Befreiend: "Tomboy"

Befreiend: "Tomboy"

WORUM GEHT'S? Während der Sommerferien ist die zehnjährige Laure mit ihrer Familie umgezogen. Als das burschikose Mädchen für einen Jungen gehalten wird, schlüpft es ohne Wissen der Eltern in die neue Identität, nennt sich Michael, spielt Fußball und verliebt sich in die gleichaltrige Lisa. WER SPIELT MIT? Zoé Héran, Jeanne Disson. WIE IST DER FILM? Céline Sciamma erzählt ebenso unsentimental wie sensibel. Spielerisch umkreist ihr Film die Fragen, ob das Geschlecht sozial oder biologisch konstituiert ist, ob es um freie Wählbarkeit oder um Zuschreibung geht. "Tomboy" bleibt immer nahe dran an der Welt der Kinder, zeigt Laures inniges Verhältnis zur kleinen Schwester und ihre Sehnsucht nach der Welt der Jungs. Weil die Regisseurin sich dabei fernhält von den apodiktischen Auswüchsen der Gender-Diskussion, hat ihr Film etwas beglückend Befreiendes. llll

RUPERT KOPPOLD

(RP)