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Autorin klagt vor Gericht gegen Gendersprache in ihrem Text

Sprachdebatte nun vor Gericht : Autorin klagt gegen Gendersprache

In einem Magazinbeitrag korrigierte ein Verlag den Text in gendergerechte Sprache. Ohne Rücksprache mit der Autorin. Statt Zeichner ist nun von einer „zeichnenden Person“ die Rede. Dagegen klagt die Autorin.

Die einen verwenden es, andere wiederum nicht. Aber fast alle tun es aus Überzeugung. Die Gender-gerechte Sprache ist zum strittigen Selbstverständnis unserer Gesellschaft geworden und landet jetzt sogar vor dem Hamburger Landgericht. Dabei geht es um eine Urheberrechtsverletzung. So hatte Trainerin und Kunsttherapeutin Sabine Mertens einen Beitrag für das Magazin „Training aktuell“ geschrieben. Und obwohl Mertens mehrfach angemerkt hatte, keine Gendersprache nutzen zu wollen, nahm der in Bonn ansässige Verlag Manager Seminare an zwei Stellen Änderungen vor. Statt Zeichner ist nun in dem Heft von einer „zeichnenden Person“ die Rede.

 Gegen diesen textlich kleinen, womöglich aber ideologisch tiefen Eingriff wehrt sich Mertens nun. Nicht aus einer Laune heraus oder wegen verletzter Eitelkeit. Sabine Mertens leitet beim Verein Deutsche Sprache (VDS) die AG Gendersprache. Die Textänderungen seien ohne ihre Rücksprache gemacht worden, betont Mertens gegenüber unserer Redaktion. Zudem würden die Änderungen ihrer eigenen Auffassung fundamental widersprechen. Im konkreten Fall: „Ein Zeichner ist und bleibt ein handelndes Subjekt; er drückt sich in der Form einer Zeichnung aus.“

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Nach ihren Worten stehe hinter der Gendersprache immer auch eine weltanschauliche Sicht. „Doch die Sprache ist das falsche Instrument, um politische Zwecke durchzusetzen.“ Für sie ist die Gendersprache vor allem „eine elitäre Kunstsprache, mit der u.a. Karrierewege beeinflusst und zur Abwechslung Männer diskriminiert werden“. Das habe dazu geführt, dass „wir uns inzwischen in einer sprachlichen Klassengesellschaft befinden“.

 Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte Nicole Bußmann, Chefredakteurin des Magazins, dass man es bedauert, die in der Schlussredaktion vorgenommene Umformulierung nicht mit der Autorin abgestimmt zu haben. Da es in dem Text um Personen gegangen sei, „die in einem Coaching zeichnen, nicht um die Berufsgruppe der Zeichner“, sei die Änderung auch Sicht der Redaktion aber „gut vertretbar, sie ist weder sinnentstellend noch verstümmelt sie die Sprache“.

 Nach den Worten Bußmanns arbeite der Verlag für eine „menschengerechtere Arbeitswelt. Wir stehen für Diversität, Pluralität, Toleranz, Gleichbehandlung“. Auch aus diesem Grund habe man sich vor längerer Zeit für ein sogenanntes gemäßigtes Gendern entschieden. „Wir nutzen keine Binnen-Is, keine Doppelpunkte, keine Schrägstriche, aber sehen zu, dass Frauen wie Männer gleichsam in den Texten vorkommen“, so Bußmann. Keinesfalls aber sehe man sich als „Hardliner im Gendern“. Zudem sei die Klägerin mit ihrem Publikationswunsch auf den Verlag zugekommen, so dass ihr die hausinternen Sprachregelungen bekannt gewesen sein dürften.