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Ausstellung „State of the Arts“ in der Bundeskunsthalle in Bonn

Ausstellung in Bonn : Museum testet Schmerzgrenze

Der Neustart nach dem Lockdown: Die Bundeskunsthalle zeigt in der Schau „State of the Arts“ Gegenwartskunst. Aber ist das wirklich der Stand der Dinge, der in Bonn präsentiert wird?

Die Bundeskunsthalle meldet sich nach dem Corona-Lockdown zurück. Im Wochentakt präsentiert das Haus nun drei neue Ausstellungen, die die bis 30. August laufende Schau „Wir Kapitalisten“ flankieren sollen: „State of the Arts. Die Verschmelzung der Künste“ macht mit aktueller Kunst an der Schnittstelle von bildender und darstellender Kunst den Anfang; es folgt in der kommenden Woche „Doppelleben“, eine Schau, die bildende Künstler von Yves Klein bis Pipilotti Rist präsentiert, die auch musikalisch unterwegs waren oder sind; Ausstellung Nummer drei stellt 14 Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung vor, die Zukunftsfragen ventilieren.

Gleichermaßen Vergangenheit wie Zukunft stecken in der von Johanna Adam und Miriam Barhoum konzipierten Ausstellung „State of the Arts“, wobei die Kuratorinnen auf einen Exkurs in die 1960er Jahre verzichten, als die Grenzen etlicher Kunstgattungen gesprengt wurden, sich bildende Kunst, Film, Musik, Theater, Performance, Aktion zu einem Amalgam mit revolutionärem Impetus verwandelten – und man en passant etwa die Malerei totsagte.

Dafür präsentieren Adam und Barhoum 13 Positionen der Gegenwartskunst, die sich völlig selbstverständlich des Crossovers bedienen. Dass einem beim Gang durch die Ausstellung vieles bekannt vorkommt, liegt in der Natur der Sache: Der Fluxus der 1960er war in Nachfolge von Dada die geniale und in ihrer Radikalität kaum zu überbietende Blaupause für eine gattungsübergreifende Kunst.

Intermediale Kunst, der Begriff wurde 1966 von Dick Higgins geprägt, zieht den Betrachter mit ins Werk. So im Aktionsraum „Solo“, den Christian Falsnaes für jeweils fünf Minuten zur Verfügung stellt: Vor dem Spiegel kann man tun, was man will. Mit Rachel Monosovs Objekten kann der Besucher seine (Schmerz-)Grenzen austesten, etwa die Hand zwischen zwei Kakteen in der Schwebe halten.

Das Konzept ist alles, die Handschrift des Künstlers zählt nicht: Neu ist auch dieser Ansatz nicht, aber selten kam das so originell daher, wie in der Arbeit „The Artist“ von David Shrigley, der einen Roboter mit Menschengesicht, Perücke und Stiften in den Nasenlöchern hin und her über das Papier fahren lässt.

Geradezu konventionell präsentiert sich Raphaela Vogels arg gedrängtes, konfuses Sammelsurium in einem engen Raum, der, von Schreien durchwabert, einem Rieseninsekt zum Auftritt verhilft, ängstlich beäugt von gefesselten Puppen. Im Video sieht man die Künstlerin auf einer Klippe in einem durch Computertricks aufgewühlten Meer. „Tränenmeer“ lautet der Titel. Einige Schritte entfernt kämpft sich Simnikiwe Buhlungu im Video durch drei Drehbücher von Spike Lee und versucht sich dabei ähnlich erfolglos einen Joint zu drehen. Mit Abstand die schönste Arbeit.

Ob das aber unterm Strich „State of the Art“ ist, darf bezweifelt werden. Die Debatte ist eröffnet.

Info Bundeskunsthalle; bis 16. August. Di, Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr.