BALLETT-SCOUTS zu „Coppélia X Machina“ „Ein verstörend-faszinierendes Ballett“

Düsseldorf · Unsere Kritiker sahen bei der Uraufführung von „Coppélia X Machina“ der kanadischen Choreografin Hélène Blackburn ein futuristisches Spektakel. Ihre Meinungen gehen aber auseinander.

Hélène Blackburns „Coppélia X Machina“ mit Tänzer Niklas Jendrics und dem Ensemble Ballett am Rhein

Hélène Blackburns „Coppélia X Machina“ mit Tänzer Niklas Jendrics und dem Ensemble Ballett am Rhein

Foto: Ingo Schäfer

Bei der Ballett-Uraufführung „Coppélia X Machina“ der kanadischen Choreografin Hélène Blackburn konnten die Opernscouts der beklemmenden Verschmelzung von Mensch und Maschine viel abgewinnen. Nach diesen ersten Kurz-Kommentaren sind ausführliche Besprechungen in einigen Tagen unter www.operamrhein.de auf der „Coppélia“-Seite nachzulesen.

Christine Preuß, Marketing-Managerin: „Das Ballett hatte Opulenz und Ästhetik. In ihren weißen Kostümen wirkten die Tänzer und Tänzerinnen anfangs noch wie Menschen, später wurden sie zu Kreaturen. Ein Brückenschlag zur künstlichen Intelligenz, die etwas Bedrohliches und dennoch Bereicherndes haben kann. Bei der Musik hätte ich gerne in den Orchestergraben geschaut. Wie werden diese Laute bloß erzeugt? Die Choreografie enthielt für mich nie Gesehenes, etwa einen Mann, der in Spitzenschuhen tanzt.“

Markus Brandstetter, Unternehmensberater: „Das Beste und Gelungenste, was ich in dieser Saison gesehen habe. Vielleicht lag es daran, dass man so frei war in seinem Denken und Betrachten. Die Musik war fantastisch – ein Cyber-Ensemble. Die Compagnie, die sich wie Automaten bewegte, hat den Maschinentest komplett bestanden. Handelt es sich am Ende tatsächlich um Maschinen, die man sogar lieben kann? Ich erlebte den Abend als eine körperliche Inspiration.“

Elke Böttcher, Buchhändlerin: „Ein verstörend-faszinierendes Ballett. Wie ist es der Puppe möglich, so gar keine Körperspannung aufzubauen? Science-Fiction ist für mich eine befremdliche Welt. Aber wegschauen konnte ich nicht, zu spannend waren die abgehackten Bewegungen, die Metallhände, die Geräusche der Tänzer als Versinnbildlichung der Maschinen. Eine Ambivalenz, von der Choreografin sicher so gewünscht. Die Musik passte perfekt dazu.“

Peter Ripka, Bildhauer und Grafik-Designer: „Großartig. Das Licht, das Zusammenspiel von Bühnenbild und Bewegung, das sich auffaltende Gitter. Die Musik hat mich durch das ganze Stück getragen. Die kraftvolle Choreografie unterstrich die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Ich war gebannt und konnte dennoch nebenbei meine Skizzen machen.“

Anna von Aulock, Schulsozialarbeiterin: „Für mich gab es in dem Ballett überhaupt keine Harmonie. Mich irritierte, dass eine Aufbaustimmung erzeugt wurde, die aber nie zu einem Höhepunkt fand. Ich hatte lange das Gefühl, damit nichts anfangen zu können. Sollte Kunst nicht leichter zugänglich sein, selbst das elitäre Ballett? Erst im zweiten Teil konnte ich etwas loslassen. Herausragend war die Leistung der Compagnie. Bei der Puppe musste ich fast die Luft anhalten.“

Anne Florack, Publizistin: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Metall-Stelzen etwas häufiger vorgekommen wären. Auch wäre mir eine etwas weniger orchestrale Musik lieber gewesen. Oft hätten elektronische Klänge besser gepasst, um das Maschinelle zu betonen, das wäre interessant und nützlich gewesen. Ansonsten beeindruckten mich die vielen Tänzer auf der Bühne. Mir gefiel, dass es kein Handlungsballett war. Ich musste nichts verstehen und auflösen, konnte alles auf mich wirken lassen.“

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