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Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: 50 Jahre beste Freunde

Ausstellung in der Kunstsammlung NRW : 50 Jahre beste Freunde

Die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung hat ihren Kunstschatz im K 20 ausgebreitet.

Gut, wenn man gute Freunde hat. Die in der Not nicht lange fragen, sondern handeln. So wie einst der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau (SPD), der sich dem Freundeskreis der Kunstsammlung seines Landes als allerbester Freund erwies. Dieser kunstsinnige Eliteclub der Landeshauptstadt wollte ein Bild von Francis Bacon erwerben, ein Meisterwerk aus der Serie „Blue Man“. Nur fehlte es am nötigen Kleingeld, in diesem Fall war es eine beträchtliche Summe. Robert Rademacher, Vorsitzender des Freundeskreises seit 36 Jahren, machte sich damals auf zu Johannes Rau. „Rau konnte man einfach anrufen“, erzählt Rademacher, „schnell hatte man einen Termin, wenn es um die Kunst ging.“ Die beiden Männer tranken Tee, Rademacher erzählte von dem wichtigen Bild für die Sammlung Klassischer Moderne, das man gerne hätte, und dass genau noch eine Million dazu fehlte. Sogleich ging Rau ans Telefon, wählte, und, ohne seinen Namen zu nennen oder eine Einleitung zu formulieren, trötete er in den Hörer: „Ich brauche eine Million!“ Kurze Pause für die Frage des Menschen am anderen Ende der Leitung. Dann Rau wieder: „Es ist wichtig!“ Im nächsten Moment kehrte er zu Rademacher zurück und verkündete: „Wir haben die Million!“

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Heute ist die Kunstsammlung des Landes NRW unglaublich reich an Kunst, mit ihrer Sammlung einzigartig und vielbeachtet in der Museumslandschaft Europas. Auch die Gesellschaft der Freunde, die sich 1969, sieben Jahre nach Gründung der Landesgalerie, formierte, hat nicht nur vielerlei Freundschaftsdienste geleistet, sondern exemplarische Kunstwerke erworben in Absprache mit den jeweiligen Direktoren. Nur das Beste war gut genug, „die Auslese der Auslese“, so lautete das Credo von Gründungsdirektor Werner Schmalenbach. Wobei er sich als harter Knochen gab, der manche Künstler trotz internationalen Renommees partout nicht in sein Haus hineinließ. Er konnte sich das leisten. Der für die Landesgalerie richtungsweisende Direktor schwamm im Geld, und Schmalenbach konnte absolutistisch Nein sagen.

Maßgeblich bestimmt bis heute der Direktor, respektive die Direktorin die Ankäufe, damit diese als Dauerleihgaben die Sammlung ergänzen. Rund 40 Werke wurden in 50 Jahren aus Mitgliedsbeiträgen plus Spenden und Geschenken angeschafft, darunter Spitzenstücke von Amedeo Modigliani oder Max Ernst, Horst Antes oder Robert Rauschenberg, Ernst Wilhelm Nay oder Georg Baselitz, Cy Twombly oder Ellsworth Kelly, schließlich die „Düsseldorfer“ Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys, Günther Uecker, Gerhard Richter, Candida Höfer und Thomas Struth.

Namedropping haben die Freunde dabei nie im Sinn, ihnen geht es allein um vorzügliche Werke von vorzüglichen Künstlern. Die erste große Ausstellung der 43 Meisterstücke in der Kunstsammlung am Grabbeplatz (2. OG) macht diese einmalige Freundschaftsgeschichte jetzt plastisch erlebbar. Der große lichte Raum der Henkel-Galerie hat neuerdings Mauern und eine Nische bekommen.

Der Besucher läuft zunächst Isa Genzken in die Arme, „Untitled“ heißt ihre spiegelnde Arbeit aus Stahl – die jüngste Neuerwerbung, unter Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer angeschafft. Am Ende des Parcours kommt man zu den Anfängen der Sammlung. Schon fühlt man sich wie in einem Schmuckkästchen vor lauter kapitaler Pracht namens Modigliani, Ernst und Bacon. Dazwischen haben die aufreibenden Nagelstücke von Günther Uecker („Zwischen Hell und Dunkel“, 1983) Platz gefunden, das luftige Federstück von Piero Manzoni („Achrome“, 1962), Lucio Fontanas geschlitzte Leinwand („Concetto spaziale“, 1965), Bechers Foto-Schlüsselwerke und zwei ihrer Schüler.

Ein bunter Reigen, der sich auf seine Weise schließt, da es alles Zeitzeugen eines Jahrhunderts sind, international und regional, mit Schwerpunkt auf Düsseldorf, das ein künstlerisches Epizentrum der Nachkriegskunst wurde.

Die sehenswerte Ausstellung im Begleitprogramm des Ai-Weiwei-Schwerpunktes beleuchtet ein Kapitel von Freundschaft. Ehrenwerte Bürger aus Nordrhein-Westfalen engagieren sich seit 50 Jahren für ihre Landesgalerie – in guten wie in schlechten Zeiten. Sie haben politisch Druck gemacht, als es um den Erweiterungsbau am Grabbeplatz ging und haben Kosten dafür übernommen.

Bald 1000 Freunde sind es, dazu eine Schar Freunde unter 40 Jahren, der KLUB21. Ohne den Mann an der Spitze, den Kölner Kaufmann Robert Rademacher, stünde diese Kunst-Clique sicher nicht so erfolgreich da. Rademacher, bald 80, ist Motor, Gestalter und beinharter Verhandler. Und er ist vernarrt in die Kunst.