Beastie Boys Buch

Das „Beastie Boys Buch“: Die coolste Band der Welt

Das großartige „Beastie Boys Buch“ erzählt, wie drei Freunde im New York der frühen 1980er Jahre eine HipHop-Gruppe gründeten.

Dieses Buch ist dick genug, man kann sich draufsetzen und es als Schlitten benutzen, dann trägt es einen zurück durch die Zeit und an einen anderen Ort, und heraus kommt man in New York, und da läuft gerade das Jahr 1981. Überall hört man dort Musik; Blondie, Queen und frühen Rap. Die Straßen funktionieren wie ein gewaltiges Mischpult, die Sounds wehen aus fahrenden Autos herüber, aus offenen Fenstern und dem Ghettoblaster, den eine Gruppe Jugendlicher in ihrer Mitte abgestellt hat. Die drei Jungs, die da miteinander herumstehen und jeden Song mitsingen, sind Freunde, beste Freunde sogar, sie haben einander über die Musik kennengelernt, was für Freundschaften die beste Grundlage überhaupt ist. Sie mögen Kiss und Bad Brains, und nun haben sie selbst eine Band gegründet: Sie sind die Beastie Boys.

Von all dem erzählt das „Beastie Boys Buch“, das im Übrigen nicht nur deshalb so schwer ist, weil so viele tolle Geschichten drinstehen wie jene von der Fluglinie British Airways, die jedem Beastie Boy 100.000 Dollar überweisen musste, weil sie die erste Single des jungen Trios ungefragt in einem Werbespot verwendete, sondern auch, weil es ein Grabstein sein soll. Adam Yauch, den seine Kumpels MCA nannten, starb 2012 an Krebs, und natürlich produzieren die zurückgelassenen Michael Diamond (Mike D) und Adam Horovitz (Ad-Rock) nun keine Musik mehr, weil das ohne Yauch ja gar nicht geht. Trotzdem machen sie weiter „weltweite Action“, wie Udo Lindenberg, ein anderer Fachmann in Sachen Freundschaft, das nennt. Sie geben ein Buch heraus, und sie sorgen dafür, dass zwischen den Zeilen Licht brennt und an Yauch erinnert, an jenen Yauch, mit dem sie so gern noch das Empire State Building hinaufgeklettert wären, weil Kumpel so was nun mal tun.

Rap war neu zu Beginn der 80er Jahre, und die drei Jungs fanden darin ihr Medium. Sie schrieben Hymnen und würzten sie mit comedy-artig inszenierten Wortgefegechten; sie brachten Grips und Clownerie in den Rap, und sie drückten aufs Gaspedal, denn sie hatten die Energie des Punk mitgebracht. In New York wurden zu jener Zeit die Grenzen zwischen den Genres eingerissen; Postpunk flirtete mit Reggae, Grandmaster Flash trat im Vorprogramm von The Clash auf, und wenn man eine Melodie von Kraftwerk sampelte, wurde man noch nicht vor Gericht gezerrt. Die Beastie Boys durchkämmten Plattenläden und suchten Obskuritäten, aus denen sie Songs bauen konnten. Wie gut das klappte, hört man auf der LP „Paul’s Boutique“ von 1989.

Weggefährten liefern Beiträge für das Buch, der Autor Jonathan Lethem etwa und die Regisseure Wes Anderson und Spike Jonze. Es gibt die Lieblingsrezepte der Musiker zum Nachkochen, Playlisten mit Liedern, die sie gern hörten, und an denen kann man gut ablesen, wie aus der Rabauken-Gang die lässigste Band der Welt wurde: Sie begannen, daheim Krautrock von Can aufzulegen, und der wirkt erwiesenermaßen bewusstseinserweiternd.

Eminem ist ihr größter Fan, er widmete ihnen das Cover seiner aktuellen Platte. Wie gut die Beastie Boys waren, erkennt jeder, der sich die Videos zu „Intergalactic“, „Sabotage“ und „Three MCs and One DJ“ ansieht. Drei Freunde, die einander dazu inspirierten, nach den Sternen zu greifen. Der wichtigste Vers ihres Gesamtwerks geht so: „New York, you made it happen.“