sind sehr beliebt, weil sie klein sind und süß aussehen. Doch Terrier sind Jagdhunde, die sehr viel Aktivität und eine klare Führung brauchen", sagt Külzer.

Die Kunden des Hundepsychologen stammen aus allen sozialen Schichten. Vom Rentner mit viel Zeit bis zum gestressten Vorstandschef, der zwar Herr über hunderte Mitarbeiter ist, aber bei seinem Hund nicht das Sagen hat. In Einzel- oder Gruppensitzungen auf dem Hundeplatz leitet Külzer seine Kunden zum richtigen Umgang mit Hunden an. Manchen reichen ein bis zwei Sitzungen, andere müssen öfter kommen. Die Erfolgsquote ist hoch, auch bei älteren Hunden.

Ein großes Problem im Zusammenleben von Hund und Mensch ist laut Külzer die Angst – und zwar auf beiden Seiten. "Hunde, die Angst haben, sind oft aggressiv und unberechenbar. Nur ein gelassener er Hund ist belastbar", sagt der Experte.

Kinder hält der Experte zwar für gute Begleiter von Hunden. Doch: für die Erziehung sollten stets Erwachsene zuständig sein.

Und was sollten Menschen mit Angst vor Hunden tun, wenn sie etwa im Park von einem unbekannten Kläffer angebellt werden? Külzer hat drei Regeln: Möglichst ruhig stehenbleiben, dem Hund nicht in die Augen schauen und ihm nicht den Rücken zudrehen oder weglaufen. "Viele Hunde verlieren dann schnell das Interesse", so Külzer.

Internet Kontakt und weitere Infos zu Hundepsychologen unter www.menschhund.com

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