Ausstellung "Hollywood Icons" in Oberhausen

Ausstellung in Oberhausen : Wiedersehen mit alten Bekannten

Das Star-Porträt war eine enorm einflussreiche Kunstform in Hollywoods großer Zeit. Die Ludwiggalerie widmet ihr nun eine Schau.

Denkt man heute an Audrey Hepburn, schiebt sich sofort ein Bild vor das innere Auge: Das schwarz-weiße Porträt der Schauspielerin in ihrer Rolle in „Frühstück bei Tiffany“ mit Seiden-Handschuhen, Zigarettenspitze und Rehblick. Bud Fraker hat diese Aufnahme 1961 gemacht. Er war einer der Fotografen, die im goldenen Zeitalter der Traumfabrik Porträt- und Standbildaufnahmen der Stars schossen – und eine besondere Arbeitsbeziehung verband ihn mit Audrey Hepburn. Obwohl die Bilder der Film-Fotografen den Ruhm Hollywoods und seiner Stars mitbegründeten und bis heute als Ikonen gelten, sind die Namen der Menschen hinter der Kamera kaum bekannt. Die Ludwiggalerie Oberhausen rückt sie jetzt in den Mittelpunkt der sehenswerten Schau „Hollywood Icons“ mit hohem Nostalgie-Faktor.

Welche Bedeutung die Fotografen hatten, lässt sich gut am Beispiel von Clarence Sinclair Bull erzählen: Bei den Dreharbeiten zum Stummfilm-Drama „Es war“ trifft er zum ersten Mal auf Greta Garbo und lichtet sie ab. Sie fasst schnell Vertrauen und lässt sich ab 1929 ausschließlich von ihm fotografieren. Die Arbeit Clarence Sinclair Bulls ist neben den Filmen die einzige Verbindung zwischen ihr und ihren Fans, er hat größten Anteil an ihrem Image als geheimnisvolle Schönheit, als „schwedische Sphinx“. In der Ludwiggalerie sind einige dieser Garbo-Porträts mit mysteriöser, lasziver Aura in spannungsvollen Lichtstimmungen zu sehen.

Auch Clarke Gable hat Bull fotografisch inszeniert beim Anzünden einer Pfeife. Die festgehaltene Bewegung scheint zu fließen, sich mit dem Rauch zu verflüchtigen. Bilder wie dieses taugen als Stilikonen, Tausende, vielleicht Millionen von Menschen wollten so leben, sich so kleiden, geben und einrichten wie die Filmstars auf diesen Bildern.

Trotzdem galten die Fotografien nie als Kunst, sondern bloß als Gebrauchsware für die Werbe-Kampagnen der Studios. Der Filmhistoriker John Kobal, der sich in seinen Anfängen selbst als Schauspieler versuchte und alles aufsog, was mit der Filmproduktion zu tun hatte, hat sie dem Vergessen entrissen, musste ganze Fotoarchive vor dem Müll retten. Alle Bilder der Ausstellung stammen aus der Sammlung seiner Stiftung.

Wie Kulisse, Kostüm, Maske und die Arbeit der Fotografen die Stars machten, kann man an Audrey Hepburn ablesen: Gleich gegenüber ihrem Porträt aus dem Filmset von „Frühstück bei Tiffany“, auf dem sie süß, neckisch und fröhlich wirkt, hängt ein Still aus Billy Wilders „Sabrina“, ebenfalls von Bud Fraker. Audrey Hepburn steht mit Kurzhaarfrisur am Fenster, im Licht, das durch die Lamellen scheint. Eine unnahbare Schönheit, mit Sehnsucht und leichter Verzweiflung im Blick, ein gänzlich anderer Typ.

Doch es sind nicht nur schwarz-weiße Porträts, die die Ausstellung bietet. Aus der goldenen Zeit Hollywoods von den 1920er bis 1960er Jahren finden sich auch viele Filmstills und Aufnahmen aus den Produktionen. Eine der wenigen Farbfotografien in der Schau zeigt die junge Judy Garland 1939 verloren in der detailreichen Kulisse des „Zauberers von Oz“ (Eric Carpenter hat fotografierte sie). Ted Allan hat Johnny Weissmüller als Tarzan auf Elefanten reitend inszeniert und Errol Flynn mit nacktem Oberkörper abgelichtet. Nackte Haut ist im prüden Hollywood sonst eher wenig zu sehen – Jane Russell im leichten Kleid im Stroh bei den Aufnahmen zu „Geächtet“ ist eine der wenigen Ausnahmen explizit erotischer Aufnahmen.

Beim Betrachten der rund 200 Aufnahmen von Alfred Hitchcock über Marlene Dietrich bis Humphrey Bogart glaubt man, sie alle zu kennen. Die ikonischen Bilder haben sich tief ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Der Mehrwert der Schau ist, dass sie schon im ersten Raum auch die Geschichte ihrer Fotografen erzählt. Und das man bei einigen Fotos doch stutzt: Das Bild John Waynes als junger und schlanker Beau, 1931 fotografiert von William Fraker, sieht man nicht so oft.

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